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  • 20.04.2017
  • von Rolf Obertreis

Bezahlung von Aufsichtsratschefs: Sind 200 000 Euro zu wenig?

von Rolf Obertreis

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Sportartikelherstellers adidas, Igor Landau, erhält laut einer Studie rund 205 000 Euro für seine Arbeit. Zu wenig? Foto: picture-alliance/ dpa

Die Aufsichtsratschefs der deutschen Dax-Unternehmen sind deutlich unterbezahlt - behauptet zumindest eine Studie. Ihre Vergütung bewege sich nicht auf Augenhöhe mit den Vorstandschefs.

Die Bezüge der Aufsichtsratschefs der großen deutschen Konzerne sind zwar im vergangenen Jahr um gut acht Prozent auf im Schnitt 386000 Euro gestiegen. Trotzdem sind sie nach Ansicht der auf Vergütungsfragen spezialisierten Unternehmensberatung hkp deutlich unterbezahlt. „Die Wertschätzung der Aufsichtsarbeit ist weiter gering. Ein Vorsitzender des Kontrollgremiums bekommt im Schnitt nur sieben Prozent dessen, was der Vorstandschef erhält. Und den soll er ja kontrollieren“, sagt hkp-Experte Joachim Kayser. Einigermaßen angemessen bezahlt seien nur Paul Achleitner, Aufsichtsratschef der Deutschen Bank mit 800 000 Euro, Norbert Reithofer bei BMW mit 611 000 und Gerhard Cromme bei Siemens mit 605 000 Euro.

„Die Vergütung der Kontrolleure bewegt sich nicht ansatzweise auf Augenhöhe. Auf die Stunde gerechnet ist es bedeutend weniger als bei einem Vorstandschef, obwohl die Qualifikation gleich ist“, sagt Kayser. Längst oblägen den Aufsichtsräten nicht nur die Kontrolle, sondern auch wichtige strategische Fragen des Unternehmens, sagte er bei der Vorlage der jüngsten Studie über die Aufsichtsräte in den 30 im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Konzernen. Kayser zufolge müssen die Aufsichtsratschefs jährlich mindestens 50 Arbeitstage in ihre Aufgabe investieren, bei Banken seien es eher mehr. „Auch die Kontrolleure selbst sehen sich als unterbezahlt und halten ihre Vergütung in dieser Höhe für ungerecht.“ Auch aus Sicht der Aktionäre sollten die Aufsichtsräte besser bezahlt werden. „Schließlich wollen sie einen starken Aufsichtsrat“, sagt Kayser.

Am stärksten war die Diskrepanz der Vergütung von Vorstandschef und Aufsichtsratschef im vergangenen Jahr beim Softwarekonzern SAP. Dort bekam der Vorstandschef fast das 33-fache des Gehaltes des Aufsichtsratsvorsitzenden. Bei der Deutschen Bank war es nur knapp das Fünffache. Im Durchschnitt hatte diese Relation den Faktor 16.

Fast alle Unternehmen bezahlen ihren Aufsehern ein Festgehalt

Kritisch sieht Kayser auch, dass fast alle Unternehmen ihre Aufseher mit einem Festgehalt bezahlen. Damit werde ihre Arbeit vom Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens entkoppelt. „Die Aufsichtsräte sollten verpflichtet werden, einen Teil der Vergütung in den Kauf von Aktien des Unternehmens zu investieren“, schlägt er deshalb vor. Während Achleitner, Reithofer und Cromme 2016 die Topverdiener unter den Aufsichtsratschefs waren, rangieren Wolfgang Mayrhuber bei Infineon, Ulrich Lehner bei ThyssenKrupp und Igor Landau bei Adidas mit 214 000, 210 000 und 205 000 Euro am Ende der Skala. Insgesamt werden Unternehmenskontrolleure hierzulande im Vergleich etwa zur Schweiz, zu Großbritannien oder den USA deutlich schlechter bezahlt. So kam etwa der ehemalige Bundesbank-Präsident Axel Weber als Chef des Verwaltungsrates der Schweizer Großbank UBS 2016 auf gut 5,2 Millionen Euro.

Eine Studie der Finanzanalystenvereinigung DVFA kritisiert hingegen die Bezahlung der Vorstandschefs der Dax-Konzerne. Danach halten mehr als ein Viertel der Analysten die durchschnittliche Gesamtvergütung von 6,15 Millionen Euro für einen Vorstandschef 2016 für zu hoch. Fast alle Experten glauben, dass die Topmanager bereit wären, ihren Job für knapp 2,9 Millionen Euro Jahresgehalt und damit für deutlich weniger auszuüben. Die Analysten fordern, dass die Topmanager weniger Boni erhalten sollten. Der Anteil an den gesamten Bezügen solle bei rund 40 Prozent liegen und nicht bei knapp 60 Prozent wie 2016. Ein Viertel sagt außerdem, dass die Vorstandschefs bereit sein sollten, bei entsprechender Entwicklung des Unternehmens auch negative Boni und damit eine Kürzung der Bezüge zu akzeptieren.

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