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  • 13.06.2018
  • von Paul Nachtwey

WM-Orakel: Viele Tiere sind auf den Spuren der Krake Paul

von Paul Nachtwey

Tiere am Ball. Elefantenkuh Zella aus dem Zoologisch-Botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart ist eines der tierischen WM-Orakel. Foto: Marijan Murat/picture alliance

Mit seinen erfolgreichen Prognosen hat Krake Paul Maßstäbe für WM-Orakel gesetzt. Ab Donnerstag wird sich zeigen, wie gut seine Nachfolger sind.

Krake Paul hat Beeindruckendes geschafft. Erinnert man sich an die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika zurück, so denkt man nicht nur an Torschützenkönig Thomas Müller und die Sommerhymne „Waka Waka“ von Shakira, sondern auch an ihn: Paul, „Octopus vulgaris“ aus einem Oberhausener Großaquarium. Er war das Star-Orakel der Weltmeisterschaft, er wurde auf der ganzen Welt für seine zielgenauen Prognosen der deutschen Spiele bekannt. Als er kurz vor dem WM-Finale zwischen der niederländischen und der spanischen Flagge wählte, und Spanien richtig als Weltmeister vorhersagte, standen 200 Journalisten vor der Scheibe des Aquariums und schauten ihm zu. Eine spanische Gemeinde ernannte ihn daraufhin zum Ehrenbürger, auf der Insel Elba wurde eine Straße nach „Polpo Paul“ benannt.

Vom Tapir bis zum Mikroschwein ist alles dabei

Inzwischen ist der Krake leider an Altersschwäche gestorben, Nachfolger hat er zum Glück genug. Zur Fußballweltmeisterschaft in Russland treten in Deutschland erneut unzählige Tiere an, die die Ergebnisse der Spiele vorhersagen wollen: Ein Tapir aus Eckernförde, eine Elefantenkuh aus Stuttgart und ein Dortmunder Mikroschwein vom Biobauernhof. In Neukirchen soll ein Schneeleopard die Ergebnisse voraussagen, auf dem Dach des Bayrischen Umweltministeriums wird ein Honigbienenvolk sein Glück versuchen. Um aus dieser Menge herauszustechen, nominierte Russland eine taube Katze aus Sankt Petersburg als offizielles WM-Orakel.

Durch die große Anzahl von Nachwuchs-Orakeln sind die tierischen Tipps auf das nächste Ergebnis nicht mehr ganz so einzigartig. An die meisten Tiere wird sich schon bald keiner mehr erinnern. Die einzige Chance diesem Schicksal zu entgehen, liegt wohl in einer überwältigen Vorhersage-Quote – wie einst bei der Krake Paul.

Elefantenkuh Zella lieferte 2016 überdurchschnittlich gute Prognosen

Besonders im Rampenlicht steht in diesem Jahr auch die Elefantenkuh Zella. Das Tier aus dem Stuttgarter Zoo war schon 2016 mit überdurchschnittlich guten Prognosen aufgefallen. Mit ihrem Weltmeister-Tipp lag sie damals allerdings enttäuschend weit daneben. Zella legte sich auf Nordirland fest; das Land verlor jedoch drei von vier Spielen und schied im Achtelfinale aus. So bringt man es als Orakel natürlich nicht sehr weit. In Russland hegt man die Hoffnung, dass die schneeweiße Katze Achilles bessere Prognosen liefert. Das Tier hat beim Confederations-Cup bereits geübt. Achilles musste zwischen verschiedenen Fressnäpfchen wählen – und lag meistens richtig.

Daisy entschied sich für den Ball Mexikos

Eine Orakelpremiere feiert der Rostocker Zoo mit seiner Seebärin „Daisy“. Sie gab einen ersten Tipp für das Spiel von Deutschland gegen Mexiko ab. Das 21 Jahre alte Tier entschied sich für einen von zwei Bällen, die mit den Flaggen der Länder beklebt waren, und holte diesen geschickt aus dem Wasser. Doch als die Meeressäugerin bei ihrer ersten Vorhersage auftauchte, waren enttäuschte Seufzer zu vernehmen. Daisy balancierte den Ball Mexikos auf ihrer Schnauze. Geht es also nach ihr, wird Deutschland mit einer Niederlage in das Turnier starten.

Wurde Paul vielleicht bestochen?

Wer jedoch die hellseherischen Kräfte der Tiere in Frage stellt, ist nicht alleine. Die Vorhersagen seien ein reiner Zufall, erklären die einen. Andere Beobachter gehen im Fall Paul sogar davon aus, dass fußballkundige Pfleger dem Tier mit Hilfe von Futter einen Hinweis auf das stärkere Team gaben. Allerdings machen solche wissenschaftlichen Erklärungen weniger Spaß als der Glaube an hellseherischen Kräfte der Tiere. Die Wahrscheinlichkeit, rein zufällig alle acht Deutschlandspiele und das Finale korrekt vorherzusagen, ist zumindest sehr gering. Sie liegt bei unter 0,4 Prozent.

Unbezahlbare Werbung für das Oberhausener Großaquarium

Dass hinter den Tieren oft mehr als der Spaß an den Tipp-Abgaben steht, wurde ein Jahr nach der WM in Südafrika deutlich. 2011 erhielt eine Werbeagentur den Deutschen PR-Preis für die Idee eines orakelnden Oktopus, die dem Oberhausener Großaquarium eine unbezahlbare Dauerwerbung einbrachte. Auch die teilnehmenden Zoos erhoffen sich mit ihren Orakeln eine erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien.

Sagar soll auf die Lage der Schneeleoparden aufmerksam machen

Einen integreren Hintergrund haben da die Prognosen von Schneeleopard Sagar aus dem Zoo Neunkirchen. Er tippt im Auftrag des Naturschutzbundes (Nabu). In freier Wildbahn leben nur noch 4000 bis 6400 Schneeleoparden, sie werden unter anderem durch Wilderei bedroht. Mit der WM-Orakel-Aktion wolle man auf die Situation der stark gefährdeten Tierart aufmerksam machen, die auch in Russland lebe, sagt Nabu-Vizepräsident Thomas Tennhardt. Ziel der Tierschutz-Kampagne ist, so könnte man es formulieren, dass die Spezies „Schneeleopard“ bald wieder so häufig anzutreffen ist, wie das „Orakeltier“ – davon gibt es inzwischen wahrlich genug. (mit dpa und AFP)

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