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  • 11.06.2018
  • von George Turner

Turners Thesen: Mehr Professuren helfen nicht immer

von George Turner

Unser Kolumnist George Turner. Foto: Mike Wolff

Mehr Professuren: Diese Forderung ist allenthalben zu hören. Die Hochschulen müssten sich aber auch fragen, ob sie nicht zu viele und häufig ungeeignete Studierende haben, meint unser Kolumnist.

Die Zahl der Professoren stagniert, die der Studierenden steigt. Das Betreuungsverhältnis wird immer schlechter, im Durchschnitt 1: 67. Kein Wunder, dass eine Aufstockung des wissenschaftlichen Personals gefordert wird. Bis zum Jahr 2025 sollen es zusätzlich 7500 Stellen sein, so fordert es nach dem Wissenschaftsrat jetzt auch die Interessenvertretung der Universitätsprofessoren. Das mag rechnerisch richtig sein. Eine solche Zahl neuer Stellen würde auch das Problem wissenschaftlicher Nachwuchskräfte entkrampfen, eine Dauerstelle zu finden. Es bleiben aber Nebenwirkungen eines entsprechenden Ausbaus unbedacht.

Auch ein gestreckter Zuwachs an Stellen über mehrere Jahre bedeutet, dass innerhalb eines jeweils relativ kurzen Zeitraums viele Stellen besetzt werden können. Das wird unter dem Druck der Verhältnisse auch geschehen: Wenn Stellen nicht besetzt werden, riskiert man die Streichung. Da die existierenden Studierenden betreut werden müssen, können Stellen nicht unbesetzt bleiben. Dann besteht aber auch die Gefahr, dass Abstriche bei der Qualität der Kandidaten gemacht werden. Solche Erscheinungen hat es bereits in der Zeit gegeben, als in bestimmten Disziplinen überproportional viele neue Stellen geschaffen und besetzt wurden. Als eine „gesunde“ Erneuerungsrate werden vier Prozent angesehen; in den 1970er Jahren betrug die Rate in einigen Fächern fast 15 Prozent.

Studieren nicht ohne die erforderlichen Voraussetzungen

Wenn man also die Relation Professoren zu Studierenden ins Visier nimmt und meint, an der Schraube in eine Richtung drehen zu müssen, sollte man bedenken, dass auch eine Bewegung in eine andere Richtung möglich ist. Die große Zahl von Studierenden wird nicht zuletzt deshalb als Belastung empfunden, weil ein nicht zu vernachlässigender Teil nicht die erforderlichen Voraussetzungen für ein Studium mitbringt. Jeder (und selbstverständlich auch jede), wer das Zeug dazu hat, sollte studieren können, unabhängig von den eigenen finanziellen Möglichkeiten. Aber alle, die studieren möchten, sollten auch die intellektuellen Voraussetzungen mitbringen. Eine schärfere Beurteilung in der Schule, ggf. Eingangsprüfungen und/oder Nachweise der Befähigung nach einer ersten Phase würden helfen, insoweit Entlastung zu schaffen. Es entspricht allerdings nicht der political correctness, diesen Aspekt der Belastung von Professoren im Zusammenhang mit der Forderung weiterer Stellen zu erörtern.

Mehr Stellen zu fordern, ist die eine Seite der Medaille. Zur anderen Seite gehört auch die Betrachtung, wodurch die Belastung entsteht. Das ist zum einen die große Zahl der Studierenden; innerhalb der großen Zahl aber ist es die zum Teil fehlende Substanz.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail senden: george.turner@t-online.de

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