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  • 31.01.2018
  • von Jörg Leopold

German Masters im Snooker: Lücken im Tempodrom, Fehler im System

von Jörg Leopold

Einzigartig. Im Tempodrom wird an fünf Tischen gleichzeitig gespielt. Foto: Paul Zinken/dpa Foto: picture alliance / Paul Zinken/d

Heute beginnt das German Masters im Snooker. Das Turnier im Tempodrom ist bei den Profis beliebt – Probleme gibt es dennoch.

Obwohl das German Masters im Snooker erst seit 2011 im Berliner Tempodrom ausgetragen wird, hat sich das Turnier bereits zu einem Klassiker entwickelt. Die Stars betonen bei jeder Gelegenheit, dass die Spielstätte eine der spektakulärsten auf der Tour sei. Dazu werden sie nicht müde, das deutsche Publikum für seinen Enthusiasmus zu loben. Und so ist es auch kein Wunder, wenn Titelverteidiger Anthony Hamilton sagt: „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mich qualifiziert habe. Ich liebe es, nach Berlin zu kommen und selbst wenn ich in der ersten Runde ausscheide, bleibe ich trotzdem bis zum Ende, weil es einfach eine tolle Stadt ist.“

Am Mittwoch bestreitet der 46-jährige Engländer das Auftaktmatch des Turniers gegen seinen Landsmann Jimmy Robertson. Wie im Vorjahr zählt Hamilton auch diesmal nicht zu den ersten Anwärtern auf den Turniersieg, dafür kommen eher Masters-Sieger Mark Allen, Weltmeister Mark Selby oder Chinas Topspieler Ding Junhui in Frage. Allerdings hat sich das German Masters in der Vergangenheit gerade bei Außenseitern großer Beliebtheit erfreut. Und darin liegt auch ein kleines Problem des Turniers.

Bei aller Begeisterung für das Spiel mit den 15 roten und sechs farbigen Kugeln hängt so ein Event wie das in Berlin auch immer ein bisschen davon ab, wie groß die gebotenen Attraktionen sind. So waren die Finalsessions im Tempodrom in den vergangenen beiden Jahren längst nicht ausverkauft, nicht jeder Fan nimmt die Reise nach Berlin auf sich, ohne zu wissen, was und wer ihn dort erwartet.

Ronnie O’Sullivan fehlt auch in diesem Jahr beim German Masters

Auch 2018 fehlt der immer noch größte Star des Snookersports: Ronnie O’Sullivan, in dieser Saison schon dreimaliger Turniersieger, sagte die Qualifikation für Berlin im Dezember aus medizinischen Gründen kurzfristig ab. Mit John Higgins und Neil Robertson fehlen darüber hinaus zwei weitere frühere Weltmeister. Obwohl das Tempodrom eine der größten Snooker-Arenen weltweit ist, schaffen nur 32 Profis den Sprung in das Hauptfeld. Zwei Qualifikationsrunden müssen die Spieler überstehen, um überhaupt in Berlin dabei sein zu können.

Daran ist erwartungsgemäß auch Lukas Kleckers gescheitert. Der einzige Deutsche auf der Main-Tour hat am Montag noch versucht, sich für die China Open zu qualifizieren – ebenfalls ohne Erfolg. Eine Wildcard für Berlin hatte er nicht erhalten, derartiges ist im Turnierreglement weiterhin nicht vorgesehen. Nun ist die deutsche Snookergemeinde nicht unbedingt auf Landsleute fixiert, ein kleiner Farbtupfer wäre der 21-Jährige Essener aber durchaus gewesen. Für die Siegprämie von immerhin 90 000 Euro wäre er ohnehin nicht in Frage gekommen.

Kleckers hofft noch auf den Durchbruch, das Interesse am Snooker selbst hingegen stagniert. Der Spiel ist weiterhin nur Randsport, trotz all der guten Quoten beim übertragenden Fernsehsender Eurosport. Das Publikum ist seit Jahren das gleiche und es sehnt sich auch nach den immer gleichen Helden. Ronnie O’Sullivan ist der letzte aus der alten Garde, der noch ganz vorn mitspielt. Ein Turnier wie das im Tempodrom profitiert deshalb umso mehr von seiner Teilnahme. Dass die Veranstalter dabei selbst nicht mitbestimmen können, wen sie dabei haben möchten, entwickelt sich immer mehr zum Ärgernis. Denn selbst im Fußball zieht ein Klassiker nur bedingt, wenn die Stars gar nicht mitspielen.

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