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  • 05.07.2018
  • von Tilmann Warnecke

Neuer DFG-Förderatlas: Berlin forscht am besten

von Tilmann Warnecke

Gut geforscht. Eine große Stärke Berlins sind die Geistes- und Sozialwissenschaften. Foto: Lars Reimann/Imago

Berlin ist der Spitzenstandort der Wissenschaft in Deutschland: Das geht aus dem neuen Förderatlas der DFG hervor. FU und HU landen in den Top Ten der Unis.

Berlin ist die Forschungsmetropole Deutschlands, annähernd erreicht nur von München – so sieht die deutsche Wissenschaftslandschaft laut des neuen Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aus. Die Forscherinnen und Forscher der Hauptstadtregion werben demnach mit Abstand die meisten Fördergelder ein, die Freie Universität und die Humboldt-Universität gehören zu den Top Ten der Hochschulen.

Der DFG-Förderatlas macht alle drei Jahre publik, wohin die Mittel der größten Forschungsförderorganisation gehen. Das Einwerben dieser Gelder bedeute eben nicht nur einen monetären Gewinn, sagte DFG-Präsident Peter Strohschneider am Donnerstag: „Es ist auch ein Ausweis von wissenschaftlicher Qualität.“

Zwischen 2014 und 2016, dem Zeitraum der aktuellen DFG-Analyse, flossen 794 Millionen Euro an DFG-Mitteln nach Berlin. Den Vorsprung bauen die Berliner sogar aus, nachdem sie die Münchner erstmal vor gut einem Jahrzehnt überholt hatten. Der Vorsprung vor München liegt jetzt bei gut hundert Millionen Euro, während die Differenz in den drei Jahren zuvor noch rund 80 Millionen Euro betrug. Als „sehr aktive“ Regionen stuft die DFG auch den Unteren Neckar ein, also Heidelberg und Mannheim, das Obere Elbtal rund um Dresden, den südlichen Oberrhein mit Freiburg als Zentrum sowie Aachen und Göttingen. Diese liegen mit einer Fördersumme von jeweils zwischen 250 und 400 Millionen aber schon deutlich hinter Berlin und München zurück.

Woraus sich die Dominanz von Berlin und München speist

Die Dominanz von Berlin und München speist sich nicht zuletzt daraus, dass die beiden Städte zu den wenigen Regionen gehören, die gleich über mehrere Universitäten und Fachhochschulen verfügen. Dass die Anzahl der Hochschulen aber nicht automatisch eine Spitzenposition garantiert, zeigt das Beispiel Hamburg. Die Hansestadt, Sitz von immerhin zwei großen Unis und sieben weiteren staatlichen Hochschulen, fällt deutlich hinter Berlin und München ab, aber auch hinter Heidelberg und Dresden. Dresden wiederum habe sich als Forschungsraum kontinuierlich nach vorn gearbeitet, weil Sachsen seit der Wende auch stark auf die Ansiedlung außeruniversitärer Institute gesetzt hat, sagte Strohschneider.

In dem Ranking dominieren die Exzellenzuniversitäten – ganz einfach, weil sie durch ihre Erfolge in dem Wettbewerb zusätzliche Millionen erhalten, die andere Unis kaum durch Erfolge anderswo wettmachen können. Nur zwei Unis schaffen es ohne den Elite-Status unter die ersten zehn: die ehemaligen Exzellenzunis Freiburg und Göttingen.

Ein "Gütesiegel" für das deutsche Wissenschaftssystem

Ganz oben stehen wie gehabt die LMU München, Heidelberg und die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen. Die FU folgt auf Platz Fünf, die HU auf Platz Neun. Die TU Berlin kommt auf Rang 24. Die drei großen Berliner Unis halten damit ihre Positionen. Überhaupt „gibt es nur sehr wenig Bewegung“, sagte Strohschneider. Er wertete das als „Gütesiegel“ für das deutsche Wissenschaftssystem. Für ihn zeigt sich in der Konstanz und Stabilität der Rangfolge, dass Hochschulen ihre Forschungsprofile richtig wählen und langfristig halten können.

Berlins besondere Stärke sind die Geistes- und Sozialwissenschaften. FU und HU führen hier mit großem Abstand vor der Konkurrenz. Die FU auf Platz Eins hat mit 91,6 Millionen Euro fast doppelt so viel wie die drittplatzierte LMU München eingeworben (HU: 72,6 Millionen Euro). Ob Literaturwissenschaft, Alte Kulturen, Philosophie, Geschichte, Musik- und Theaterwissenschaften: In fast allen Disziplinen des Geistes glänzen FU und HU. Nirgendwo sonst sind zudem so viele Einrichtungen in dem Feld konzentriert. Man denke an das Wissenschaftszentrum Berlin, das Deutsche Archäologische Institut oder die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, deren Museen und Sammlungen nicht nur Besucherinnen und Besucher, sondern eben genauso Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt anziehen.

Für Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller ist denn auch die Vernetzung der Berliner Wissenschaftseinrichtungen „besonders beachtlich“. Damit spielte er auch auf die gemeinsame Bewerbung der Berliner Universitäten in der neuen Runde der Exzellenzinitiative an: Berlin ist neben Hannover bekanntlich der einzige Standort, an dem die Unis mit einem Gemeinschaftsantrag ins Rennen gehen wollen.

Die Jagd auf Drittmittel wird nicht nur positiv gesehen

Ähnlich wie Berlin in den Geisteswissenschaften sticht in den Ingenieurwissenschaften Aachen hervor. Ansonsten sei die deutsche Wissenschaft durchaus „polyzentral“ aufgestellt, betonte Ulrich Rüdiger, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz. In den Lebenswissenschaften etwa gebe es nicht nur in Berlin und München ein großes Cluster, sondern auch in Heidelberg. In den Naturwissenschaften ist die bundesweite Zusammenarbeit zwischen Unis und Instituten besonders ausgeprägt, heißt es im Förderatlas – wobei die führenden Unis Mainz, Hamburg und Bonn sind. Die TU Berlin kommt hier wie in den Ingenieurwissenschaften unter die ersten Zehn.

Nun wird die ewige Jagd auf Drittmittel an den Hochschulen nicht nur positiv gesehen – nicht zuletzt, weil die Drittmittel kaum langfristige Planungssicherheit bieten. Die DFG verzeichnet hier immerhin eine „Trendwende“. Seit 2014 wachsen die Grundmittel durch die Länder erstmals seit langem stärker als die Drittmittel. Ulrich Rüdiger forderte, das dürfe keine Momentaufnahme bleiben. Denn nur Unis, die langfristig auskömmlich Geld erhalten, könnten im nationalen und internationalen Forschungswettbewerb bestehen.

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