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  • 02.02.2018
  • von Tobias Gutsche

AC Potsdam: Besuch eines Giganten

von Tobias Gutsche

Mit aller Kraft. Das ACP-Team um Maximilian Leuschner möchte gegen Chemnitz Grund zum Jubeln haben. Ein Sieg ist zwar nicht zu erwarten, dafür eine gute Punktzahl. Foto: T. Gutsche

Die Gewichtheber des AC Potsdam empfangen den Chemnitzer AC zum Bundesligaduell und erleben damit einen ganz großen Moment ihrer Vereinsgeschichte. Gegen den deutschen Top-Verein wollen die Potsdamer auf Rekordjagd gehen.

Gewichtheber haben an sich schon das Format von Giganten. Sie bringen mit ihrer enormen Muskelkraft und raffinierten Technik Lasten zur Hochstrecke, für deren Bewältigung abseits des Kraftsports eher der Gabelstapler zum Einsatz kommt. Und aus dieser kolossalen Szene ragt in Deutschland nochmal ein Verein als besonders stark hervor: der Chemnitzer AC – nächster Heimkampfgegner des AC Potsdam am morgigen Samstagabend (Beginn: 18 Uhr/Haeckelstraße 74).

"Eine Ehre" für den Potsdamer Verein

Es ist ein Duell, auf das die Brandenburger schon lange hingefiebert haben. „So einen Club bei uns zu Gast zu haben, kann man getrost als Ehre bezeichnen“, meint Andreas Anker. Der Vorsitzende und Trainer des ACP ordnet ein: „Das wird einer der größten Momente in unserer Vereinsgeschichte.“ Diese listet unter anderem den Erstliga-Aufstieg 2016. Während ihrer Debütsaison traten die Potsdamer bereits einmal in Chemnitz an, beim erfolgreichsten Verein der deutschen Gewichtheben-Mannschaftsmeisterschaft nach der Wiedervereinigung. Sechs Titel sowie je fünfmal Silber und Bronze wuchteten die Sachsen in ihre Trophäenvitrine. Den Vergleich im vergangenen Wettkampfjahr mit dem Neuling von der Havel gestalteten sie dann auch entsprechend überlegen, gewannen deutlich mit mehr als 300 Punkten Differenz. Dennoch kehrte der AC Potsdam berauscht zurück. „Dort auf die Bühne treten zu dürfen“, sagt Anker, „war ein wunderbares Erlebnis.“

Noch intensiver sei es jedoch nun, wenn daheim die Hanteln geschwungen werden. Zuhause – das sind seit Sommer die neuen Räumlichkeiten an der Haeckelstraße. Vorher waren die Potsdamer Schwerathleten von 1971 bis 2017 in ihrem „Bunker“, wie sie es liebevoll nennen, aktiv. Der rustikal-charmante Keller des Brauhausberg-Bades bot ihnen ein sportliches Domizil, bis die altehrwürdige Halle geschlossen wurde. Danach folgte der Umzug in ein einst vom Rückenwind e.V. als Sozialkaufhaus und Fahrradwerkstatt genutztes Gebäude in Potsdam-West. „Wir haben uns hier sehr gut eingelebt. Es ist alles größer, offener, freundlicher“, erklärt Andreas Anker. „Wir sind zufrieden. Aber es wird ja nur eine Übergangslösung sein.“ Der AC Potsdam soll perspektivisch von einem großen Investitionsprojekt der Stadt profitieren. Geplant ist ein Sportforum Schlaatz für über sechs Millionen Euro, in dem unter anderem die Judoka des SV Motor Babelsberg, die Ringer des RC Germania Potsdam und eben die ACP-Heber Trainings- und Wettkampfstätten erhalten sollen. „Das wird ein Meilenstein für uns als Verein, ein Sprung in die Moderne“, sagt Andreas Anker. Solange aber werde man die Zeit im Zwischenstadium genießen.

ACP auf Kurs Richtung Klassenerhalt

Etwa morgen, wenn gegen den Chemnitzer AC viel Zuschauerresonanz – bei stets freiem Eintritt – erhofft wird. Einen ersten Eindruck, wie stimmungsvoll ein Ligakampf in der Haeckelstraße sein kann, gab es Mitte Oktober. Die Premiere dort endete in frenetischem Jubel, denn die Gastgeber bezwangen den AC Meißen und verbesserten gleichsam ihren eigenen Punkterekord auf 574,4. Zwar ist Potsdam nach den bislang drei von sieben Hauptrundenkampftagen das einzige Team der B-Staffel, das diese Saison noch nicht die 600er-Marke geknackt hat, steht in der Tabelle trotzdem gut da: Rang fünf mit 6:3 Zählern, dahinter drei punktlose Kontrahenten. „Bei unseren Siegen gegen Meißen und auswärts gegen Plauen hatten wir jeweils den glücklicheren Tag erwischt“, sagt der Coach. Weil am Ende bloß der Gruppenletzte absteigen muss, weiß er: „Wir sind auf einem richtig guten Weg, den Klassenerhalt zu schaffen.“

Auch für den morgigen Auftritt ist Andreas Anker optimistisch gestimmt. Die Sportler seien in Form, weshalb ein Angriff gewagt wird: „Wir wollen an der 600 kratzen.“ Damit wird der Chemnitzer AC aber wohl kaum in Verlegenheit zu bringen sein. Diese Saison steht der Top-Wert des Teams von WM-Teilnehmer Max Lang bei 757,0. „Das ist eine andere Güteklasse“, urteilt Anker. „Uns geht es darum, uns von der besten Seite zu präsentieren.“ Gegen einen Club, der zwar seit drei Jahren auf einen nationalen Team-Titel wartet, dafür jedoch weiterhin den deutschen Rekord innehat. 1997 erreichte Chemnitz satte 1132,2 Punkte. Fast das Doppelte von Potsdams Bestmarke. Schlichtweg gigantisch.

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