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  • 17.05.2018
  • von Oliver Voß

Personalisierte Nachrichten-App: Flipboard will Twitter und Facebook Konkurrenz machen

von Oliver Voß

Twitter eingeholt: Flipboard-Chef Mike McCue Foto: Promo

Die generalüberholte App bietet eine Mischung aus menschlicher Nachrichtenauswahl und Algorithmen. Künftig könnte sie zum Spotify für Medien werden.

Als das iPad 2010 auf den Markt kam, gehörte Flipboard zu den Anwendungen, die fast jeder ausprobierte. Damit ließen sich Dienste wie Facebook und Twitter in ein digitales Magazin verwandeln, mit dem die Nutzer durch die Beiträge wie Heftseiten blättern konnten. Apple kürte Flipboard zur „App des Jahres“. Doch mit der Zeit wurde es ruhiger, dabei erfreut sich Flipboard weiter enormer Beliebtheit. „Wir haben inzwischen deutlich mehr als 100 Millionen Nutzer“, sagt Unternehmenschef Mike McCue. Mit 95 Prozent nutze die große Mehrheit die App allerdings inzwischen auf dem Smartphone und nicht mehr via Tablet.


Hunderte Themen zur Personalisierung


Fast ein Drittel der Nutzer kommt dabei aus Europa und vor allem in Deutschland will das US-Unternehmen das mit einer neuen, generalüberholten Version nun noch einmal deutlich steigern. Damit können die Inhalte der App ganz nach den persönlichen Interessen zusammengestellt werden. Während es bislang beispielsweise nur das Themenfeld „Sport“ gab, können nun einzelne Sportarten, Ligen oder Vereine ausgewählt werden. Hunderte Themen stehen dabei zur Auswahl.


Wie das aussieht, demonstriert McCue auf seinem Telefon. „Ich bin ein großer Leica-Fan“, sagt der Hobbyfotograf. Daher hat er als Themen Leica und Landschaftsfotografie ausgewählt, nun werden ihm entsprechende Artikel angezeigt. Ein Teil davon sind Beiträge aus speziellen Blogs. „Die werden von anderen Fotografen kuratiert“, sagt McCue. „Die menschliche Auswahl kombinieren wir dann mit maschinellem Lernen“.

Dazu scannt Flipboard sämtliche verfügbare Inhalte und sortiert sie automatisch den passenden Themen zu. Über Monate wurden die Algorithmen trainiert, auch deutsche Artikel richtig zuzuordnen. In den USA ist die Künstliche Intelligenz dahinter schon eine Weile im Einsatz, in Frankreich wurde sie vor einem halben Jahr gestartet. Seither habe sich die Zahl der gelesenen Artikel dort mehr als verdoppelt.


Twitter als Nachrichtenquelle eingeholt


Das merken inzwischen auch die Verlage, auf deren Inhalte Flipboard verlinkt. Die Zahl der Nutzer, die über die App auf Artikel gelenkt werden, ist im Vorjahr rasant gewachsen. Nach Zahlen des Analyseunternehmens Parsely liegt der Wert inzwischen genauso hoch wie Twitter.

Zudem will McCue von den Diskussionen um Facebook profitieren. „Wir haben nicht das Fake-News-Problem wie Facebook“, sagt McCue. Denn die verfügbaren Quellen werden vom Flipboard-Team ausgewählt, in Deutschland sind es derzeit 1800. Inhalte von dubiosen Webseiten, die beispielsweise Verschwörungstheorien verbreiten, bleiben so außen vor.

Geld verdient das Unternehmen mit Werbung, zudem experimentiert Flipboard seit kurzem auch mit Shopping-Angeboten. So empfehlen Experten Bücher zu bestimmten Themen, die dann auch direkt gekauft werden können – Flipboard bekommt dafür eine Provision. „Nächstes Jahr sollten wir profitabel sein“, sagt McCue.

Spotify für Medieninhalte

Seine Pläne gehen jedoch noch viel weiter. Denn während lange der Großteil der Inhalte kostenlos war, gehen immer mehr Verlage zu Bezahlangeboten über. Um Lesern dabei den Zugriff auf Inhalte verschiedener Anbieter zu bieten, träumt mancher von einer Aboplattform für Zeitungen und Magazine, also einer Art Spotify oder Netflix für Medien. „Das wäre sinnvoll - und wir hätten gute Chancen, so etwas zu tun“, sagt McCue. Auch wenn er keine Details nennen möchte, könnte es um mehr als theoretische Gedankenspiele gehen. Es gäbe viele Parallelen zwischen Flipboard und Spotify. Und mit Kal Amin hat das Unternehmen gerade einen hochrangigen Manager des Musik-Streaminganbieters aus Schweden als neuen Chef des Tagesgeschäfts angeheuert.

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