24.02.2018, 0°C
  • 13.02.2018
  • von Gerd Nowakowski

Audi A7 Sportback: Charakter lohnt sich

von Gerd Nowakowski

Länger und niedriger: Der neue Audi A7 Sportback. Foto: Promo

Mit dem neuen A7 Sportback zeigt Audi, wie Gran Turismo heute geht: Aufregende Technik, klares Design und komfortable Digitalhelfer.

Dieses Auto sorgt für Sie! Hunger? Sprechen sie in die Sprachsteuerung „Italiener“ – und schon listet der Touchscreen über der Mittelkonsole die nächstgelegenen Restaurants mit mediterraner Küche auf und berechnet auf Fingerdruck auch gleich die kürzeste Route. Voila, Sie werden platziert! Selbstverständlich können sie auch auf dem unteren der beiden Touchscreens den Wunsch – etwa „Supermarkt“ – mit dem Finger aufschreiben, um ans Ziel zu kommen. Nie wieder leerer Kühlschrank!

Das ist schon ziemlich beeindruckend, was sich die Audi-Techniker für das Coupé der Oberklasse den neuen A7 Sportback ausgedacht haben. Dabei war schon der Vorgänger ziemlich gelungen. Die Designer beweisen bei der neuen Generation des A7, dass es vor allem Feinfühligkeit braucht, um ein enorm erfolgreiches Modell auf der Höhe der Ingenieurskunst zu verbessern.

Schließlich hat Audi von der auslaufenden Generation A7 Sportback rund 200.000 Stück verkauft und mit dem Coupé damit Maßstäbe in der automobilen Oberklasse gesetzt. Der viertürige A7 mit den rahmenlosen Scheiben spricht Menschen an, denen die große A8 Limousine zu repräsentativ ist oder nicht mehr wegen der Kinder einen A6 Avant fahren müssen, um alles in den Kofferraum zu bekommen.

Wobei: mit bis zu 1390 Litern bei umgeklappter Rückbank bietet der A7 ordentlich viel Platz. Im aufgeräumt-klaren Innenraum, der mit hochwertiger Verarbeitung glänzt, sitzt man beeindruckend gut in den vielfach verstellbaren Sitzen. Audi ist mit dem ab März bei den Händlern stehenden A7 deshalb gut aufgestellt, um in diesem Segment gegen BMW und Mercedes zu bestehen.

Einfach eine schöne Welle

Vorne runter, hinten hoch, und ein wenig niedriger. Und dazu ein wenig mehr Radstand. Dass ist die Formel, mit der sich der A7 Sportback gegenüber seinem Vorgänger sportlich-elegant aufhübscht – und das fahren zu einem lässigen Vergnügen macht. Die Motorhaube ist bis auf den tief sitzenden Kühlergrill und die Lufteinlässe heruntergezogen, zusammen mit den serienmäßigen LED-Leuchten wirkt die Front kraftvoll breit.

Gegenüber dem Ende 2017 vorgestellten neuen A8 hat sich der Sportback nicht nur an der Front mehr visuelle Eigenständigkeit erlaubt; die Ingenieure bei Audi reagieren damit wohl auf den Vorwurf, die Modellpalette sei zu wenig unterscheidbar geworden.
Hinten dagegen ist das Heck, das in einer leicht nach oben gerundeten Abrisskante endet, gegenüber dem Vorgänger drei Zentimeter höher geworden.

Zusammen mit der darunter gelegten Lichtleiste fügt sich das zu einer harmonischen Rückpartie. Durch den etwas längeren Radstand besticht der nun 4,97 Meter lange A7 auch von der Seite mit einer sehr eleganten Linienführung, deren kraftvolle Dynamik durch die etwas ausgestellten Radkästen noch unterstrichen wird. Für die Insassen auf der Rückbank bedeutet die neue Silhouette zugleich ein wenig mehr Kopfhöhe und ein paar Zentimeter mehr Beinfreiheit.

Natürlich findet sich in der Gepäckraumklappe auch wieder ein Spoiler – nur fährt der nicht wie bisher schon bei Tempo 70 hoch, was im zügigen Stadtverkehr recht deplatziert wirkt, sondern elektrisch erst bei 120 Stundenkilometern, wo es in Sachen Bodenhaftung auch mehr Sinn macht. Positiv für den Fahrer wirkt sich auch aus, dass durch das weit nach unten gezogene Rückfenster beim Abbiegen die Sicht nach hinten besser wird.

Auf den Markt kommt der A7 mit je einem Benziner und Diesel, jeweils als Sechszylinder mit drei Litern Hubraum und kräftigem Drehmoment. Der Benziner 55 TFSI bringt 340 PS auf die Straße und und reagiert in allen Situation beeindruckend agil und elastisch; der Diesel 3.0 TDI mit 286 PS wird dagegen trotz eines höheren Drehmoments beim beschleunigen am Berg spürbar lauter.

