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  • 12.06.2018
  • von Peter Maahn

Deutsche Autobauer in den USA: BMW ist die Job-Maschine in South Carolina

von Peter Maahn

In Spartanburg in South Carolina fertigt BMW schon seit 1994 - seit Jahren vor allem die SUV-Modelle der X-Reihe. 70 Prozent der Autos gehen in den Export - auch nach Deutschland. Foto: BMW

BMW ist der größte Autoexporteur der USA – vor Chrysler und Ford. Ein Streifzug rund ums Werk der Bayerischen Motoren Werke im Trump-Wähler-Land South Carolina

General Motors, Ford und Chrysler stehen für Autos Made in USA. Doch wer aus dem Trio ist der größte Autoexporteur in Nordamerika? Die Antwort: Keiner von ihnen. Ausgerechnet die von Donald Trump so gescholtenen deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes tragen dazu bei, die katastrophale Außenhandelsbilanz der USA zu verringern. „Die Deutschen sind böse, sehr böse“, hatte der Präsident über deren Verkaufserfolge gewettert und dabei Wesentliches unterschlagen. Aus den amerikanischen Werken der beiden Edelmarken werden jedes Jahr Fahrzeuge im Wert von zusammen rund zehn Milliarden Dollar (umgerechnet 8,5 Milliarden Euro) in alle Welt verschifft. Im Falle von BMW sind es mehr als 70 Prozent der US-Produktion.

Ortstermin in Greenville, einer Kleinstadt im Ostküstenstaat South Carolina: knapp 60 000 Einwohner, gut 20 Kilometer von der weltweit größten BMW-Fabrik Spartanburg entfernt. Hier war einst das Zentrum der amerikanischen Textilindustrie – bis Tommy Hilfiger, Calvin Klein und andere Mode-Ikonen in den 1960er-Jahren die Produktion nach Asien verlegten. Die Folgen waren hohe Arbeitslosigkeit, verödete Kommunen, verbitterte Wähler, die stets ihr Kreuz bei den Republikanern machten.

1994 kam der Münchener BMW-Konzern, errichtete eine Fabrik, die sich inzwischen auf einem 460 Hektar großen Gelände ausbreitet. So erblühte auch Greenville, die Innenstadt ist heute liebevoll hergerichtet, versprüht Südstaaten-Flair, lockt mit Bars, Restaurants und Straßencafés. Die Menschen haben wieder mehr Geld – auch dank des größten Arbeitgebers der Gegend.

BMW-Arbeiter - und Trump-Wähler: Kein Gegensatz?

In einem auf Bistro getrimmten Restaurant erzählen Phil und seine Freundin Monica von ihrem Job. Beide arbeiten ebenso wie 9000 andere bei BMW, er am Band, sie in der Endkontrolle. Ihr Privatwagen ist ein Toyota, da die Autos, an denen sie mitarbeiten, „einfach zu teuer“ sind. Beide haben 2016 Trump gewählt, wie mehr als 60 Prozent in diesem Bundesstaat. Verstehen sie den präsidialen Feldzug gegen ihren Arbeitgeber? Phils Antwort ist ein klares „Ja, aber“. „Trump will einen gerechten Handel“, erklärt er seine Sicht der Dinge. „Die anderen Länder sollen mehr amerikanische Autos kaufen“. Aber mit BMW habe er den falschen erwischt, fügt der 32-Jährige schnell hinzu. „Ich sehe es ja täglich an den Computer-Zetteln auf unseren Autos, wohin sie verkauft werden“, sagt er mit Stolz in der Stimme. „China, Deutschland, einfach überall hin“. Jede Nacht gehen bis zu 1000 SUV-Modelle vom extra ausgebaggerten Hafen in Charleston per Schiff rund um den Globus.

Gute Deutsche, böse Deutsche? Für den republikanischen Gouverneur von South Carolina gehören die Bayern eindeutig zu den Guten. Henry McMaster, leidenschaftlicher Trump-Unterstützer, nannte BMW ein großartiges „Familienmitglied“ und ein Beispiel für „fairen Handel im Zeichen der Globalisierung“. „Das deutsche Engagement hat bewirkt, dass sich andere Firmen ebenfalls in South Carolina ansiedelten“, sagte der Gouverneur und wagte gleichzeitig den Spagat eines treuen Parteigängers: „Ich habe großes Vertrauen in BMW und in die Menschen, die hier arbeiten, dass die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben wird. Ich vertraue aber auch dem Präsidenten, dass er die richtigen Schritte unternimmt, das Ungleichgewicht im internationalen Handel zu überwinden“.

Arbeiter identifizieren sich weniger mit ihren Arbeitgebern

Gut 30.000 Menschen sind direkt oder indirekt von den Münchnern abhängig. Im ganzen Land sind es sogar 70.000. Und es sollen mehr werden, da BMW bis 2021 noch einmal 600 Millionen Dollar investieren und 1000 neue Stellen im Werk schaffen will. In Spartanburg werden die meisten der sogenannten X-Modelle für den Weltmarkt produziert.

Doch es wird nach Aussagen eines BMW-Managers immer schwerer, geeignete Fachkräfte zu finden. Grund dafür sind neben den zahlreichen Zulieferbetrieben auch Mercedes mit dem Werk in Alabama und Volkswagen in Tennessee, die Arbeitskräfte brauchen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass auch noch Volvo in zwei Wochen ein Werk in Charleston eröffnet.

Hinzu kommt, dass amerikanische Arbeiter kein so treu-inniges Verhältnis zu ihrer Firma haben wie zum Beispiel in Deutschland. „Wenn ein anderer drei Dollar mehr pro Stunde bietet, sind die weg“, resigniert der Manager hinter vorgehaltener Hand. „Die packen dann ihr mobiles Holzhaus auf einen Trailer und ziehen ein paar 100 Kilometer weiter“.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass BMW zwischen den Stühlen sitzt und von drohenden höheren US-Zöllen und Gegenzöllen der Europäer oder Chinesen gleichermaßen betroffen wäre. Die in Spartanburg gebauten SUV-Modelle würden auf dem Weltmarkt teurer werden. Umgekehrt müssten die US-Kunden für die importierten Modelle (2017 waren das 202.201 Fahrzeuge) mehr ausgeben. Die erfolgreichen Modelle der 3er- und 5er-Reihe kommen aus Deutschland und ab nächstes Jahr auch aus Mexiko.

Deshalb sprach Werksleiter Knudt Flor bei der 25-Jahr-Feier von Spartanburg im vergangenen Jahr von einem Plan B. „Wir sind auf alles vorbereitet, da unsere Produktion sehr flexibel ist. Dann bauen wir hier halt auch die Limousinen für die USA und reduzieren im Gegenzug die SUV-Produktion, die derzeit zu mehr als zwei Dritteln für den Export bestimmt ist.“

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