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  • 07.06.2018
  • von Tobias Gutsche

Potsdamer Rudersport: Boot mit therapeutischer Wirkung

von Tobias Gutsche

Wettkampf-Jungfernfahrt. Beim Saisonstart in Frankfurt war der Havelqueen-Achter noch mit altem Boot unterwegs. Nun hat das Potsdam-Berlin-Team ein neues Gefährt. Foto: Verein

Der Havelqueen-Achter ist beim Renntag der Ruder-Bundesliga in Werder Lokalmatador. Die Crew aus Potsdam sowie Berlin tritt mit einem neuen Boliden an. Mit dem Projekt Havelqueen wurde die Liebe zum Rudern bei vielen Teammitgliedern neu entfacht.

Ende Mai kam sie geliefert. Rund 17 Meter lang, nur etwas mehr als einen halben Meter breit, 96 Kilogramm schwer und auf höchstem technischen Stand. Die „Havelqueen 2“. Das Boot löst den bereits vier Jahre alten Vorgänger ab, mit dem der Frauen-Achter des RC Potsdam und RC Tegel durch die Ruder-Bundesliga düste. Die ersten Trainingsfahrten sind absolviert. „Wir müssen noch einiges einstellen. Aber grundsätzlich fühlt es sich gut an“, sagt Crew-Mitglied Mandy Reppner. Die Wettkampf-Jungfernfahrt findet am Samstag statt. Auf heimischem Gewässer. Werder ist Austragungsort des zweiten Bundesliga-Renntages der Saison 2018

Spaßige Herausforderung nach dem Leistungssportstress

Für die Mitglieder des Havelqueen-Achters – das Verhältnis zwischen Potsdamer und Berliner Ruderinnen ist ungefähr pari – wird es ein besonderes Erlebnis. „Viele von uns sind auf der Werderaner Regattastrecke groß geworden. Da fing alles mit dem Wettkampfsport an“, sinniert Mandy Reppner. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Havelqueens. Seit 2014 stecken die Königinnen im Bundesliga-Geschehen, wurden auf Anhieb Gesamtdritte. Nach zwei dürftigen Jahren mit Rang acht und neun des Endklassements, holten sie vorige Saison die Vizemeisterschaft. Dieser Erfolg brachte ihnen den Berliner Amateursportpreis ein. 

Triumphe sind für die Aktiven, die über die Jahre zum Team zählten, nichts Neues. Auf Teilnahmen und Medaillengewinne bei Olympia und Weltmeisterschaften oder Podestplätze bei internationalen Nachwuchs-Championaten können sie verweisen. Vom aktuellen Kader ist Mandy Reppner die am schillerndsten dekorierte Athletin – als damals Potsdamer Sportschülerin wurde sie von 2004 bis 2006 dreimal in Folge Junioren-Weltmeisterin mit dem deutschen Doppelvierer. „Wenn wir jetzt in der Bundesliga antreten, dann sind wir immer noch ehrgeizig, wollen das Maximale rausholen“, erklärt die 30-Jährige. „Doch etwas Anderes ist uns deutlich wichtiger.“ Der Spaß am Rudern. Vielen sei der im Hochleistungsbereich verloren gegangen. Immerzu Training, diese Qualen, dazu der enorme Druck und die wenige Freizeit. Daher bezeichnet Mandy Reppner den Havelqueen-Achter als „Therapieboot“. Über das Projekt werde wieder die einst so große Ruderliebe neu entfacht. 

„Knallhartes Durchpowern - Vollgas von Anfang bis Ende“

Der entscheidende Funke springt dank der 2009 eingeführten Bundesliga über. Sie soll all diejenigen auffangen, die aus dem intensiven Sportbetrieb ausscheiden. Weil sie eben keine Lust mehr darauf hatten oder wegen Studium, Beruf und Familie kürzertreten müssen, aber irgendwie doch ganz gerne weiter Teil der Szene bleiben möchten. „Wir sind ein eingeschworener Haufen“, betont Mandy Reppner. Die Havelqueens treffen sich bis zu viermal wöchentlich in Spandau oder Tegel zum Rudertraining, machen gemeinsam Läufe und Fitnessevents mit, um sich in Form zu bringen. Für die fünf Liga-Renntage. „Diese Events haben einen riesigen Reiz“, meint die Potsdamerin. Die neun Frauenteams beziehungsweise 18 Männermannschaften treten dabei über fünf Runden in Duellen an. Gefahren werden nicht die olympischen 2000 Meter, sondern nur 350 Meter. „Das bedeutet knallhartes Durchpowern. Vollgas von Anfang bis Ende.“ Eine außergewöhnliche Attraktion für Zuschauer am Ufer.

Wie morgen in Werder. Nach ihrem zweiten Platz zum Saisonauftakt in Frankfurt am Main liebäugeln die Lokalmatadorinnen mit einer erneuten Top-Platzierung. Am heutigen Freitag verschiffen sie ihre neues Wassergefährt auf die Regattastrecke Föhse und werden es dort nochmal testen. Für 4000 Euro pro Jahr ist das moderne Vehikel geleast. Finanziert werden die Kosten über Sponsoren und einen Eigenanteil der Sportlerinnen. Das soll sich auszahlen. „Wir erhoffen uns von dem neuen Boot nochmal einen Leistungssprung. Unser perspektivisches Ziel ist es, Meister zu werden“, sagt Mandy Reppner, deren Crew morgen um 10 Uhr die Liga-Regatta mit dem Zeitfahren gegen den Achter des RV Waltrop eröffnen wird. Quasi als Duell zwischen „Havelqueen 2“ und „Havelqueen 1“. An Kontrahent Waltrop wurde nämlich das bisherige Boot abgegeben.

Zeitplan für die Ruder-Bundesliga am Samstag in Werder: 10 Uhr Zeitfahren, 12 Uhr Achtelfinals, 12.45 Uhr Viertelfinals, 15 Uhr Halbfinals, 17 Uhr Finals.

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