Ob Benziner oder Diesel –der permanente Quattro-Allradantrieb und eine sieben- bzw. achtgängige Schaltautomatik sind serienmäßig. Ein technischer Clou ist die aktive Allrad-Lenkung, bei der die Hinterräder bis zu fünf Grad einschlagen. Damit wird nicht nur der Wendekreis kleiner und das rangieren erleichtert, das sorgt auch für eine dynamischere Kurvenfahrt.

Und die so genannte Segel-Funktion, bei der der Motor zwischen 60 und 160 km/h kurzzeitig abgeschaltet wird, wenn der Fahrer vom Gaspedal geht, soll den Normverbrauch drücken – angegeben werden 6,8 Liter/100 km für den Benziner. Bei der Testfahrt waren es eher 12 Liter. Drei von vier Käufern aber wählen den Diesel, der deutlich weniger verbraucht.

Angekündigt sind von Audi bereits weitere Motorvarianten – darunter auch ein Vierzylinder. Wählt man den Benziner, kostet die Basisversion des luxuriösen Gran Turismo 67.800 Euro, mit Diesel-Aggregat werden 66.300 Euro verlangt. Dabei bleibt es aber nicht; zu verlockend sind die vielen Extras und Sicherheitsfeatures.

Schluss mit den vielen Knöpfen

Doppelt ist besser, sagt sich Audi. Im Innenraum gibt es jedenfalls nun zwei Touchscreens über der Mittelkonsole, die dem Fahrer zugeneigt sind. Auf dem unteren Bildschirm finden sich alle Innenraum-Funktionen von Heizung bis zur Sitzeinstellung sowie die intelligente Schrifteingabe. Der obere Screen, elegant eingebunden in der zum Beifahrer schmaler werdenden Frontkonsole, bündelt die Fahrmodi sowie Navigation und Infotainment.

Zusammen gelingt es Audi damit, die Anzahl der Knöpfe nahezu auf Null zu reduzieren – wie es etwa Volvo bei seinen neuen Modellen vorgemacht hat. Verblüffend wirkt die haptische Rückmeldung bei der Berührung eines Symbols auf dem Touchscreen – als habe man einen mechanischen Schalter bewegt. Möglich wird das durch einen elektromagnetischen Impuls, der das gesamte Display ein paar tausendstel Millimeter bewegt.

Womit wir bei den inneren Werten sind. Neben einem erstklassigen Navigationssystem, dass die Strecke auch in 3D-Funktion darstellt, oder dem vollelektronischen Kombiinstrument für den Fahrer, werden in der Vollausstattung insgesamt 39 Fahrerassistenz-Systeme angeboten. Bis zu fünf Radarsensoren, ein Laserscanner, fünf Kameras, und zwölf Ultraschallsensoren gewährleisten eine 360-Grad-Observation.

Was die Systeme leisten, gehört sicher zum besten, was auf dem Markt ist. Gerade im dichten Stadtverkehr sorgt etwa das Spurhalte-System in Verbindung mit der Abstands-Funktion für ein entspanntes fahren – der Wagen bremst autonom bis zum Stillstand und beschleunigt auch wieder auf die zuvor eingestellte Geschwindigkeit.

Hilfreich ist auch der Kreuzungsassistent, der bei Querverkehr notfalls bremst und der Ausstiegswarner, der bei von hinten nahenden Radfahrern kurzzeitig die Tür blockiert. Und wer will, kann sich auch selbsttätig in die Parklücke oder Garage dirigieren lassen.
Nur dieses Lichtgewitter. Das hat der A7 Sportback doch nicht nötig. Wenn beim Starten des Motors die hinten durchgezogene Leuchtenleiste in gelb und rot hin und her wabert und auch vorne an den optionalen Matrix-Scheinwerfern mit den zwölf senkrecht stehenden Leuchtsegmente üppige Lichtspiele angesagt sind, dann beeindruckt das sicher die Passanten und die Gäste im Gartenlokal, aber brauchen tut das kein Mensch.

Was im Marketing-Sprech großspurig „Coming-Home, Leaving-Home“-Funktion genannt wird, zielt wohl auf den asiatischen Markt, wo man solche Inszenierung mag. Ein wenig prollig kommt das her, was nun das letzte wäre, was man zu dem neuen Gran Turismo aus Ingolstadt sagen kann. Im Gegenteil. Aber das wabernde Lichtfeuerwerk ist ja optional. Man muss ja nicht alles haben. Das technische Feuerwerk, das der A7 bietet, ist glänzend genug.

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