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  • 18.04.2017

Fahndung in den USA: Amerika sucht den Facebook-Mörder - 50.000 Dollar Belohnung ausgesetzt

Dies sind Aufnahmen, die der Täter von sich selber gemacht hat. Foto: Reuters

In den USA ist ein bewaffneter Mann auf der Flucht, der wahllos einen 74-Jährigen erschossen hat und das Video der Tat bei Facebook veröffentlichte. Das Netzwerk steht in der Kritik.

Amerika jagt Steve Stephens - den Mann, der am Osterwochenende einen 74 Jahre alten Mann getötet und ein Video davon auf Facebook veröffentlicht haben soll. Die öffentlich vorgeführte Tat zieht nun auch eine Debatte über den Umgang des Netzwerks mit Gewaltdarstellungen nach sich. Facebook kündigte an, die Möglichkeiten zum Melden von Gewalt auf der Plattform überprüfen.

Die Fahnder in den USA wissen derzeit nicht, wo sich der Mann, den Fahndungsfotos mit kahlem Kopf und Vollbart zeigen, aufhalten könnte. „Er kann in der Umgebung sein, er kann aber auch in jedem anderen Teil der USA sein“, sagte der zuständige FBI-Ermittler Stephen Anthony. Sein Kollege Peter Elliott übte sich bezüglich eines Fahndungserfolgs in Zweckoptimismus: „Es wird geschehen und es wird sehr schnell geschehen“, betonte er mit Blick auf eine mögliche Festnahme.

Am Montagabend lobte die Polizei eine Belohnung von 50.000 Dollar aus für Hinweise, die zum Täter führen. Tatsächlich tappt sie jedoch noch einigermaßen im Dunkeln. Weder haben die Ermittler Angaben zum möglichen Aufenthaltsort des Flüchtigen, noch eine klare Vorstellung von dem Motiv für die Bluttat. Es scheint, als habe er sein 74 Jahre altes Opfer einfach auf der Straße nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und kaltblütig erschossen. Immerhin ist klar: Der mutmaßliche Täter scheint keine kriminelle Karriere zu haben. „Sein Register zeigt ein paar Verkehrsverstöße, sonst nichts“, sagte der Polizeichef von Cleveland, Calvin Williams.

Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge haben sich in Cleveland am Ostersonntag Szenen abgespielt, wie sie sich kaum ein Krimi-Autor auszudenken vermag. Stephens fuhr rechts an den Straßenrand und forderte sein Opfer auf, den Namen „Joy Lane“ auszusprechen. „Joy Lane?“, sagte der alte Mann fragend. „Ja, sie ist der Grund für das, was Dir jetzt zustößt“, antwortete der mutmaßliche Täter. Er fragte sein Opfer noch nach seinem Alter. Dann drückte er ab. Das Video ist inzwischen bei Facebook gelöscht worden.

Die Polizei ist bereit, ihn zu erschießen, wenn er sich nicht stellt

Das Opfer befand sich Medienberichten zufolge auf dem Heimweg von einem Osteressen mit seinen Kindern, als sich der Mord ereignete. „Was heute geschah, ist sinnlos“, sagte Polizeichef Williams bereits am Sonntag. Er forderte den Mann auf, sich zu stellen.

Der Verdächtige ist mit dem kürzlich gekauften weißen Ford wohl auch weiterhin unterwegs. Er sei „bewaffnet und extrem gefährlich“. Die Polizei hatte kurze Zeit über Mobiltelefon Kontakt mit dem Flüchtigen. Dieser ist aber offenbar abgerissen. Bei dem Video handelt es sich nicht wie zunächst vermutet um eine Liveübertragung der Bluttat.

Die Aufnahmen seien nach der Tat hochgeladen worden, berichteten Medien unter Berufung auf einen Facebook-Sprecher. Der mutmaßliche Täter habe in einem zweiten Video behauptet, noch weitere Menschen getötet zu haben, teilte die Polizei mit. Dies blieb zunächst unbestätigt. Trotz intensiver Suche wurden bis Montag keine weiteren Opfer gefunden.

"Wütend auf seine Freundin"

Der Verdächtige sei „wütend auf seine Freundin“ gewesen und habe deshalb auf Menschen geschossen, sagte seine Mutter dem Sender CNN. Sie habe am Sonntag mit ihrem Sohn gesprochen und ihn gebeten, aufzuhören, berichtete die Frau. Sie könne nicht glauben, was passiert sei. Die Freundin des Mannes arbeitet mit der Polizei zusammen. Sie sei an einem „sicheren Ort“, sagte Williams.

Die Polizei machte unmissverständlich deutlich, dass sie bereit sei, den Flüchtigen zu erschießen, sollte er sich nicht stellen. Diese Botschaft richtete Williams auch an Freunde und Verwandte des Mannes, der laut Medienberichten in einer Klinik für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten gearbeitet haben soll. „Wenn ihr im helfen wollt, dann tragt dazu bei, dass er sich stellt“, betonte der Polizeichef. Das sei die einzige Möglichkeit für ihn, unversehrt zu bleiben.

Soll Facebook sich auf Meldungen von Nutzern verlassen?

Facebook will nun die Möglichkeiten zum Melden von Gewalt überprüfen. Das Online-Netzwerk habe das Profil des mutmaßlichen Täters 23 Minuten nach dem ersten Nutzer-Hinweis gesperrt, schrieb Facebook-Manager Justin Osofsky in einem Blogeintrag in der Nacht zum Dienstag. Allerdings war es damit gut zwei Stunden online. Zudem löste ein rascher Hinweis auf einen Facebook-Livestream, bei der der Verdächtige einen Mord gestand, zunächst keine Sperre aus. „Wir wissen, dass wir besser werden müssen“, schrieb Osofsky.

Der Mord hat die Diskussion darüber neu angeheizt, ob Facebook mehr gegen Gewaltdarstellung unternehmen müsse - und eventuell auch von sich aus nach solchen Inhalten suchen soll, statt sich auf Hinweise von Nutzern zu verlassen. Osofsky schrieb, künstliche Intelligenz werde zwar eingesetzt, aber nur um die Weiterverbreitung von Gewaltvideos in Gänze zu verhindern. Fragmente dürften weiterhin geteilt werden, zum Beispiel in Berichten über Ereignisse. Für Facebook könnte die Kontroverse die Entwicklerkonferenz F8 im kalifornischen San Jose überschatten, die Gründer und Chef Mark Zuckerberg am Dienstag eröffnen will. (dpa)

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