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  • 10.01.2018
  • von Henrik Mortsiefer

Investitionen in Start-ups: Berlin räumt ab

von Henrik Mortsiefer

Dicker Brocken. Allein der Essenslieferant Delivery Hero nahm im vergangenen Jahr beim Börsengang 989 Millionen Euro ein, 423 Millionen flossen in die Firma. Foto: Jens Kalaene/dpa Foto: picture alliance / Jens Kalaene/

Von 4,3 Milliarden Euro, die 2017 in deutsche Start-ups investiert wurden, entfielen rund 70 Prozent auf die Hauptstadt. Das lag vor allem an einem Unternehmen.

Für deutsche Jungunternehmer war 2017 beim Thema Finanzierung ein Rekordjahr – und Berlin lief als Start-up- Hauptstadt allen anderen Regionen den Rang ab. Um 88 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro sei der Gesamtwert der Investitionen in Gründerfirmen im vergangenen Jahr gestiegen, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Beratunsgunternehmens EY (Ernst & Young). 69 Prozent davon entfielen auf Unternehmen aus Berlin. 208 Start-ups aus der Hauptstadt hätten in 233 Finanzierungsrunden knapp drei Milliarden Euro erhalten – fast dreimal so viel wie im Vorjahr und deutlich mehr als Unternehmen in Bayern (407 Millionen Euro) und in Hamburg (230 Millionen Euro).

„Berlin entwickelt sich sehr stark, die anderen deutschen Start-up Hochburgen haben Mühe, da noch mitzuhalten“, sagte EY-Partner Peter Lennartz. Dennoch sei aber die Finanzierung „in der Breite“ besser geworden. „Immer mehr Unternehmen bekommen frisches Kapital.“ Die ohnehin große internationale Strahlkraft Berlins ist im vergangenen Jahr noch größer geworden. „Der Standort liegt gleichauf mit Paris und nur leicht hinter London“, sagte der EY-Partner. Ausländische Investoren hätten Berlin „auf dem Radar“. Auf der Suche nach höheren Renditen in der anhaltenden Niedrigzinsphase nehmen Kapitalgeber weiterhin größere Risiken in Kauf und stecken damit auch mehr Geld in junge Firmen.

Ein großer Teil des hohen Investitionsvolumens in Berlin entfiel auf die Börsenneulinge Delivery Hero und Hellofresh. Der Essenslieferant Delivery Hero konnte allein die beiden bundesweit größten Finanzspritzen des Jahres vereinnahmen: zusammen 989 Millionen Euro, von denen laut EY 423 Millionen Euro an das Unternehmen flossen. Der Wettbewerber Hellofresh kassierte beim Börsengang 268 Millionen Euro, der Berliner Auto-Großhändler Auto1 insgesamt 360 Millionen Euro von verschiedenen Investoren. Zusammen mit Soundcloud (143 Millionen Euro) entfielen der Studie zufolge die fünf größten Finanzierungen auf Berliner Start-ups.

Doch die Experten werten nicht nur die Mega-Deals positiv. „Es gab im vergangenen Jahr 64 Finanzierungsrunden zwischen fünf und zehn Millionen Euro, immerhin noch einmal sieben mehr als im Vorjahr“, sagte Peter Lennartz. Hier wüchsen etliche „sehr vielversprechende“ Unternehmen heran, die nun über ausreichende Wachstumsmöglichkeiten verfügten. Anders als in Berlin fielen Regionen wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen bei der Zahl der Finanzierungen zurück.

E-Commerce bei Investoren am gefragtesten

Besonders beliebt bei den Geldgebern waren Investments in E-Commerce-Unternehmen. Hier kamen insgesamt 1,8 Milliarden Euro zusammen. auch Fin-Techs, der Bereich Health sowie Medien und Mobility waren attraktiv. Bis auf den Health-Bereich, wo Thüringen sich besonders stark präsentierte, lag Berlin in allen Branchen auf Platz eins. Bemerkenswert: Obwohl es in der Stadt keine Automobilhersteller und nur einen kleinen Finanzplatz gibt, wurden Mobility-Unternehmen und Fin-Techs aus der Hauptstadt von Investoren offenbar als besonders aussichtsreich bewertet. Vom Strukturwandel in beiden Branchen kann die Hauptstadt- Wirtschaft demnach profitieren.

Auch Großunternehmen zählten im vergangenen Jahr immer häufiger zu den Start-up-Financiers. Peter Lennartz hob positiv hervor, dass sie immer mehr Bereitschaft zeigten, „mit innovativen Start-ups zusammenzuarbeiten oder sie ganz zu übernehmen“, sagte er. Die Beratungsgesellschaft berücksichtigte bei ihrer Analyse Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.

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