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  • 10.07.2018
  • von Henrik Mortsiefer, Katharina Heflik

Fahrassistenten für Lkw: Gemeinsame Aktion für sicheres Abbiegen

von Henrik Mortsiefer, Katharina Heflik

Toter Winkel. Im Schnitt kommt jede Woche ein Fußgänger oder Fahrradfahrer ums Leben, weil ein Lkw-Fahrer ihn beim Abbiegen übersehen hat. Foto: Arno Burgi/dpa

Das Bundesverkehrsministerium startet eine Aktion zur Nachrüstung von Lastwagen mit Abbiege-Assistenten - Appelle gibt es seit Jahren, passiert ist wenig.

Jede Woche kommt im Schnitt auf deutschen Straßen ein Fußgänger oder Fahrradfahrer ums Leben, weil ein Lkw ihn beim Abbiegen im toten Winkel übersehen hat. Auch in Berlin gab es deshalb 2018 schon mehrere Tote. Bundesregierung, Lkw-Hersteller, Verbände und Unternehmen wollen nun gemeinsam dafür sorgen, dass Lastwagen mit Abbiege-Assistenten nachgerüstet werden, damit Unfälle künftig vermieden werden.

Am Dienstag trafen sich im Bundesverkehrsministerium rund 70 Vertreter von Speditionen, Herstellern, Zulieferern, Rad- und Verkehrsverbänden sowie technischen Prüfdiensten und Verkehrspolizisten. Wie das Ministerium anschließend mitteilte, wollen zahlreiche Unternehmen ihre Lkw auf freiwilliger Basis mit dem Sicherheitssystem ausstatten. Minister Andreas Scheuer (CSU) nimmt das Thema offenbar ernster als seine Vorgänger – auch auf Druck des Bundesrates. Dieser hatte im Juni einem Antrag der Länder Berlin, Bremen, Brandenburg, Hessen und Thüringen zugestimmt. Demnach fordert die Länderkammer eine EU-weit verpflichtende Ausrüstung von Lkws mit Abbiege-Assistenten. Für ältere Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen soll es eine Nachrüstpflicht geben.

Keine gesetzliche Pflicht vor 2022

Weil die Hersteller gesetzlich nicht zum Einbau der Assistenten verpflichtet werden können – die EU will dies erst ab 2022 vorschreiben –, passierte bislang wenig. Obwohl über Fahr-Assistenten schon seit 2012 diskutiert wird, hat nur Daimler seit 2016 ein entsprechendes System in seine schweren Lkw eingebaut. Allerdings aktuell auch nur „in rund jedem dritten neuen Actros und Antos, der in Deutschland gekauft wird“, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. „Zukünftig sollte kein Lkw mehr unterwegs sein, der nicht mit einem Abbieg-Aassistenten ausgerüstet ist“, erklärte Scheuer in Berlin. Als Beispiel will er bis 2019 die Nutzfahrzeuge aller nachgeordneten Behörden damit ausrüsten. Den Anfang mache die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) mit mehr als 260 Lkw.

Ein Abbiege-Assistent zur Nachrüstung kostet laut Scheuer 800 bis 1300 Euro. Kosten, die viele Firmen gleichwohl scheuen. Der Minister will sie deshalb finanziell fördern – wie hoch, ist noch unklar, die Mittel stehen auch noch nicht bereit. Der ADAC, der ökologische Verkehrsclub VCD, Logistikverbände, Handelsfirmen und Experten begrüßten die „Aktion Abbiege-Assistent“. Allerdings wurden auch Versäumnisse kritisiert. „Das Bundesverkehrsministerium hätte schon weiter sein können – auch in den internationalen Verhandlungen“, sagte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft, dem Tagesspiegel. Das Thema sei „relativ gelassen angegangen“ worden. Dies ändere sich nun offenbar.

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