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  • 17.01.2018
  • von Tobias Gutsche

Potsdamer Stabhochsprung-Meeting 2018: Mitreißende Leidenschaft

von Tobias Gutsche

Emotionaler Moment. Als Piotr Lisek vergangenes Jahr die magische Stabhochsprung-Marke von sechs Metern im Potsdamer Stern-Center knackte, konnte es der Pole nicht so recht glauben, was ihm da Außergewöhnliches gelungen war. Auch am Samstag soll Lisek wieder zwischen den Shoppinggästen springen. Foto: Gerhard Pohl

Bei der 19. Auflage des Stabhochsprung-Meetings im Stern-Center sind ein Rekord-Mann, Lokalmatadorinnen und ein neuer Potsdamer Bundestrainer zu erleben. Für den veranstaltenden Verein SC Potsdam hat das Event großen Wert.

Ein Einkaufszentrum ist nicht gerade für sportliche Höchstleistungen prädestiniert. Es sei denn, man glaubt, von Laden zu Laden laufen, Geldscheine über den Tresen schieben und Tüten schleppen ist Sport. Im vergangenen Februar, am vierten Tag jenes Monats war es, als aber tatsächlich eine zwischen Shoppenden gezeigte Leichtathletik-Leistung auf der ganzen Welt Beachtung fand: Der Pole Piotr Lisek meisterte beim Stabhochsprung-Meeting im Potsdamer Stern-Center 6,00 Meter – Veranstaltungsrekord, Hallen-Landesrekord und weltweit erst der 21. Mensch, der über diese magische Marke kam.

Für die vom morgigen Donnerstag bis Samstag stattfindende 19. Auflage des Meetings konnte der SC Potsdam als Veranstalter wieder den amtierenden Vizeweltmeister für eine Teilnahme gewinnen. „Es ist super, so einen Top-Mann dabei zu haben“, sagt SCP-Geschäftsführer Peter Rieger. Neben Favorit Lisek springen laut aktuellster Starterliste zehn weitere Männer mit – einige von ihnen haben auch schon Medaillen bei internationalen Championaten geholt.

„Schöne Werbung für uns und die Leichtathletik“

In der Damenkonkurrenz sind zwölf Teilnehmerinnen angekündigt. Und hierbei wird es auch Lokalkolorit durch zwei in Potsdam trainierende Athletinnen geben: die Universiade-Sechste Anjuli Knäsche, die für ihren Heimatverein SG TSV Kronshagen/Kieler TB antritt, und Friedelinde Petershofen. „Ich liebe diesen Wettkampf. Wir haben laute Musik, Publikum, das ganz nah dran ist – das pusht“, meint die Frau des SC Potsdam, hinter der ein überwältigendes Jahr 2017 liegt. Dank einer enormen Leistungssteigerung auf 4,55 Meter qualifizierte sich Friedelinde Petershofen erstmals für die Elite-Weltmeisterschaft in London. Mit diesem Höhenflug sei sie „meiner Wolke sieben schon ziemlich nahe gekommen“, sagt die 22-Jährige. Für die Saison 2018, in der sie bereits ihre Hallen-Top-Marke auf 4,40 Meter hochschraubte, lauten die Ziele: „Stabil um die 4,50 Meter springen, vielleicht die Freiluft-Bestleistung etwas steigern – und ich möchte unglaublich gerne zur Heim-Europameisterschaft in Berlin.“ Auf dem Weg dahin sei das Meeting im Stern-Center wertvoll.

Und erst recht ist das Event von großer Bedeutung für den SC Potsdam, wie Stabhochsprungtrainer Stefan Ritter betont. „Das ist schöne Werbung für uns und die Leichtathletik“, sagt er. Einen Zuschauerschwund bei „normalen“ Wettkämpfen macht Ritter aus. Deshalb sieht er gerade in einem solch besonderen Format, das der SCP mit seiner mobilen Anlage auch im ostwestfälischen Bad Oeynhausen durchführt, eine große Chance: „Leute, die eigentlich nur zum Einkaufen kommen, bleiben bei uns hängen, erleben die Faszination des Sports aus der Nähe. Damit machen wir uns interessant.“ Zum Auftakt der dreitägigen Veranstaltung wird daher sogar ein Schnupperkurs angeboten, bei dem sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter Anleitung ausprobieren dürfen. „Wir merken, dass die gesamte Veranstaltung wirkt. Der eine oder andere, der dort war, kommt dann auch mal zum Vereinstraining unserer Leichtathleten vorbei“, berichtet Stefan Ritter.

In Ritters Leben dreht sich fast alles um Stabhochsprung

Einst ging er selbst als junger Sportler beim Stern-Center-Meeting auf Höhenjagd. Beim diesjährigen wird der 33-Jährige nun zum ersten Mal in seiner neuen hohen Funktion das Treiben auf der Anlage begutachten: Seit Ende 2017 ist er Frauen-Bundestrainer für Stabhochsprung. Neben seiner täglichen Arbeit mit Petershofen, Knäsche & Co. am Luftschiffhafen hat Ritter somit Verantwortung für eine gesamtdeutsche Entwicklung. „Ich versuche, meine Vorstellung von Stabhochsprung vor allem in den Nachwuchsbereich einfließen zu lassen. Mir geht es dabei im Austausch mit den Trainern und Athleten um eine offene Diskussion. Ich möchte mit ihnen nach Optimierungen suchen“, sagt Stefan Ritter.

Ein Mann, in dessen Leben sich fast alles um den Stabhochsprung dreht. Als Ex-Aktiver, als Trainer, als „Fan“, wie er selber sagt. Und ebenso als Akademiker. In seinem Sportstudium machte er seine Leidenschaft zum Thema. Ritters Bachelorarbeit ging der Frage nach, ob Stabhochsprung auch für Schulsport geeignet ist. Antwort: „Leider nein, weil die Rahmenbedingungen es meistens nicht hergeben.“ In der Masterarbeit fragte er wiederum: Haben die Anlaufgeschwindigkeiten beim Stabhochsprung direkten Einfluss auf die Sprunghöhe? Antwort diesmal: „Ja, es ist belegbar.“ Um Sphären wie Piotr Lisek zu erreichen, ist entsprechend enorm viel Tempo nötig. Im Stern-Center kann sich wieder davon überzeugt werden.

ZEITPLAN

Donnerstag
14.00 Uhr: Schnupperstunde für Interessierte
16.30 Uhr: Pokalspringen der Altersklassen U14 und U16

Freitag
11.00 Uhr: Springen der Junioren
14.30 Uhr: Springen der Juniorinnen
17.45 Uhr: Springen der Frauen

Samstag
13.00 Uhr: Cup der weiblichen und männlichen Jugend
17.45 Uhr: Springen der Männer 

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