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  • 04.01.2018
  • von Amory Burchard

Mathematik-Studium in Berlin: Nur sehr wenige scheitern an der Mathe-Hürde

von Amory Burchard

Hohe Ansprüche. Die Auskünfte der Unis zu Mathe-Durchfallern beziehen sich auf das Grundschullehramt und andere Mathematik-Studiengänge. Foto: imago/Agentur 54 Grad

Viele Studierende in Berlin fallen in ihren Mathe-Prüfungen durch. Aber die allermeisten überwinden sie spätestens im dritten Anlauf.

Bei den angehenden Grundschullehrkräften an der Freien Universität hatte sich die Mathe-Angst vor einem guten Jahr bis zur Panik gesteigert. Nachdem zum Abschluss des Sommersemesters wie berichtet 36 Prozent durch die Mathematikklausur gefallen waren und bei der Wiederholung im September 43 Prozent, sahen sich viele vor dem Aus. Denn die Studierenden haben nur drei Versuche.

Hohe Durchfallquoten von 21 Prozent im Sommersemester 2016 bis hin zu 44 Prozent im Wintersemester 2014/15 bestätigte die FU jetzt der Wissenschaftsverwaltung – bezogen auf das Grundschullehramt, in dem Mathe für alle Pflicht ist, und auf die übrigen Mathematikstudiengänge. Nach den Durchfallquoten gefragt hat der CDU-Abgeordnete Adrian Grasse.

FU: In vier Jahren nur ein Durchfaller auch im dritten Versuch

Aus der Antwort von Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach geht indes auch hervor, dass die Panik wohl überzogen war: Der FU zufolge gab es seit 2014/15 nur einen einzigen Fall, in dem das Studium wegen Nichtbestehens im dritten Versuch beendet werden musste – und zwar im Sommersemester 2017. Zudem hat die Durchfallquote eine fallende Tendenz, zuletzt lag sie bei 29 Prozent.

An der HU schwankt die Quote zwischen 15 Prozent 2016 und 27 Prozent 2015/16, zuletzt waren es 17 Prozent. Endgültig durchgefallen sind an der HU etwas mehr Studierende als an der FU; am meisten waren es im Sommer 2016 mit sechs Fällen. Ein Jahr später war dort aber niemand mehr betroffen. Die TU hat Durchfallquoten von 19 bis aktuell 22 Prozent und zuletzt fünf nicht bestandene Drittversuche, maximal waren es sieben. Die Beuth-Hochschule meldet 14 bis 40 Prozent Durchfaller – und keinen einzigen im dritten Versuch.

Warm-ups, Brückenkurse und Tutorien helfen

Woran liegt es, dass die an der Uni geforderte Mathematik für die allermeisten am Ende doch zu schaffen ist? Die Hochschulen verweisen auf ein breites Unterstützungsangebot. An der HU etwa reicht es von Warm-up-Wochen vor Studienbeginn und Erstsemester-Lerntagen, an denen die Schulmathematik wiederholt wird, bis zu studienbegleitenden Zusatztutorien, in denen Fragen zu Vorlesungen in Analysis oder Linearer Algebra geklärt werden. Die Uni betont allerdings, dass diese Tutorien „nur von einem Bruchteil der Studierenden“ genutzt werden – und zwar von den „eher interessierten und leistungsstarken“. Die Nachfrage nach einem neuen und speziell für die Grundschulmathematik entwickelten Vorkurs dagegen wachse stetig. Ebenso wie ein mathematischer Brückenkurs solle er „langfristig ein fester Bestandteil“ des Studienprogramms werden – falls es dafür genügend Personal gebe.

Wissenschaftsverwaltung will die Entwicklung beobachten

Die FU verweist allgemeiner auf ihre Brückenkurse und Tutorien, die TU unter anderem auf spezielle mathematische Präsenz- und Online-Vorbereitungskurse vor Studienbeginn. Staatssekretär Krach betont, dass die Unis durch die Hochschulverträge für 2018 bis 2022 verpflichtet sind, insbesondere ihre Unterstützungsangebote für die Grundschulmathematik zu verstetigen. „Die Entwicklung wird weiter beobachtet“, verspricht Krach.

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