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  • 18.12.2017
  • von Thomas Seibert

Stromausfall am Flughafen Atlanta: Apokalypse Atlanta

von Thomas Seibert

Endstation Wartehalle. Im Dunkeln warteten die Passagiere. Foto: dpa

Elf Stunden legt ein Feuer den größten Flughafen der Welt lahm, über tausend Flüge werden gestrichen. Das Chaos bleibt vielleicht bis Weihnachten.

Es sind Szenen wie aus einem Katastrophenfilm. Im größten Flughafen der Welt fallen plötzlich die Lichter aus. Zeitweise stehen mehr als 90 Flugzeuge auf dem Asphalt, weil alle Systeme abstürzen, alle Bildschirme schwarz werden. Bis zu sieben Stunden lang müssen einige Passagiere auf ihren Sitzen in den Flugzeugen bleiben. Im dunklen Flughafengebäude selbst drängen sich tausende weitere Gestrandete. Sie schlafen auf dem Boden oder auf den lahm gelegten Gepäckbändern. Der Flughafen Atlanta im US-Bundesstaat Georgia erlebt den GAU.

Heather Kerwin hat das Glück, sich den Gruselfilm im Flughafen Hartsfield-Jackson – mit durchschnittlich 270.000 Reisenden pro Tag der Airport mit dem weltweit höchsten Passagieraufkommen – am Sonntag nur kurz anschauen zu müssen. Kerwin lebt in Atlanta und will eigentlich nach New York fliegen. Doch daraus wird nichts, wie sie beim Betreten des Flughafens merkt. Ein paar Notlichter brannten, sonst nichts, sagt sie später dem Nachrichtensender CNN. „Es war sehr dunkel – und es fühlte sich total apokalyptisch an. Ich sah zu, dass ich schnell wieder rauskam.“

Auch der Ex-Verkehrsminister muss warten

Andere haben weniger Glück. Der frühere US-Verkehrsminister Anthony Foxx muss fünf Stunden in seiner Maschine ausharren. Via Twitter kritisiert er „ein Durcheinander und eine schlechte Kommunikation“. Immerhin: Der Flughafenbetreiber verteilt während des Stromausfalls mehr als 5000 Mahlzeiten an die wartenden Fluggäste und auch die Parkplatzgebühren sollen für einige Stunden erlassen werden.

Grund für die Apokalypse war ein Brand in einer unterirdischen elektrischen Anlage, die den Flughafen mit Strom versorgt. Das Feuer war so stark, dass es ein Ersatz-Kraftwerk gleich mit ausschaltete. Das Ergebnis: ein elfstündiger Stromausfall, mehr als tausend gestrichene Flüge und ein Alptraum für die Passagiere. Dieser war für die meisten auch mit der Rückkehr der Lichter am späten Sonntag nicht ausgestanden: Sofort bildeten sich lange Schlangen vor den Sicherheitsschleusen, die aber erst Stunden später wieder öffneten. Mehr als 400 Flüge mussten auch am Montag auf dem Flughafen abgesagt werden, der den Hauptknotenpunkt für die Fluggesellschaft Delta bildet, die zweitgrößte Airline der Welt.

Ab Donnerstag beginnt die Weihnachts-Reisezeit

Neues Gedränge wurde für den Verlauf des Montags erwartet: Neben den gestrandeten Passagieren kamen auch die auf Montag gebuchten Reisenden am Flughafen an. Außerdem tauchten neue Probleme auf. So versagte das elektronische Check-In-System von Delta am Morgen den Dienst – was bedeutete, dass sich alle Passagiere vor den Schaltern im Flughafen anstellen mussten, um ihre Bordkarte zu bekommen. Ein schwacher Trost für Passagiere und Verantwortliche war der Gedanke, dass alles noch hätte schlimmer werden können, wenn das Feuer ein paar Tage später ausgebrochen wäre: Spätestens am Donnerstag beginnt die heiße Phase des Weihnachts-Reiseverkehrs mit noch mehr Passagieren.

Verantwortliche und Reisende hoffen nun, dass die Folgen des Stromausfalls bis zur zweiten Wochenhälfte verdaut sind. Delta kann in Atlanta immerhin auf Maschinen und Mannschaften zurückgreifen, die dort in Reserve gehalten werden. Eine Garantie dafür gebe es jedoch nicht, sagt Robert Mann, ein Luftfahrtexperte der Nachrichtenagentur AP: Für einige Passagiere könnten die Schwierigkeiten für den Rest der Woche weitergehen. Bei einem ähnlich großen Flugausfall nach einem Sturm in Atlanta im Frühjahr brauchte Delta fünf volle Tage und 4000 gestrichene Flüge, um alles wieder ins Lot zu bringen. Ähnliches würde diesmal zehntausenden Passagieren das Weihnachtsfest verhageln. (mit AFP)

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