21.07.2018, 26°C
  • 10.07.2018

Höhle in Thailand: Achter Junge in Thailand gerettet – Kinder werden bei Tauchgang sediert

Thailändische Taucher beim Rettungseinsatz Foto: AFP/ROYAL THAI NAVY

Taucher starten am Dienstag den nächsten Versuch, um die übrigen in einer thailändischen Höhle eingeschlossenen Jungen zu retten. Die geretteten Kinder dürfen ihre Eltern aber noch nicht umarmen.

In Thailand wollen Spezialtaucher am Dienstag einen neuen Versuch unternehmen, weitere Mitglieder der eingeschlossenen Fußball-Mannschaft aus einer Höhle zu retten. Nach offiziellen Angaben sitzen noch vier Jungen und ihr Betreuer im Inneren der teils überfluteten Höhle fest. Der Weg nach draußen beträgt fast vier Kilometer.

Das Drama dauert bereits seit dem 23. Juni. Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn versicherte am Montagabend, alle bislang Geretteten seien „sicher und gesund“. Sie werden in einem Krankenhaus der Provinzhauptstadt Chiang Rai behandelt, etwa 50 Kilometer von der Höhle entfernt.

Die Aktion wird vermutlich wieder mehrere Stunden dauern. Erst dann wird klar sein, ob weitere Eingeschlossene gerettet werden konnten. Der Gouverneur äußerte sich zuversichtlich. Er sagte: „Wir werden in einigen Stunden gute Nachrichten haben.“

Seit Sonntag gelang es den Tauchern nach und nach, acht Jungen in Sicherheit zu bringen. Bei einem vorigen Einsatz konnten bereits vier Jungen nach 15 Tagen in der Dunkelheit aus dem Höhleninneren ans Tageslicht gebracht worden.

Jungen waren betäubt

Die vier am Sonntag geretteten Jungen bekamen vor ihrem Tauchgang starke Medikamente. „Die Jungs standen unter Beruhigungsmitteln, damit sie nicht in Panik gerieten“, sagte der dänische Taucher Ivan Karadzic dem dänischen Rundfunk. „Sie waren nicht total betäubt, aber sie reagierten nicht mehr richtig.“ Karadzic war an der Rettungsaktion am Sonntag beteiligt und half etwa auf halben Weg in der überschwemmten Höhle dabei, Druckluftflaschen auszuwechseln.

„Wir hatten uns alle möglichen Katastrophenszenarien ausgemalt - Ausrüstung, die kaputt geht, und Kinder, die in Panik geraten, ertrinken und wiederbelebt werden müssen“, erzählte er der Nachrichtenagentur Ritzau. „Wir waren darauf vorbereitet, doch nichts ist passiert. Alle waren auf ihren Posten und taten genau, was sie sollten.“

Die Jungen hätten Taucheranzüge und Masken getragen. „Sie sahen etwas verängstigt aus, aber sie waren nicht in Panik oder so. Und sie lächelten und sagten Danke“, berichtete der Taucher. Die Rettungsaktion laufe weiter, er selbst müsse allerdings erstmal Kräfte sammeln und werde voraussichtlich am Dienstagmorgen wieder eingesetzt. Er hoffe, die gesamte Rettung könne am Dienstag abgeschlossen werden.

Kein Körperkontakt wegen Infektionsgefahr

Die Eltern der vier am Sonntag aus einer überfluteten thailändischen Höhle geretteten Jungen dürfen ihre Kinder vorerst allerdings nicht in die Arme schließen: Wegen der Infektionsgefahr für die geschwächten Jungen dürften die Eltern noch keinen körperlichen Kontakt mit ihren Söhnen haben, sagte der Provinzgouverneur von Chiang Rai, Narongsak Osottanakorn, der den Rettungseinsatz für die Jungen-Fußballmannschaft leitet, am Montag vor Journalisten. Die Kinder liegen seit Sonntagabend im achten Stock des Provinzkrankenhauses von Chiang Rai in einer Art Quarantäne.

