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  • 12.01.2018

Transplantationen: Deutschland erhält mehr Organe, als es spendet

In Deutschland werden weniger Organe gespendet, als transplantiert werden. Foto: Swen Pförtner/dpa

Deutschland profitiert vom Ausland, wenn es um Organtransplantationen geht. Langfristig ist das nicht gestattet. Die Deutschen spenden zu wenig ihre Organe.

Deutschland hat im vergangenen Jahr mehr Organe transplantiert, als bundesweit gespendet wurden. Die lebensrettenden Organe kamen auch aus Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Ungarn, Kroatien, Österreich und Slowenien. Diese Länder gehören dem Eurotransplant (ET)-Verbund an, der über nationale Grenzen hinweg Herzen, Nieren, Lungen oder Lebern vermittelt. Von dem Verbund hat Deutschland als Mitgliedsland im Vorjahr profitiert: Mehr deutsche Patienten verdanken ihr Leben einem Organ aus dem Ausland als umgekehrt.

Wer von den insgesamt 14.500 Menschen auf der Warteliste das lebensrettende Organ erhält, berechnet ein Computersystem in der Eurotransplant-Zentrale im niederländischen Leiden. Zuerst soll ein Organ in dem Land transplantiert werden, in dem es entnommen wurde. Ganz oben auf der Liste stehen die Notfallpatienten, die dringend ein Organ benötigen. Droht dem Patienten der Tod, rückt er vor. Ausschlaggebend ist ebenfalls die Erfolgsaussicht der Organverpflanzung.

Erst, wenn sich im eigenen Land kein geeigneter Empfänger findet, versucht Eurotransplant, das Organ in ein anderes Land zu vermitteln. Hierbei gilt das Kriterium des gerechten Ausgleichs: Ein Land, das oft Organe bereitstellt, erhält im Allgemeinen eher auch welche zurück.

Ohne Eurotransplant würden hierzulande weniger Organe verpflanzt werden - denn Deutschland profitiert von der größeren Spendenbereitschaft in den anderen Ländern. Im vergangenen Jahr wurden hier laut der Deutschen Stiftung Organstransplantation (DSO) 175 Organe mehr aus den ET-Mitgliedsstaaten transplantiert, als aus Deutschland dorthin abgegeben wurde.

Deutschland darf langfristig nicht mehr Organe erhalten, als hier gespendet werden

Theresa Scheeben von Eurotransplant sagte dem epd, die Stiftung achte darauf, dass der Austausch der Organe zwischen den Ländern auf lange Sicht einigermaßen im Gleichgewicht bleibe. „Nichtsdestotrotz wird die Priorität immer darauf liegen, Leben zu retten und nach den geltenden Regeln die größte Übereinstimmung zu finden“, betonte Scheeben.

Demnach darf Deutschland langfristig nicht mehr Organe erhalten, als es spendet. Schon Länder, die dem Verbund beitreten wollen, müssen nach Angaben von Eurotransplant eine Mindestanzahl an Organspenden erreichen. Diese liegt bei etwa zehn Spendern pro einer Million Einwohner pro Jahr. Damit will der Verbund gewährleisten, das in allen Ländern ein ernstzunehmendes Organspendesystem existiert - mit rechtlichen, medizinischen und organisatorischen Vorgaben.

Doch hierzulande spenden nach Angaben der DSO so wenig Menschen Organe wie zuletzt vor 20 Jahren. Im vergangenen Jahr gab es hierzulande etwa 850 Organspender - vor zehn Jahren waren es noch über 1.200 Spender. Damit erreicht Deutschland die Mindestanzahl an Organspenden, die neue ET-Länder erfüllen müssen, nur knapp. Während in Kroatien im vergangenen Jahr 35 Spender auf eine Million Einwohner kamen, waren es hier lediglich 10,1 Spender.

„Die Situation ist zutiefst besorgniserregend“, sagte Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organstransplantation, jüngst bei einer Tagung. Er befürchtet, dass bald weniger als zehn Spender auf eine Million Einwohner kommen. Damit würde Deutschland die von Eurotransplant vorgeschriebene Mindestanzahl an Spendern für neue Mitgliedsländer unterschreiten.

Dass Deutschland deshalb aus dem Organ-Netzwerk ausgeschlossen wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Birgit Blome, Sprecherin der DSO, betonte, die Zahl der Spender pro Million Einwohner in Deutschland sei zwar niedrig, die absolute Zahl der Spender aber weit höher als in anderen ET-Ländern. Ihren Angaben zufolge hat Deutschland im vergangenen Jahr etwa 15 Prozent aller Organe an Patienten in anderen Ländern abgegeben.

„Somit trägt Deutschland ganz entscheidend zur Erreichung der Ziele von Eurotransplant bei“, betonte Blome. Und auch Theresa Scheeben von Eurotransplant sagte: „Deutschland ist ein geschätztes und wichtiges Mitglied der internationalen Kooperation und Organvermittlung.“ (epd)

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