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  • 28.05.2018
  • von Carla Neuhaus

Global Solutions: "Das größte Risiko ist Italien"

von Carla Neuhaus

Wo ensteht die nächste Krise? Das fragen sich die Experten beim Global Solutions Summit. Foto: cne

Auch zehn Jahre nach der Finanzkrise sehen Experten noch immer Reformbedarf in der EU. Dabei kann schnell eine neue Krise entstehen - etwa in Italien.

Zehn Jahre ist es her, dass die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die weltweite Finanzkrise ausgelöst hat. Auch wenn es vielen Ländern wirtschaftlich längst wieder gut geht, spüren wir die Folgen bis heute. "Die Finanzkrise war einer der Auslöser für den Aufstieg des Populismus", sagte etwa Moritz Schularick von der Universität Bonn beim Global Solutions Summit am Montag in Berlin. Sowohl der Wirtschaftsabschwung 2009/2010, als auch die Schwierigkeiten der Politiker, darauf Antworten zu finden, hätten es den Populisten leicht gemacht. So erkläre sich zum Beispiel der Wunsch nach mehr nationalen Lösungen, mehr Protektionismus und Abschottung gegenüber dem Ausland.

Das sei aber genau der falsche Weg, argumentierte Marcel Fratzscher, Chef Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). "Wir leben in einer global vernetzen Welt", sagt er. "Da gibt es viele Probleme, die man nicht national lösen kann." Auch in der EU sieht er noch Nachholungsbedarf für Reformen. So sei es zum Beispiel durchaus sinnvoll, mehr Risiken auf europäischer Ebene zu teilen. Gerade dagegen sträuben sich die Deutschen aber - zum Beispiel bei der Einlagensicherung. Hierzulande wünschen sich viele, an den nationalen Schutzmechanismen für die Spareinlagen festzuhalten. Sie haben Angst, bei einer europäischen Einlagensicherung für die Fehler spanischer oder griechischer Banken gerade stehen zu müssen.

Entsteht die nächste Krise in Italien?

Dabei könnte die nächste Euro-Krise womöglich gar nicht von den Banken ausgehen, argumentierte Fratzscher. "Das größte Risiko ist derzeit Italien." Sollten bei den Neuwahlen im September die EU-Kritiker gewinnen und sie dann die Italiener über einen EU-Austritt abstimmen lassen, könnte das für die Euro-Zone schlimmere Folgen haben als einst die Lehman-Pleite, meinte der DIW-Chef. Denn geht in dieser Situation das Vertrauen der Investoren verloren und steigen die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen, könnten weder die Europäische Zentralbank (EZB) noch der EU-Rettungsschirm etwas ausrichten. "Italien ist zu groß, um gerettet zu werden", sagte Fratzscher.

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