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  • 20.03.2017
  • von Lars Spannagel

College-Basketball: Moritz Wagner: Solides Rumpelstilzchen

von Lars Spannagel

Gut gebrüllt. Moritz Wagner spielt immer mit viel Feuer - früher für Alba Berlin, jetzt für Michigan. Foto: AFP

Moritz Wagner glänzt bei der College-Meisterschaft, auch die NBA interessiert sich nun für den 19 Jahre alten Basketballer aus Berlin.

Seit Moritz Wagner vor knapp zwei Jahren Berlin verlassen hat, sind seine Muskeln ordentlich gewachsen. Rund 20 Kilogramm hat der 19-Jährige in zwei Spielzeiten an der Universität von Michigan zugelegt. Konstantin Lwowsky, Jugendtrainer bei Alba Berlin, erkennt seinen ehemaligen Spieler trotzdem noch wieder. „Das ist schon noch der alte Moritz“, sagt Lwowsky und meint damit vor allen Dingen die Spielweise des jungen Basketballers. Im Gegensatz zu Lwowsky hat das Publikum in den USA Wagner gerade neu für sich entdeckt: Am Sonntag führte der Berliner Michigan mit 26 Punkten zu einem 73:69-Sieg über Louisville und in die Runde der besten 16 College-Teams. Quasi über Nacht wurde Wagner landesweit bekannt – und begehrt.

Bei Alba Berlin hat Wagner das komplette Jugendprogramm durchlaufen, in der Saison 2014/15 stand er im Kader des Profiteams und kam zu einigen viel versprechenden Kurzeinsätzen. Danach wechselte er an die Universität von Michigan, in seiner ersten Saison konnte der junge Mann aus Prenzlauer Berg kaum auf sich aufmerksam machen. In seiner zweiten Saison aber ist Wagner nun fester Bestand der Mannschaft, die sich zu einem ernsthaften Titelkandidaten entwickelt hat. Die US-Medien lieben das Team auch aus einem anderen Grund: Vor gut zwei Wochen rutschte das Flugzeug der Mannschaft beim Start von der Piste, die Spieler kamen mit dem Schrecken davon. Seit dem Vorfall hat Michigan nicht mehr verloren – und liefert damit genau die Art von Geschichte, die US-Amerikaner während ihrer „March Madness“ lieben.

„Das waren grundsolide Sachen, alles keine Zauberei“

Gegen Louisville traf Wagner fast jeden Wurf und zeigte dabei ein beeindruckendes offensives Arsenal. „Das waren grundsolide Sachen, alles keine Zauberei“, sagt Lwowsky. Wagner habe es eben geschafft, viele Freiheiten in seinem Spiel beizubehalten und seinen Trainer davon zu überzeugen, ihn vielseitig einzusetzen. Gerade europäische Basketballer werden am College gerne in eine sehr klar definierte Rolle gedrängt und kehren nach vier Jahren als eindimensionale Spieler zurück.

Mittlerweile erscheint es gut möglich, dass Wagner erst einmal gar nicht zurückkehrt, sondern sogar den Sprung in die NBA schafft. Für seine Größe von 2,11 Meter ist er sehr beweglich und technisch gut ausgebildet, zudem verfügt er über einen guten Dreipunktewurf. Dieses Profil ist in der modernen NBA sehr gefragt, nach dem Louisville-Spiel schrieben US-Zeitungen bereits, Wagner habe „wie ein Profi“ gewirkt. Auch die emotionale Art des Deutschen, der laut Lwowsky schon in der C-Jugend bisweilen „wie ein Rumpelstilzchen“ auftrat, kommt gut an.

Die Chancen des Deutschen, schon in diesem Sommer beim NBA-Draft ausgewählt zu werden, sind seit Sonntag rapide gestiegen. Lwowsky hält es durchaus für realistisch, dass Wagner seine verbleibenden zwei Jahre in Michigan sausen lässt und sich für den Draft anmeldet, wenn ihm ein Vertrag in der NBA winkt. „Ich würde mich wundern, wenn er es nicht täte“, sagt Lwowsky, der regelmäßig mit Wagner in Kontakt ist. „Wenn sich diese Tür öffnet, wird er da durchgehen.“

„Er ist ein Spieler, der gut ins Spotlight passt“

Am Donnerstag, wenn Michigan in der nächsten Runde auf Oregon trifft, kann Wagner weiter Eigenwerbung machen. Es werden aber auch deutlich mehr Augen auf ihn gerichtet sein als zuvor. Bislang scheint es Wagner eher zu beflügeln, auf der ganz großen Bühne aufzutreten. „Er ist ein Spieler, der gut ins Spotlight passt“, sagt Lwowsky. „Das ist Teil seiner Persönlichkeit.“ Und noch so eine Eigenschaft, die NBA-Scouts lieben.

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