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  • 10.03.2017
  • von Amory Burchard

Sensationsfund in Ägypten: Archäologen entdecken Kolossalstatue von Ramses II.

von Amory Burchard

Rumpf und Kopf der Ramses-Statue am Grund einer Baugrube in Kairo Foto: imago/Xinhua

Die Archäologie hat eine neue Sensation: Ein deutsch-ägyptisches Team birgt in Kairo eine sieben Tonnen schwere Statue von Pharao Ramses II.

Mit breiter Brust ist Ramses II. im altägyptischen Tempelbezirk Heliopolis aus dem Grundwasser aufgetaucht. „Vom Bauchnabel bis zur Oberlippe“ reicht das etwa sieben Tonnen schwere Fragment, berichtete Dietrich Raue, Archäologe an der Uni Leipzig, am Freitag am Telefon. Bei Notgrabungen in einer Baugrube im heutigen Kairoer Innenstadtbezirk Matariya hat er mit einem deutsch-ägyptischen Team die Kolossalstatue des Pharaos aus der 19. Dynastie des Neuen Reichs entdeckt.

Neben dem Torso wurde auch der Kopf der Statue mit Krone freigelegt, unweit davon ihr Fundament. Die Gesamthöhe schätzt Raue auf neun Meter. Die schweren Fragmente sollen am kommenden Montag mit einem Kran vollständig geborgen werden.

Hohe künstlerische Qualität bis in die Schlüsselbeine

Häufig wird von archäologischen Sensationsfunden berichtet, dies ist allem Anschein nach tatsächlich einer. Raue schwärmt von der künstlerischen Qualität der vor rund 3200 Jahren entstandenen Skulptur: Das Quarzit, aus dem sie besteht, ein gehärteter Sandstein, habe eine besonders exakte Bildhauerarbeit ermöglicht. Das zeige sich etwa in den exquisit geformten Schlüsselbeinen des Pharao. „Die Verglasung des Gesteins erzeugt zudem eine besondere hellbraune Maserung und einen Glitzerglanz“, sagt Raue.

Statue stand im Tempelbezirk des altägyptischen Sonnenkults

Bedeutend ist die Entdeckung auch wegen des Fundortes: Die Heliopolis ist das Zentrum des Sonnenkults, der altägyptischen Religion über drei Jahrtausende. Dort wandelte sich die mythische Landschaft der Weltentstehung in einen Tempelbezirk, errichtet auf dem „Urhügel“ Heliopolis. „Und im Hof des ersten Tempels stand die Statue Ramses II., die wir jetzt freilegen“, sagt Dietrich Raue.

Die Funde sollen in Kairoer Museen gezeigt werden

Am originalen Fundort könne leider kein archäologischer Park entstehen, um die neuen Entdeckungen und andere bereits von Raues Team geborgene Spuren der Tempelanlagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "In Kairo wird jeder Bauplatz für die Menschen gebraucht", sagt Raue. Weil die Fundstätte zudem zwei Meter unter dem Grundwasserspiegel liegt, könne sie unmöglich begehbar gemacht werden.

Kleinere Stücke will die ägyptische Antikenbehörde ab dem Frühjahr aber in einem neuen "Site Museum" unweit des einstigen Tempelbezirks ausstellen. Die Ramses-Statue soll nach Aussagen des Antikenministers im geplanten Grand Egyptian Museum in Gizeh gezeigt werden.

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