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  • 11.02.2018
  • von Oliver Voß

Förderprogramm für Unternehmerinnen: Zero Waste trifft Amazon

von Oliver Voß

Mit ihrem Laden „Original Unverpackt“ sorgte Milena Glimbovski für Aufsehen. Nun will sie auch auf Amazon verkaufen. Foto: Inga Kjer/dpa

Der Berliner Supermarkt Original Unverpackt ist ein Ökovorreiter, nun will die Gründerin auch bei Amazon verkaufen. Passt das zusammen?

Milena Glimbovski ist nicht die allerbeste Kundin von Amazon. „Ich versuche so viel es geht in kleinen Läden im Kiez zu kaufen“, sagt Glimbovski. Schließlich hat sie selbst vor vier Jahren so einen Laden in Kreuzberg eröffnet. Original Unverpackt heißt ihr Geschäft, das als erster verpackungsfreier Supermarkt bundesweit für Aufsehen sorgte. Doch nun überlegt ausgerechnet die Vorreiterin der Zero-Waste-Bewegung, deren Anhänger versuchen, möglichst keinen Müll zu produzieren, einen eigenen Online-Shop bei Amazon zu eröffnen. „Ich schaue mir gerade an, ob wir das machen“, sagt Glimbovski, „aber ich denke schon“.

Immerhin verkauft sie bereits seit zwei Jahren ihre Produkte auch in einem eigenen Online-Shop. Lebensmittel, die in dem Laden in der Wiener Straße im Mittelpunkt stehen, gehören nicht dazu. Dafür jedoch eine breite Palette anderer Ökoprodukte, wie eine selbst entwickelte Zahnbürste aus Bambus oder waschbare Abschminkpads. Besonders gut laufen Sets, aus denen man seine eigenen Reinigungsmittel aus Natron, Soda oder Zitronensäure herstellen kann. Doch wie passen Ökologie und Versandhandel zusammen? „Wer irgendwo auf dem Land lebt, kommt an viele nachhaltige Produkte, die man in Berlin überall kaufen kann, nicht so einfach ran“, sagt Glimbovski. Da sei der Verkauf über das Internet eine ideale Lösung und mit Recyclingverpackungen so umweltfreundlich wie möglich.

Um das Online-Geschäft noch weiter anzukurbeln, nimmt Glimbovski nun am Förderprogramm „Unternehmerinnen der Zukunft“ teil, das am Donnerstag in Berlin gestartet ist. Es richtet sich an Frauen, die ihr bisheriges Unternehmen ins Internet bringen oder ein schon vorhandenes Onlinegeschäft ausbauen wollen. Knapp ein halbes Jahr lang werden dabei 20 Unternehmerinnen von erfahrenen Internetexperten trainiert und beraten. Organisiert wird das Programm vom Verband deutscher Unternehmerinnen (VDU), dem Netzwerk Global Digital Women und eben Amazon.

Hilfe in der digitalen Welt

„Viele unserer Mitglieder haben Berührungsängste mit der digitalen Welt und wissen nicht, wo sie sich Rat holen können“, sagt Stephanie Bschorr, Präsidentin des VDU. Hier sollen die Coaches helfen. Zudem werden in Online-Seminaren wichtige Grundlagen zu Themen wie Internetwerbung, Markenaufbau, Logistik oder Kundenservice vermittelt. Und da Frauen mit einem Anteil von unter 20 Prozent bei den Selbständigen deutlich unterrepräsentiert sind, richtet sich das Programm nun explizit an Unternehmerinnen. „Sie können auch voneinander lernen und sich gegenseitig beraten“, sagt Bschorr.

Eine der Teilnehmerinnen ist die Österreicherin Ulrike Ischler. Die 56-Jährige hat lange in der Pharmabranche gearbeitet und sich dann vor vier Jahren selbsttändig gemacht. Unter dem Namen mySalifree entwickelt sie besonders hautfreundliche Biokosmetik. „Ich war selber betroffen und habe herkömmliche Produkte nicht vertragen“, sagt Ischler. Doch der Vertrieb über Apotheken und kleine Geschäfte ist mühselig. Daher setzt sie nun auf den Verkauf im Internet und hofft dabei auf Beratung. „Ich bin ja selbst nicht mit der digitalen Welt groß geworden“, sagt Ischler.

Online-Anteil auf 70 Prozent steigern

Als Coach wird sie daher von Christiane Jordan unterstützt, die bei dem Programm im Vorjahr ausgezeichnet wurde. Die Berlinerin verkauft unter dem Namen „Madame Jordan“ eigene Babytragen, inzwischen sogar europaweit. „Das internationale Geschäft macht schon 30 Prozent aus“, sagt Jordan. Neben der Expansion habe ihr das Programm dabei geholfen, die Logistik auszulagern und die Geschäftsprozesse anders zu organisieren. „Wir hatten damals einfach angefangen und hatten nicht einmal einen Businessplan“, sagt Jordan. Mit Hilfe der Coaches habe sie die ganze Firma hinterfragt und umstrukturiert.

Der Original-Unverpackt-Gründerin geht es ähnlich. „Bei uns ist vieles noch ziemlich chaotisch“, sagt die 27-Jährige. Und unternehmerische Nachhilfe zu bekommen, sei gar nicht so einfach. Zwar gebe es unzählige Förderprogramme für Start-ups, die noch am Anfang stehen. „Doch es gibt kaum etwas für Unternehmer, die schon vor einer Weile gestartet sind“, sagt Glimbovski.

Den ersten Online-Shop hat sie mit einer Praktikantin eingerichtet. Immerhin 20 bis 30 Prozent des Umsatzes erzielt Original Unverpackt inzwischen schon durch den Verkauf im Internet. Den Anteil will sie nun auf 60 bis 70 Prozent steigern. Die früheren Überlegungen, eine weitere Filiale zu eröffnen, hat sie dagegen erst einmal fallen gelassen.

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