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  • 14.02.2018
  • von Marie Rövekamp

IHK Berlin will Reformen: Kein Vorankommen beim Azubi-Dilemma

von Marie Rövekamp

Auch das Handwerk findet kaum Lehrlinge. Foto: picture alliance / dpa

Die IHK Berlin fordert Reformen, um das Azubi-Dilemma zu lösen. Es gibt zu wenig Bewerber und zu viele Lehrlinge, die das Einmaleins nicht können.

Trotz der endlosen Informationen im Internet haben viele Jugendliche keine Ahnung, was sie in ihrem Beruf tun werden. Zumindest geben dies acht von zehn Betrieben in einer Umfrage der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) an – dieses Unwissen ist aus ihrer Sicht der wesentliche Grund für das Azubi-Dilemma. Die Konsequenzen drückte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder am Mittwoch in „dramatischen“ Zahlen aus: Erneut bewarben sich im vergangenen Jahr weniger Schulabgänger um eine Lehrstelle (2017: 20816), sodass bei etwas mehr Ausbildungsbetrieben weniger Verträge unterschrieben wurden und letztlich 1197 Plätze unbesetzt blieben. Das seien viermal so viele wie 2009.

Wie vor einem Jahr fordert Eder eine „bildungspolitische Reformagenda“. Die Schulen müssten ihre Berufsorientierung verbessern. „Die sieht ja oft nicht anders aus als zu meiner Schulzeit“, sagte Eder, geboren 1962. Die IHK würde deshalb Informationsabende für Eltern veranstalten, da sie die einflussreichsten Ansprechpartner für die Jugendlichen seien und für die duale Ausbildung werben sollten. Weiter werde das Projekt „Talente Check“ mit drei Millionen Euro gefördert: Jeder Achtklässler soll künftig – so das Ziel des Senats – einen mehrstündigen Parcours mit Wissensfragen, Merk- und Geschicklichkeitsübungen durchlaufen und am Ende eine „Potenzialanalyse“ erhalten. Eder hatte das Konzept in Salzburg gesehen und dem Senat empfohlen. Es steht im Berliner Koalitionsvertrag.

Mindestlohn für Azubis ist geplant

Das Übergangssystem von der Schule in den Beruf müsse reformiert werden. Es sei unter anderem wichtig, dass die Schulen „Anschlussquoten“ erheben, um zu wissen, was die Jugendlichen nach ihrem Abschluss tun. Eigentlich sollte dies wie in Hamburg eine Aufgabe der Jugendberufsagenturen sein, doch die Verbleibstatistik wird es laut Eder vorerst nicht geben. „Das ist eine Frage des politischen Willens. Man will sich erst noch andere Lösungen anschauen“, sagte Eder. Wie in Hamburg sollte in Berlin außerdem die Konkurrenz durch die Oberstufenzentren (OSZ) minimiert werden. Die duale Ausbildung müsse Vorrang haben. Hilfreich wäre, die Anmeldetermine am OSZ vom Frühjahr in den Spätsommer zu verschieben, wenn der neue Lehrjahrgang beginnt. „Zu viele machen es sich da erstmal bequem. Dort müssen sie ja auch nicht um fünf Uhr morgens aufstehen“, sagte er. Die Abschlussprüfung am OSZ mache jedoch nicht einmal ein Drittel.

Die Betriebe kritisieren immer wieder die mangelnde Ausbildungsreife der Bewerber, woran aus IHK-Sicht auch die Schulen Schuld seien. Weil Unternehmen ihre Anforderungen wegen der geringen Nachfrage aber schon senken würden, biete mittlerweile jedes Dritte Nachhilfe an, um Defizite auszugleichen. „Da geht es manchmal sogar um Grundrechenarten oder das Einmaleins“, erzählte Eder. Es sei aber auch klar, dass die Betriebe noch stärker für sich werben müssten – und dass neben Anreizen wie einem Smartphone die Bezahlung ausschlaggebend ist. Im Koalitionsvertrag haben SPD und Union auf Bundesebene beschlossen, dass sie einen Mindestlohn für Azubis einführen wollen. Der DGB empfiehlt 80 Prozent der durchschnittlichen Tarifvergütung aller Berufe, was derzeit 635 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr wären.

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