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  • 21.12.2017

Prozess um Anschlag auf BVB-Bus: Verteidiger wirft Ermittlern Voreingenommenheit vor

Der Angeklagte Sergej W. wird am 21.12.2017 im Landgericht in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) zur Anklagebank gebracht. Foto: dpa/ Ina Fassbender

In Dortmund begann der Prozess gegen den Sergej W., der den Bomben-Anschlag auf Borussia Dortmund verübt haben soll. Sein Verteidiger wirft den Ermittlern Voreingenommenheit vor.

Mit Angriffen der Verteidigung auf die Staatsanwaltschaft hat vor dem Dortmunder Landgericht der Prozess um den Splitterbomben-Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus vor acht Monaten begonnen. Anwalt Carl W. Heydenreich warf den Anklägern am Donnerstag vor, sie hätten voreingenommen gegen seinen Mandanten Sergej W. ermittelt. Ihr Vertreter in der Hauptverhandlung müsse deshalb ausgetauscht werden. Er habe Medienvertreter mit Inhalten aus der Ermittlungsakte versorgt und einseitig und tendenziell zulasten des Angeklagten ermittelt.

Oberstaatsanwalt Carsten Dombert wies die Vorwürfe zurück. „Ich fühle mich nicht befangen“, sagte er. Der Vorsitzende Richter sagte, er habe keinen Einfluss darauf, wen der Leiter der Dortmunder Staatsanwaltschaft in die Verhandlung schicke.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten 28-fachen Mordversuch und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Der 28-Jährige habe den Anschlag aus Habgier begangen, um durch sinkende Kurse der BVB-Aktie hohe Gewinne zu erzielen. Der BVB ist der einzige Fußballverein in Deutschland, dessen Aktien an der Börse gehandelt werden.

Sergej W. soll die Bomben ferngezündet haben

Sergej W. soll laut Staatsanwaltschaft drei selbst gebaute Sprengsätze in einer Hecke am Mannschaftshotel des BVB deponiert haben. Als das Team vor der Champions-League-Partie gegen AS Monaco in den Bus gestiegen war und dieser sich langsam in Bewegung setzte, soll er die Bomben mithilfe von Fernzündern zur Explosion gebracht haben. Bei dem Anschlag am Abend des 11. April dieses Jahres hatte BVB-Abwehrspieler Marc Bartra einen Bruch des Unterarms erlitten.

Der Prozess begann unter großem Medienandrang. Dagegen waren nur wenige Zuschauer und Fans des Fußball-Bundesligisten ins Dortmunder Landgericht gekommen. Mehrere Spieler von Borussia Dortmund haben sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen. Am Donnerstag waren sie nicht im Gericht dabei, sie erscheinen aber später, sofern sie als Zeugen geladen werden. Für das Verfahren hat das Schwurgericht 18 Verhandlungstage bis zum 28. März angesetzt.

Laut Anklage kaufte Sergej W. in der Woche vor dem Anschlag für mehr als 26 000 Euro Optionsscheine und Kontrakte - und schloss mit diesen sozusagen eine Wette auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie ab. Wäre der Kurs tatsächlich auf einen Euro abgerutscht, hätte der 28-Jährige über eine halbe Million Euro Gewinn gemacht.

Zehn Tage nach der Tat war Sergej W., der zuletzt in Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) lebte, festgenommen worden. Er hat nach früheren Angaben der Behörden angegeben, in Dortmund lediglich Urlaub gemacht zu haben. (dpa)

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