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  • 16.05.2018
  • von Sven Goldmann

Fußball-Bundesliga: Ralph Hasenhüttls Abgang entblößt RB Leipzig

von Sven Goldmann

Sag beim Abschied leise Servus: Der Abgang von Ralph Hasenhüttl war weder für ihn noch für seinen Arbeitgeber RB Leipzig glorreich. Foto: imago/Contrast

Der ruhmlose Abschied des Österreichers zeigt: Die Logik des Geldes führt zu Erbarmungslosigkeit und Stillosigkeit. Ein Kommentar.

Ralph Hasenhüttl ist nicht mehr Trainer von Rasenballsport Leipzig. Nach einem zweiten Platz in der vergangenen Bundesligasaison und dem sechsten im Jahr danach. Die Leipziger Erfolgsgeschichte ist vor allem Hasenhüttls Geschichte. Dass er jetzt selbst um Auflösung seines noch bis 2019 laufenden Vertrages bat, weil seine Vorgesetzten ihm keine längerfristiges Angebot machten, kommt schon überraschend.
Einerseits.

Andererseits ist die am Mittwoch vollzogene Trennung alles andere als eine Überraschung. Das Projekt Rasenballsport ist auf dauerhaftes Wachstum ausgerichtet, auf eine zuverlässige Maximierung von Erfolg. Da ist Platz sechs im zweiten Bundesligajahr ein Rückschlag. Es darf in Leipzig nicht weniger als die dauerhafte Mitgliedschaft in der Milliardärsvereinigung namens Champions League sein. Nur das Vorspielen auf dieser Bühne macht das mit hohen Investitionen in die Boomtown Leipzig geklotzte Konstrukt interessant für eine vom Fußball gesättigte Öffentlichkeit. Ohne Erfolg schwindet auch der Rückhalt an der Basis, die nicht organisch gewachsen ist und deshalb nur bedingt Loyalität empfindet.

Erfolg garantiert Verkäufe für den Sponsoren

Die gewaltige Anschubfinanzierung aus der Zentrale des österreichischen Brausekonzerns verträgt sich nur dann mit der Bilanzführung, wenn ihr auf der Habenseite die Einnahmen aus dem großen europäischen Geschäft gegenüberstehen. Das Verpassen der Champions League kostet RB einen zweistelligen Millionenbetrag. Und bei der Verteilung des nationalen Fernsehgeldes steht Leipzig wegen seiner kurzen Existenz im Fünfjahresranking weit hinten, wird also nur mit einer bescheidenen Marge bedacht.

Der Leipziger Sportdirektor Ralf Rangnick definiert seinen, nun ja, Verein als juvenile Alternative zum Geschäftsmodell des Establishments, das seine Mannschaften mit millionenschweren Weltstars bestückt. Leipzig will seine Weltstars selbst produzieren. Das mag im Einzelfall des Nationalstürmers Timo Werner gelungen sein, ist aber in der Breite nicht möglich. Eine nur mit Nachwuchs verstärkte Mannschaft kann mal ein großartiges Jahr haben wie Rasenballsport nach dem Aufstieg, als Begeisterung und Angriffslust einen sensationellen zweiten Platz zeitigten. Bei der Mehrfachbelastung im nationalen und internationalen Geschäft aber sind Rückschläge nicht zu vermeiden, erst recht angesichts des kraftraubenden Stils, für den Hasenhüttl steht. Leipzigs Einbruch in dieser Saison war vorhersehbar und fiel mit der Qualifikation für die Europa League eher moderat aus.

Ralph Hasenhüttl hat in Leipzig sehr gute Arbeit geleistet, dieses Verdienst wird bleiben. Der bemerkenswert stillose Umgang mit ihm beschädigt nicht den Trainer, sondern seine Vorgesetzten. Die müssen erst mal einen finden, der es besser, also: erfolgreicher macht. Und dem als seelenlos verschrienen Projekt zugleich einen Ansatz von Erdung verschafft wie der volkstümliche Österreicher. Dieses Problem hat sich der ehrgeizig-ungeduldige Ralf Rangnick redlich verdient.

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