Aus Sorge, dass sich jemand unerlaubt Zutritt verschaffen könnte, hat die Polizei den achten Stock komplett abgeriegelt. Die Trennung sei "eine Weile" lang nötig, "weil wir besorgt wegen Infektionen sind", sagte Narongsak. Die behandelnden Ärzte der Jungen träfen die Entscheidung, ob Angehörige die Jungen diese "aus der Entfernung oder durch Glas" sehen dürften.

Die Ärzte checken die jungen Spieler der Fußballmannschaft namens Moo Pah („Wildschweine“) jetzt aufs Gründlichste durch. Es geht nicht nur darum, ob einer von ihnen in der Tropfsteinhöhle körperliche Gebrechen davon getragen hat. Man hat eine Vorstellung davon, wie Kindern zumute ist, die 15 Tage lang Todesangst durchgestanden haben - auch wenn sie auf den Videos aus dem Inneren der Höhle ziemlich munter wirkten.

Die vorherige Rettungsaktion musste unterbrochen werden, weil die Sauerstoffvorräte, die Taucher entlang der gesamten Strecke postiert hatten, aufgebraucht waren.

Wetterbericht sagt wieder viel Regen voraus

Die Rettungsaktion ist äußerst gefährlich: An manchen Stellen ist der Weg hinaus so eng, dass die Profitaucher ihre Pressluftflaschen abschnallen müssen - an der engsten Stelle angeblich gerade einmal 40 Zentimeter breit. Darüber hinaus kann man im Wasser vielerorts kaum sehen. Hier kann man sehr leicht in Panik geraten. Der kleinste Fehler - von einem der Taucher, aber auch einem der Jungen - kann tödlich sein. Ein Taucher kam bereits vor wenigen Tagen im Einsatz ums Leben. Selbst die professionellen Taucher benötigten fünf bis sechs Stunden, um von der Gruppe zum Ausgang zu gelangen. Darüber hinaus sind einige der Jungen keine guten Schwimmer.

Für die nächsten Tage sagt der Wetterbericht wieder viel Regen voraus. In Südostasien hat die Monsun-Saison gerade erst begonnen. Deshalb ist der Rettungseinsatz auch ein Kampf gegen die Zeit. Wenn die Jungen und der Trainer weiterhin in Vierer-Gruppen nach draußen gebracht werden, würde es mindestens Dienstagabend, eher Mittwoch.

Selbst wenn, wie durch ein Wunder, alles gut gehen sollte - so lange müssen sich Familien und Freunde möglicherweise noch gedulden. Überall wird gebetet, überall laufen die Fernseher. Zu den Leuten, die während der Rettungsaktion besonders mitfiebern, gehören die Schüler der Prasitsart-Oberschule in Mae Sai, der nächstgelegenen Stadt. Dort gehen sechs der zwölf Jungen zur Schule.

Der 14-jährige Warangchit Kankaew war selbst schon vier Mal in der Höhle. „Ich bin sehr glücklich, dass es die ersten geschafft haben“, sagt er. „Und hoffe, dass die anderen auch bald alle herauskommen.“ Ein anderer Junge, Pansa Sompienjai (15), sieht die Sache ganz praktisch. „Die sollen sich beeilen, denn wir haben sehr viele Hausaufgaben.“ Zumindest diese Sorge ist allerdings unberechtigt: Die Schule kündigte am Montag an, dass die Jungen von Klassenarbeiten erst einmal befreit sind. (dpa, AFP, Tsp)

Social Media

Umfrage

Die Einengung der Zeppelinstraße in Potsdam hat im Zuge der Dieseldebatte bundesweit Interesse geweckt. Ist die Maßnahme nötig, um ein Dieselfahrverbot in Potsdam zu verhindern? Stimmen Sie ab!