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SV Babelsberg 03

  • 14.02.2018
  • von Peter Könnicke

Annäherung zwischen NOFV und SVB: Das Verfahren ruht vorerst

von Peter Könnicke

Unterstützung von überall. In zahlreichen Fußballstadien gab es am vergangenen Wochenende Solidarität für den SVB. Auch Borussia Dortmund stärkt die 03-Kampagne. Foto: Verein

Der Nordostdeutsche Fußballverband und SV Babelsberg 03 haben eine Gesprächstermin vereinbart, bei dem eine Lösung nach monatelangem Streit gefunden werden soll. Der Kiezklub möchte mit der Resonanz auf seine Haltung sowie der Unterstützung durch andere Vereine und Initiativen verantwortungsvoll und nachhaltig umgehen.

Nach monatelangem Streit um das so genannte Skandalurteil bewegen sich der SV Babelsberg 03 (SVB) und der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) erstmals aufeinander zu. In einer gemeinsamen Pressemitteilung vom gestrigen Dienstag informieren beide Seiten, dass sie sich auf einem Gesprächstermin Anfang März verständigt haben. Bis dahin wollen Verein und Verband sich auf eine „lösungsorientierte Gesprächsführung“ vorbereiten. Weitere Erklärungen bezüglich des geplanten Treffens wollten beide Parteien nicht abgeben. Zudem hat das NOFV-Präsidium beschlossen, das sportgerichtliche Verfahren gegen den SVB bis zu dem Treffen vorerst ruhen zu lassen. Damit ruht auch die Zahlungsaufforderung gegen den Verein.

Der NOFV hatte einen Antrag beim eigenen Verbandsgericht auf ein Verfahren gegen den Regionalligisten gestellt. Das Abbrennen von Pyrotechnik und „Nazischweine“-Rufe der Babelsberger Fans beim Spiel gegen Energie Cottbus im April vorigen Jahres waren Gegenstand der Auseinandersetzung. Der SVB akzeptiert das Urteil wegen des Abrennens von Pyrotechnik. Er wendet sich aber dagegen, dass es in der Urteilsbegründung des NOFV eine Gleichsetzung zwischen den Naziparolen der Cottbuser Fans und der Abwehr darauf durch die eigenen Anhänger gegeben hat. In einem Pressegespräch in der Vorwoche hatte der NOFV es einen „stilistischen Fehler“ gegen Babelsberg genannt, dass der Ruf „Nazischweine raus“ in der Urteilsbegründung steht.

Kleinere Vereine beim Kampf gegen Rechts unterstützen

Währenddessen hat der Viertligist an den vergangenen Tagen in zahlreichen Fußballstadien Solidaritätsbekundungen für seine Initiative „Nazis raus aus den Stadien“ erfahren. In der deutschen Bundesliga entrollten Fans des FC Bayern München und von Borussia Dortmund ein Banner, ebenso beim Zweitligisten FC St. Pauli - und unter anderem auch beim schottischen Serienmeister Celtic Glasgow. Am Montag postete Bundesligist Borussia Dortmund auf seiner offiziellen Facebook-Seite eine Grafik mit den Logos beider Vereine und dem SVB-Kampagnen-Slogan „Nazis raus aus den Stadien“. Zudem schreibt der BVB: „Borussia Dortmund unterstützt den SV Babelsberg 03 bei seiner Kampagne #gegenrechtehetze“. Ein kurzfristiges Benefizspiel sei aufgrund terminlicher Verpflichtungen leider nicht möglich, heißt es weiter. Doch haben sich BVB-Geschäftsführer Joachim Watzke und SVB-Präsident Archibald Horlitz für ein Telefonat verabredet. Bereits Ende vergangener Woche hatte sich die Vereinsführung des SV Werder Bremen mit dem Babelsberger Kampf gegen Rechts solidarisch erklärt.

„Das ist ein Vorgang ohne historisches Vorbild“, würdigt Horlitz den bundesweiten, ligaübergreifenden Rückhalt von Vereinen und Fans. Dass die Babelsberger Kampagne sogar in der internationalen Presse ihr Echo findet – die New York Times und Washington Post sowie Zeitungen in Israel und Neuseeland berichteten –, findet Horlitz beeindruckend. Umso mehr betont er, dass sein Verein mit der Resonanz, der Aufmerksamkeit und Unterstützung nun verantwortungsvoll und nachhaltig umgehen werde. Allein die in den vergangenen Tagen erzielte Reichweite in den sozialen Netzwerken ist für Horlitz ein riesiges Potenzial: „Wenn wir diese nur zum Teil für unsere zukünftigen Aktionen gegen Rechts beziehungsweise ’Nazis raus’ nutzen können, ist das gigantisch“, so der SVB-Präsident. Mit finanziellen Erlösen seiner gestarteten Kampagne will der SVB künftig unter anderem kleinere Vereine im Kampf gegen rechtsextreme Anfeindungen unterstützen.

Lob für "bemerkenswertes Verhalten" und "Behharrlichkeit"

Initiativen und plakative Kampagnen gegen Rechts hat es im deutschen Fußball schon viele gegeben. Der Deutsche Fußball-Bund demonstriert immer wieder Aktionen. „Zeig Rassismus die Rote Karte“ postulierte er etwa 2011. „Wir sind Vielfalt“ verkündete er in einer Videobotschaft im Mai 2016 nach dem rassistischen Angriff von Brandenburgs AfD-Chef Alexander Gauland auf Nationalspieler Jerome Boateng. „Vor allem aber müssen die Vereine aktiv werden und Netzwerke schaffen“, sagt Eberhard Schulz, Gründer und Sprecher von „Nie wieder!“, der bundesweit agierenden Initiative „Erinnerungstag im deutschen Fußball“. Das Bündnis aus Einzelpersonen, Fangruppen und Fanprojekten, Vereinen, Verbänden und Institutionen aus dem Fußball setzt seit 14 Jahren mit regelmäßigen Aktionen deutliche Zeichen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus – unter anderem an Fußball-Spieltagen Ende Januar – am 27. Januar wurde das KZ Auschwitz befreit.

Eberhard Schulz hat in den vergangenen Wochen das Babelsberger Engagement verfolgt und kann sich gut vorstellen, mit Vertretern des SVB auf einem der nächsten Treffen der Initiative gemeinsame Ideen auszuloten. Die Argumentation des NOFV bezüglich der „Nazi-raus“-Rufe nennt Schulz ein „bemerkenswertes Verhalten“. Es sei fraglich, ob sich der NOFV der damit gesandten Signale bewusst sei, in einer Zeit, „in der man wachsam und mutig sein muss“. Klaus Schultz, Diakon der evangelischen Versöhnungskirche im KZ Dachau und Mitglied der „Nie wieder!“-Initiative, lobt daher die „Beharrlichkeit, mit der sich der SVB gewehrt hat“.

+++ Nachholspiel gegen Lok wieder abgesagt +++

Das für den heutigen Mittwoch angesetzte Nachholspiel zwischen dem SV Babelsberg 03 und Lok Leipzig in der Fußball-Regionalliga ist erneut abgesagt worden. Aufgrund der Platzverhältnisse wegen des Frostes ist kein Spiel möglich. Das nächste reguläre Meisterschaftsspiel ist für den kommenden Samstag gegen den FSV 63 Luckenwalde im Karl-Liebknecht-Stadion terminiert. 

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