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  • 09.01.2018
  • von Oliver Voß

Techniktrends auf der CES in Las Vegas: Riesenfernseher, Riesenpläne, Riesenpeinlichkeit

von Oliver Voß

Samsung stellt im Rahmen der Elektronikmesse CES "The Wall" vor, ein Konzept zum Bau von riesigen Fernsehern. Foto: Jae C. Hong/AP/dpa

TV-Wettrüsten, Chinas Tesla und noch mehr Vernetzung. Auf der CES in Las Vegas werden die neuesten Techniktrends präsentiert.

Auf die Größe kommt es an. Zumindest bei Fernsehherstellern aber auch vielen ihrer Kunden ist die Bilddiagonale ein entscheidendes Kriterium. Und da hat Samsung nun deutlich die Nase vorn. 146 Zoll misst das neueste Modell der Südkoreaner, also 3,7 Meter. „The Wall“ heißt der Riesenfernseher, den Samsung auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas vorstellte. Da wird sich bei manchem Käufer auch die Frage stellen, ob er an der Wand überhaupt Platz für „Die Wand“ hat. Doch dann geht es auch einige Nummern kleiner, denn das ist der eigentliche Clou des Riesenfernsehers: Er ist aus vielen verschiedenen Modulen zusammengesetzt. Möglich macht das eine Micro-LED-Technik, die verschiedenen Kacheln können nahtlos aneinandergefügt werden. Wann die einzelnen Module in den Handel kommen und was sie dann kosten sollen, sagt Samsung noch nicht.

Auch Konkurrent LG lässt sich nicht lumpen: 88 Zoll, also 2,2 Meter, misst das neue Spitzenmodell – bislang hatten die Koreaner „nur“ 77 Zoll im Programm. Zudem treibt LG damit die Auflösung auf die Spitze. Während zuletzt die Hersteller vor allem mit dem Format 4K geworben haben, das vier Mal so viele Bildpunkte bietet, wie HD, bietet das neue Gerät eine 8K-Auflösung. Andere Anbieter könnten im Pixelkampf nachziehen, denn die japanische Elektronikindustrie will das Format zu den Olympischen Spielen in Tokio 2020 etablieren. Bis dahin könnte sich auch bei faltbaren Displays etwas tun: Als Vorgeschmack zeigt LG den Prototypen eines rollbaren Fernsehers mit einer Diagonale von 65 Zoll.

VW will mit Nvidia kooperieren

Doch Fernseher sind nur ein kleiner Teil dessen, was die Industrie seit Dienstag in Las Vegas präsentiert. Das Spektrum reicht von neuen Laptops, Smartphones oder Virtual-Reality-Brillen bis hin zu Robotern, die beispielsweise einmal die Wäsche falten sollen. Und auch Autos sind ein großes Thema. So zeigt der chinesische Anbieter Byton erstmals sein neues Elektroauto. Kopf des ambitionierten Projekts ist Carsten Breitfeld, der zuvor federführend den i8 entwickelt hatte und von BMW diverse Topleute zu Byton gelotst hat. VW-Markenchef Herbert Diess kündigte eine Kooperation mit Nvidia beim autonomen Fahren an. Die Kalifornier sind als Hersteller von Grafikkarten groß geworden, die wegen ihrer besonderen Rechenpower bevorzugt eingesetzt werden, um darauf Künstliche-Intelligenz-Systeme, wie selbstlernende Software, laufen zu lassen. So hat sich Nvidia zum gefragten Partner der Autoindustrie gemausert: Das Unternehmen kündigte auch Kooperationen mit Uber und dem deutschen Zulieferer ZF an .

Auch Bosch und Continental sind in die Wüste von Nevada gereist, bei ihren Neuigkeiten für vernetzte und autonome Autos weiten sie jedoch den Blick und zeigen Lösungen für „Smart Cities“. Continental entwickelt beispielsweise das System einer „intelligenten Kreuzung“, bei der Sensoren den Verkehr in 360 Grad erfassen und die Informationen an alle Fahrzeuge senden können. Das System soll in diesem Jahr erstmals in der Stadt Columbus im Staat Ohio eingesetzt werden, die in den USA zu einer intelligenten Modellstadt werden soll. Bosch testet schon länger ein System, bei dem Autos freie Parkplätze erkennen und melden, in diesem Jahr soll es für Nutzer in 20 US-Städten, darunter Los Angeles, Boston und Miami zur Verfügung gestellt werden.

Bosch entwickelt die App "SmartThings"

Zudem baut Bosch seine Lösungen im Internet der Dinge (IoT) deutlich aus. Bis 2020 werden alle elektronischen Geräte vernetzt sein, kündigte das Unternehmen an. Das intelligente Zuhause ist auf der gesamten Messe ein Riesenthema. „Das Internet der Dinge ist für viele Konsumenten noch frustrierend“, räumt Samsung-Manager Yoon Lee ein. Deswegen versucht das Unternehmen, die intelligente Vernetzung noch einfacher zu machen. Im Zentrum soll künftig als Plattform die App „SmartThings“ stehen, zudem wird der Sprachassistent Bixby in mehr Produkte, wie beispielsweise Kühlschränke integriert. Auf Zuruf können die dann beispielsweise den Tagesplan vom Kalender anzeigen und vorlesen. Oder das Bild der Babykamera kann direkt auf dem Display des Kühlschranks angezeigt werden. Bis 2020 sollen alle IoT-Geräte von Samsung intelligent werden. „Unsere Fernseher und Kühlschränke werden Dich dann verstehen“, verspricht der Chef von Samsung Electronics HS Kim. Einen eigenen smarten Lautsprecher stellte Samsung jedoch nicht vor und wann Sprachassistent Bixby auch Deutsch kann, ist ebenfalls noch offen.

Dafür funktionierten die vorgeführten Anwendungen tadellos – im Gegensatz zu LG. Das Unternehmen stellte einen kleinen Roboter namens CLOi vor, der als Assistent ebenfalls auf Zuruf verraten soll, was noch im Kühlschrank ist oder XXX. Doch bei der Vorstellung stellte sich der intelligente Helfer stur. Da half auch alles gute Zureden des LG-Managers nicht, CLOi blieb stumm.

Die Reise nach Las Vegas wurde unterstützt von Intel.

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