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  • 11.02.2015
  • von Peter Könnicke

Anwalt aus Potsdam beim WM-Finale: Einmal Rio und zurück

von Peter Könnicke

Weltreisender in Sachen Fußball: Thorsten Purps aus Potsdam. Foto: Verlag WeltTrends

Der Potsdamer Anwalt Thorsten Purps bezeichnet sich selbst als verrückten Fußballfan. Vergangenen Sommer erlebte er 72 Stunden für die Ewigkeit, als er zum WM-Finale nach Rio flog. Jetzt hat er diese Erlebnisse in einem Buch veröffentlicht.

Potsdam/Rio de Janeiro - Das kleine Buch mit seinen gerade mal 63 Seiten ist genauso schnell gelesen, wie die Geschichte passiert ist, von der erzählt wird. In 72 Stunden hat Thorsten Purps die halbe Welt umkurvt – einmal Rio und zurück. „Rio Calling. 72 Stunden für die Ewigkeit“ hat der Potsdamer Anwalt über den Bericht seiner Reise geschrieben, die ihn im vergangenen Sommer einen Tag vor dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Argentinien von der Potsdamer Hegelallee ins Maracanã-Stadion führte und am Tag danach zurück in seine Kanzlei am Nauener Tor. So verrückt diese Reiseroute klingt, so verrückt ist die ganze Aktion. Fußballverrückt eben, wie wohl jemand wie Purps sein muss, der schon als Kind davon träumte, dass Deutschland in Südamerika einmal Weltmeister wird.

Vom 12. Juli ab 11.32 Uhr bis 15. Juli 10.45 Uhr speichert Purps seine Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen auf seinem Diktiergerät und mit der Kamera seines Smartphones. In der Rückblende sind 72 Stunden dokumentiert: Vom Einstieg in ein Potsdamer Taxi, dessen Fahrer „Tüte“ heißt, die Flughäfen in Tegel, Amsterdam und Paris, die Bitte eines angetrunkenen brasilianischen Pärchens an einem Imbissstand, doch unbedingt Argentinien zu besiegen, von der versuchten Hotel-Abzocke in Rio, vom Zittern nach Mario Götzes Siegtreffer in der 113. Minute des WM-Finals, den Tränen eines argentinischen Fans auf dem unteren Tribünenrang des Maracanã bis hin zum Besuch der Siegesfeier am Brandenburger Tor, mit der Purps seine Reise beschließt.

Reise durch die Seele eines Fußballfans

Es ist kein Reisebericht im klassischen Sinne mit ausgiebigen Beschreibungen von Land und Leuten. Kann es bei der Kürze der Zeit auch gar nicht sein. Der Trip nach Rio ist vielmehr eine Reise durch die Seele eines Fußballfans, ein Bewegen zwischen Anspannung und Erwartungen, eine Safari, die an einem Traumziel oder vor einer großen Leere enden kann. Tegel, Amsterdam, Paris und Rio sind lediglich geografische Etappen. Begegnungen mit Fußballfans aus der ganzen Welt, vor allem aber aus Argentinien und Brasilien, sind emotionale Stationen von Purps’ Reise, deren Begleiter Irrsinn und Euphorie sind.

Es war ein eher spontaner Entschluss, sich nach dem Halbfinal-Aus der Gastgeber aus dem brasilianischen Karten-Kontingent über einen Mittelsmann in Rio aus halblegalem Handel ein Finalticket zu organisieren und einen der letzten verfügbaren Flüge zu buchen. „Vor dieser WM hatte ich nicht das Gefühl, dass es klappt und eher befürchtet, dass wir im Viertelfinale gegen Frankreich rausfliegen“, gesteht Purps. Tatsächlich aber war die Idee über Jahre gereift – und genährt durch bereits zwei zuvor erlebte WM-Endspiele. Schon 1994 war Purps in den USA dabei, als Brasilien gegen Italien gewann. Und 2002 erlebte er in Yokohama, als Deutschland gegen Brasilien verlor. Als im vergangenen Sommer Deutschland ins Finale zog, hatte Purps das Verlangen, sich selbst etwas Besonderes zu hinterlassen: Der ganz persönliche Moment als Fan, der mit neun Jahren durch die WM in Mexiko erstmals und lebenslang vom Fußballvirus infiziert wurde, den deutschen Titelgewinn in Brasilien zu erleben, musste festgehalten werden. „Es heute mit meinen eigenen Worten nachlesen zu können, ist ein unglaublich schönes Gefühl“, sagt der 53-jährige Potsdamer. Dabei ist es im Nachhinein gar nicht so sehr der Gewinn der Weltmeisterschaft, was so einzigartig sei. „Ich hab nichts dagegen, dass Deutschland den Titel verteidigt. Ich fliege gern zum Finale nach Moskau“, sagt Purps und sieht sich zur Wiederholungstat bereit. Es seien hingegen die Ereignisse und Erlebnisse mit den Menschen, die einmalig bleiben. „Die außergewöhnliche Fairness und der Respekt der argentinischen Fans haben mich mehr beeindruckt als das Großereignis selbst“, sagt Purps. 

Thorsten Purps: „Rio Calling. 72 Stunden für die Ewigkeit“. Erschienen im Verlag WeltTrends

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