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  • 13.04.2018
  • von Amory Burchard

Geplantes Islam-Institut in Berlin: Zentralrat der Muslime kooperiert bei der Islam-Theologie

von Amory Burchard

Kommen und Gehen. Auch wenn der Beirat noch nicht komplett ist, will die Humboldt-Universität die Gründung ihrer Islamischen Theologie weiter vorantreiben. Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Es geht voran beim Berliner Islam-Institut - ein bisschen. Auch der Zentralrat der Muslime unterschreibt die Vereinbarung, die Islamische Föderation lässt noch abstimmen.

Auch der Zentralrat der Muslime hat der Kooperationsvereinbarung für den Beirat der Islamischen Theologie an der Humboldt-Universität zugestimmt. Die Islamische Föderation will in der kommenden Woche ihre Mitglieder dazu befragen. Damit hat ein Krisentreffen in der Senatskanzlei am Freitag zumindest einen Teilerfolg gebracht.

Nachdem bereits der schiitische Verband die Vereinbarung zum ursprünglichen Stichtag am 1. April unterschrieben hatte, könnten sich nun drei von fünf Verbänden an der Gründung der Berliner Islam-Theologie beteiligen. "Das ist ein gutes Ergebnis, damit kann die Humboldt-Universität gut weiterarbeiten", sagte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach dem Tagesspiegel.

Vollständige Konstituierung parallel zur Instituts-Gründung

Die weitere Konstituierung des Beirats - gebraucht werden fünf Verbände beziehungsweise Verbandsvertreter und vier unabhängige muslimische Wissenschaftler - soll parallel zur Gründung des Instituts für Islamische Theologie verfolgt werden. Das erklärten die Wissenschaftsverwaltung und die Humboldt-Uni am frühen Abend per Pressemitteilung.

Vorangegangen war ein Schlichtungsgespräch in der Senatskanzlei, das von Staatssekretär Krach geleitet wurde. Er hatte dazu die Vertreter der bislang beteiligten fünf konservativ ausgerichteten Islam-Verbände sowie den Gründungsbeauftragten der Humboldt-Universität, den Mittelalterhistoriker Michael Borgolte, eingeladen. Dessen Verhandlungsführung hatten der Zentralrat und die Islamische Föderation zuvor kritisiert. Zumindest der Zentralrat scheint jetzt seine Bedenken überwunden zu haben - und die Föderation schließt dies vorbehaltlich des Mitgliedervotums nicht aus.

Gleichwohl sei auch beim Gespräch am Freitag noch einmal "deutlich geworden, dass es zu einigen Punkten unterschiedliche Auffassungen gab und gibt", sagte Krach.

Ditib und Kulturzentren wohl nicht dabei

Auskommen muss der Beirat nun wohl ohne die türkische Ditib und den Verband der Islamischen Kulturzentren. Die Ditib hatte der Vereinbarung zum Beirat bereits eine eindeutige Absage erteilt, weil sie keine Sperrminorität der Verbände etwa bei der Zustimmung zu theologischen Professuren vorsieht. Auch am Freitag erklärte die Ditib nicht ihre Bereitschaft zur Unterschrift. Die Kulturzentren hatten bislang ebenfalls nicht unterschrieben und blieben am Freitag dabei.

Dass die Islam-Verbände gefragt werden müssen, wenn es um die Berufung der Theologie-Professoren geht, ist unstrittig. Ihr Votum gleicht der Unbedenklichkeitserklärung, die die evangelische und katholische Kirche zu Professuren abgeben, dem „Nihil obstat“ (es steht nichts entgegen). Beim Beirat zur Islam-Theologie hatten sich die Verbände aber mehrheitlich dagegen gesträubt, dass das Votum von vier zusätzlich bestellten verbandsunabhängigen muslimischen Wissenschaftlern bei der erforderlichen Zweidrittelmehrheit gleichrangig sein soll.

Platz für mindestens zwei neue Gruppierungen

Der Wissenschaftssprecher der Linkspartei, Tobias Schulze, hatte am Freitag auf Twitter vor Abschluss des Gesprächs in der Senatskanzlei gefordert: „Wenn es kein Einlenken gibt, muss Beiratszusammensetzung neu diskutiert werden.“ Ziel sollte dann eine „breite Legitimation“ des Kontrollgremiums sein, schrieb Schulze. Gemeint ist damit, künftig etwa auch Vertreter liberaler Strömungen im Islam einzubeziehen.

Platz wäre im Beirat nach dem aktuellen Stand der Dinge für mindestens zwei weitere Gruppierungen.

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