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  • 04.03.2018
  • von Christoph Dach

EHF-Pokal: Die Füchse wollen gewinnen - egal wie

von Christoph Dach

Foto: dpa

Die Füchse stellen aus personeller Not vor dem EHF-Pokal-Spiel gegen Anaitasuna ihren Stil um: Schön ist das nicht, aber das ist Trainer Petkovic egal. 

Neulich hat es der Hallensprecher der Füchse Berlin wieder getan. In der Halbzeitpause sprach er über Iker Romero, den langjährigen Kapitän und Publikumsliebling des Handball-Bundesligisten, der am konkreten Tag gerade zum ersten Mal Vater geworden war; seine Lebensgefährtin, die deutsche Nationalspielerin Laura Steinbach, brachte einen gesunden Sohn zur Welt. Die Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle honorierten die Nachricht mit lautstarkem Applaus und schwelgten sogleich in Erinnerungen: Was waren das für große Zeiten mit Don Iker! Bei allem verdienten Respekt für Romero sah es am Ende seiner Karriere zwar nicht immer elegant aus, was der spanische Ausnahmehandballer auf die Platte brachte. Zielführend war es trotzdem in den meisten Fällen.

Nicht elegant, aber zielführend – so lautet auch das Motto, mit dem die Berliner ins Kalenderjahr 2018 gestartet sind. Durch den Wechsel Petar Nenadics nach Veszprem ist ihnen in der EM-Pause ihr allesüberragender Spielmacher abhanden gekommen; ohne den Serben fehlt den Füchsen das überraschende, filigrane und besondere Element. Dass sich obendrein die deutschen Nationalspieler Paul Drux, 23, und Fabian Wiede, 24, verletzten, macht die Sache für Trainer Velimir Petkovic nicht eben leichter. Wenn die Füchse am Sonntag im Gruppenspiel des EHF-Pokals auf den spanischen Vertreter Helvetia Anaitasuna treffen (15 Uhr, Max-Schmeling-Halle), wird Petkovic wieder improvisieren müssen, obwohl zumindest Wiede wieder fit ist. „Für mich ist das trotzdem kein Grund, nach Entschuldigungen zu suchen“, sagt der 62-Jährige, „dafür bin ich einfach nicht der Typ.“

"In der Abwehr akzeptiere ich keine schlechten Tage"

Petkovics Pragmatismus tut dem Verein und insbesondere der Profi-Abteilung im Moment gut. Der Trainer ist routiniert genug zu wissen, an welchen Stellschrauben er drehen muss, um trotz der Abgänge und Ausfälle eine wettbewerbsfähige Mannschaft ins Rennen zu schicken. Er hat Rechtsaußen Mattias Zachrisson und Steffen Fäth als potenzielle Nachfolger Nenadics auf Rückraum-Mitte identifiziert und weitere personelle Rochaden vorgenommen. Vor allem aber hat er seinem Team einen neuen, extrem defensivorientierten Kurs verordnet. „Vorne kann jeder Mal einen schlechten Tag haben“, sagt Petkovic, „aber in der Abwehr akzeptiere ich das nicht.“ Abwehrarbeit ist nämlich eine Frage der Einstellung, also Willenssache. 

Nach der erschreckend schwachen und lustlosen Leistung im ersten Pflichtspiel 2018 gegen St. Raphael haben die Füchse erstaunlich schnell zu defensiver Stabilität gefunden: In den letzten drei Bundesliga-Spielen kassierten sie im Schnitt 20,3 Tore, auf dem Feld stand stets eine leidenschaftlich verteidigende Einheit - genau das, was Petkovic sehen will. Allerdings leidet unter diesem Umstand die Attraktivität des Berliner Spiels; neuerdings verschleppen die Füchse oft das Tempo, sie spielen ihre Angriffe sehr lange aus und setzen weniger auf Tempo und Spektakel als noch in der Hinrunde.

Für den neutralen Handball-Fan mag das nicht immer attraktiv oder unterhaltsam sein, für Trainer hingegen sind das ohnehin überschätzte Kriterien: „Ich lege keinen großen Wert darauf, dass wir schön spielen“, sagt Petkovic, „solange die Mannschaft gewinnt.“ Zuletzt ist das den Berlinern fünf Mal in Folge gelungen, am Sonntag soll diese Serie weitergehen. 

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