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  • 12.02.2017
  • von George Turner

Turners Thesen: Der Fall Holm könnte der Humboldt-Uni schaden

von George Turner

George Turner war Berliner Wissenschaftssenator, Präsident der Universität Hohenheim und Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz - und ist Kolumnist des Tagesspiegels. Foto: Mike Wolff

Der Umgang mit der Causa Holm könnte der Humboldt-Universität im Exzellenzwettbewerb negativ ausgelegt werden, befürchtet unser Kolumnist George Turner, Wissenschaftssenator a.D.

Die entscheidende Runde um den begehrten Titel „Exzellenzuniversität“ ist eingeläutet. Universitäten, die im Rahmen der Exzellenzstrategie erfolgreich sein wollen, müssen sich „in strategischen Gesamtkonzepten zu ihrer Governance, Berufungsstrategie und institutionellem Reifegrad“ äußern. Die Universität Freiburg verlor den Status. Sie geriet seinerzeit wegen einer Dopingaffäre in die Schlagzeilen. Die Humboldt-Universität ist auf dem besten Weg, es ihr gleichzutun.

Die Erklärung der Universität anlässlich der Entlassung, Holm sei ein allseits anerkannter Wissenschaftler, war voreilig und damit fahrlässig. Ebenso liebedienerisch ist die aktuelle Erklärung, man sei froh, seine Expertise für die Universität erhalten zu können. Bisher liegen nur Voten seiner politischen Gesinnungsgenossen vor. Forderungen von Interessengruppen kann man unterstützen, eine wissenschaftlich begründete Aussage werden sie nicht dadurch, dass der Absender eine Stelle als Wissenschaftler bekleidet.

Unverantwortlich, die Besetzung des Instituts zu dulden

Wenn bei der Kündigung nicht bedacht wurde und jetzt erhellend erkannt wird, dass sie möglicherweise einer Klage nicht standhält, entspricht das der Maxime „erst handeln, dann denken“. Solcher Dilettantismus ist für Universitäten kein vertretbares Handlungsprinzip.

Die Besetzung von Institutsräumen zu dulden, ist angesichts der begründeten Klagen wegen knapper Kassen unverantwortlich. Universitäten sind kein rechtsfreier Raum. Wenn Studierende meinen, aus Verbundenheit zu einem Mitarbeiter, der sich die Stelle durch Lügen erschlichen hat, den Lehrbetrieb stören zu müssen, bleibt die Solidarität zu den studierwilligen Kommilitonen auf der Strecke.

Die Humboldt-Universität hat die rote Karte gegen Holm durch die gelbe ersetzt – den Vergleich versteht jeder.

Causa Holm wird bei Exzellenz-Beurteilung zu Buche schlagen

Das Muster der HU ist zu einfach: Der Ertappte streitet über Wochen alles ab, Dritte organisieren Proteste, die Universität laviert; ob die „Reue“ mehr als ein Lippenbekenntnis ist, bleibt offen. Wie wäre es, wenn Heiner Fink (1992 wegen IM-Tätigkeit entlassener Rektor) Bedauern an den Tag legte; würde er dann auch wieder mit einem Lehrauftrag betraut?

Man sollte nicht glauben, bei der Beurteilung, ob derzeitig bereits der Reifegrad in dem erforderlichen Maße gegeben sei, würden die Causa Holm und deren Nebenwirkungen nicht zu Buche schlagen. Governance bezeichnet das Steuerungs- und Regelungssystem im Sinn von Strukturen einer Einheit. Die HU muss immer mehr erklären.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail senden: george.turner@t-online.de

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