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  • 18.03.2017
  • von Heike Jahberg

VW-Dieselfahrer klagen: Ruckeln und Rasseln nach dem Update

von Heike Jahberg

Viel Arbeit: 2,6 Millionen Diesel aus dem Haus Volkswagen müssen zum Update in die Werkstatt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Kunden wollen von Volkswagen eine Garantie, dass ihr Auto nach der Umrüstung gut fährt und nicht mehr verbraucht. Doch der Konzern weigert sich.

Rüdiger Jansen weiß nicht weiter. Der 62-Jährige fährt einen VW-Diesel. Sein Golf gehört zu den 2,6 Millionen manipulierten Autos aus dem Haus Volkswagen, die in Deutschland zum Update in die Werkstatt müssen. Doch Jansen weiß nicht, ob er dem Ruf von VW wirklich folgen soll. Nach Jahrzehnten im öffentlichen Dienst hat der Mann, der in Wirklichkeit anders heißt, die Dinge gern schwarz auf weiß. Er will vom VW-Konzern eine schriftliche Garantie, dass sein Auto nach der Reparatur in Ordnung ist. Doch die gibt der Konzern nicht. „Ich traue dem Braten nicht“, sagt Jansen.

Anwälte warnen vor Nachteilen durch das Update

Damit steht der Golf-Fahrer nicht allein da. Erste Tests haben die Befürchtung der VW-Kunden, dass ihre Autos nach dem Update mehr Sprit verbrauchen oder schneller kaputtgehen, genährt. Zwei von „Auto, Motor und Sport" getestete VW-Amaroks zeigten sich nach der Umrüstung an der Zapfsäule deutlich durstiger als vorher. Doch das ist nicht das einzige Problem, meint Lene Kohl. Sie arbeitet für die Berliner Kanzlei Hausfeld, die gegen VW vorgeht. „Uns liegen Sachverständigen-Gutachten vor, die davor warnen, dass VW-Kunden nach dem Update Nachteile drohen“, sagte die Anwältin dem Tagesspiegel. „Es gibt Probleme mit der Haltbarkeit des Rußpartikelfilters, es droht ein höherer Spritverbrauch, und die Experten befürchten, dass auch die Leistung der Motoren nach dem Update eingeschränkt sein könnte.“

Musterprozess in Braunschweig

Im Auftrag des Prozessfinanzierers „MyRight“, dem sich auch Jansen angeschlossen hat, führt Hausfeld derzeit einen Musterprozess in Braunschweig mit dem Ziel, dass VW-Kunden ihre abgasmanipulierten Diesel zurückgeben können und im Gegenzug ihr Geld zurückerhalten. Doch auch die Frage, was nach dem Update passiert, ist jetzt Stoff für juristische Auseinandersetzungen. „Hilfsweise verlangen wir auch Schadenersatz für die Einbußen vor und nach dem Update“, berichtet Kohl. Allerdings lasse sich derzeit nicht beziffern, wie hoch der Schaden durch das Update ist. „Wir haben keinen Einblick in die Software, die hat nur Volkswagen“, kritisiert die Juristin.

VW schließt Mehrverbrauch und Minderleistung aus

Doch VW betont, dass „das Software-Update keine nachteiligen Einflüsse auf den Verbrauch oder die Dauerhaltbarkeit des Motors und seiner Komponenten haben wird“. Das hätten Fahrzeugtests, Laboruntersuchungen und nicht zuletzt „mehrere Millionen Kilometer auf der Straße“ gezeigt, betont ein Konzernsprecher. Weder würden die Autos nach der Umrüstung mehr Sprit verbrauchen, noch ließen sich Probleme mit dem Abgasrückführungsventil auf die Umstellung zurückführen.

Rußpartikelfilter können sich schneller zusetzen

Allerdings räumt VW ein, dass der Motor nach dem Update mehr Ruß ausstößt, sich der Rußpartikelfilter daher schneller zusetzt als vorher. Das sei aber kein Problem. Es könne zwar sein, dass sich der Filter jetzt häufiger regeneriere, aber das beeinträchtige die Langlebigkeit des Bauteils nicht. „Volkswagen hat immer erklärt, dass den Kunden keine Nachteile durch die technischen Maßnahmen entstehen werden“, sagte der VW-Sprecher dem Tagesspiegel. Eine weitergehende Garantieerklärung sei aus VW-Sicht aber „nicht notwendig.“

Verbraucherschützer und die EU wollen Garantien

Das sehen viele anders. Allen voran EU-Kommissarin Vera Jourova, die mehr Rechtssicherheit für die VW-Kunden in Europa möchte. Und auch Verbraucherschützer sind verärgert. „Sollten VW-Dieselfahrzeuge nach der Umrüstung mehr Kraftstoff verbrauchen und sich die Rußfilter schneller zusetzen, konterkariert das die Zusagen, die Volkswagen dem Verbraucherzentrale Bundesverband gegenüber schriftlich abgegeben hat“, betont Verbandschef Klaus Müller. VW hatte dem VZBV gegenüber versichert, dass die Umrüstung keinerlei Nachteile für Kunden mit sich bringe. „Die Konzernspitze sollte nun schnellstmöglich öffentlich zu den Vorwürfen Stellung nehmen und eine umfassende Garantie für alle Folgeschäden durch die Umrüstung aussprechen“, sagte Müller dem Tagesspiegel. Schon seit anderthalb Jahren würden die Betroffenen auf eine Garantiezusage und auf Entschädigung für die Manipulation an ihren Autos warten.

Rückendeckung bekommt VW jedoch vom ADAC. Der Autoverband hatte 1,2-, 1,6- und 2-Liter-Dieselmotoren vor und nach der Umrüstung getestet – mit einem für die Wolfsburger erfreulichen Ergebnis: Nach der Umrüstung stoßen die Autos tatsächlich weniger Stickoxide aus, und anders als die Kollegen von „Auto, Motor, Sport“ stellte der Autoverband auch weder einen höheren Spritverbrauch noch eine schlechtere Motorleistung fest. Allerdings, so berichtet der Autoclub, würden Mitglieder vereinzelt über ruckelnde und rasselnde Motoren klagen sowie über Probleme mit den Ventilen zur Abgasrückführung, mit Kühlern, Partikelfiltern oder Injektoren. Zudem dürfte auch der Wiederverkaufswert für die Diesel sinken, glaubt die Deutsche Automobil Treuhand. Allerdings sei das wohl kein reines VW-, sondern ein allgemeines Diesel-Problem. Rüdiger Jansen ist das egal. Er will das Update erst einmal nicht machen.

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