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  • 15.01.2018
  • von Ferdinand Moeck

Marzahn-Hellersdorf: Hallenfußball als Aushängeschild für den Bezirk

von Ferdinand Moeck

Spieler von Hertha BSC und Red Bull Salzburg beim Hallenturnier in Berlin-Marzahn. Foto: Oliver Behrendt/contrastphoto

Einmal im Jahr findet in Marzahn-Hellersdorf das größte U17-Fußball-Hallenturnier in Deutschland statt. 250 Jugendliche aus drei Ländern treten dabei an.

„Lasst uns doch mal ein großes Turnier machen.“ Mit dieser Idee fing alles an. „Spieler und Trainer freuen sich, wenn sie mal raus kommen und neue, große Mannschaften kennenlernen“, meint Ronny Range, Gründer und Namensgeber des Range-Bau-Cups, der an diesem Wochenende in Marzahn-Hellersdorf zum 14. Mal ausgetragen wird. Der Spielmodus wurde ausgetüftelt, Einladungen verschickt. Als das Turnier 2005 startet, ist Range als Jugendtrainer am Seitenrand selbst dabei. Sein Sohn Leroy spielt mit. Kamen damals noch kleinere Vereine aus der Region, wurde das Turnier schnell bekannter. „Nachdem Hertha und andere Bundesligisten mit ihren Teams kamen, wurde es ein Selbstläufer“, erinnert er sich.

Mannschaften wie der Hamburger Sportverein oder Union Berlin nehmen seitdem regelmäßig teil. Die Gründungsidee blieb jedoch dieselbe: Kleinen Vereinen die Chance geben, mit großen Vereinen ein Turnier zu absolvieren. „Es ist schon ziemlich krass, gegen RB Salzburg und Hertha BSC zu spielen“, sagt der Fünfzehnjährige Esra Grathoff vom Greifswalder FC, der die Atmosphäre aufsaugt. Die Halle ist an diesem Samstagmorgen bereits ausverkauft. Viele Zuschauer sind zum ersten Mal dabei.

So wie Carla Kammer. Sie jubelt ihrem Enkel zu, der bei Union Berlin spielt. Andere sind bereits Stammgäste beim Turnier. 110 Spiele a zwölf Minuten: „Wann kannst du sowas schon einmal in diesem Bezirk sehen“, erzählt Danny Schönfeld, der selbst in Marzahn wohnt. Ein Viertel, das mit vielen Vorurteilen zu kämpfen hat. „Auch für uns ist das Turnier etwas Besonderes. Wir haben nicht gerade den besten Ruf“, sagt Gordon Lemm bei der Eröffnungszeremonie zu den Spielern und Zuschauern. Der SPD-Bezirksstadtrat für Schule, Sport, Jugend und Familie von Marzahn-Hellersdorf ist selbst in Marzahn groß geworden. Seine Eltern leben bis heute hier.

In diesem Jahr ist er zum ersten Mal Schirmherr der Veranstaltung. „In der DDR war Marzahn noch einer der beliebtesten Bezirke. Wenn man es geschafft hatte, war man hier. Heute ist der Stadtteil stigmatisiert: Armut, Rechtsradikalität und Kulturlosigkeit wird mit ihm verbunden.“ Ereignisse wie der Range-Bau-Cup seien daher sehr wichtig. „Er ist ein Aushängeschild für den Bezirk. Wir sind froh über alles, was hilft“, betont Lemm.

Um die Finanzierung sicherzustellen, hilft der Bezirksstadtrat deshalb auch bei der Suche von Sponsoren. Insgesamt fallen Kosten in Höhe von rund 15.000 Euro an. Der Großteil wird von Sponsoren übernommen. Den Rest versucht Ronny Range mit einem Imbiss und dem Verkauf von Tickets und Losen zu refinanzieren. Die Halle vermietet der Berliner Senat kostenfrei. „Das ist auch die Stärke Berlins. Hier ist es sozial verträglich.

Mit einer hohen Miete für die Halle wäre dieses Turnier so nicht möglich“, erklärt Range. Die Spiele sind währenddessen bereits im vollen Gange. Andreas Neuendorf, ehemaliger Profi bei Hertha BSC und besser bekannt unter seinem Spitznamen „Zecke“, schaut sich als Trainer des Hertha-Nachwuchses auch Spieler anderer Mannschaften genau an. „Natürlich nutzt man solche Turniere auch um Spieler anderer Teams zu sichten. Die wirklichen Talente kennt man aber schon.“

Talentscouts des HSV Hamburg und VfL Wolfsburg haben sich ebenfalls unter die Zuschauer gemischt. Ronny Range findet derweil keine Zeit, sich ein Spiel in Ruhe anzuschauen. Sonntagabend, wenn alles vorbei ist, heißt es dann noch großes Aufräumen. „Und in zwei Monaten beginnt auch schon wieder die Vorbereitung für das nächste Jahr." Wieder in Marzahn-Hellersdorf.

Im Finale am Sonntagabend bezwang der RB Salzburg den HSV im Elfmeterschießen. Dritter wurde Hertha BSC

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