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  • 18.04.2017
  • von Tobias Gutsche

HV Grün-Weiß Werder: Starker Auftritt beim „Nordderby“

von Tobias Gutsche

Grün-Weißer Werderaner. Das Team von Robin Huntz wurde vom NDR mit Werder Bremen verwechselt. Im Spiel gegen Hamburg boten die Gäste aus Brandenburg gut Paroli – und Huntz stach mit elf Toren heraus. Foto: Sylvia Göres

Gegen den früheren Champions-League-Sieger HSV Hamburg muss sich der Handball-Drittligist HV Grün-Weiß Werder auswärts nur knapp geschlagen geben. Im Vorfeld der Partie sorgte ein TV-Patzer für reichlich Erheiterung bei den Blütenstädtern.

Wenn im Fußball der Hamburger SV auf den SV Werder Bremen trifft, dann elektrisiert das Norddeutschland. So wieder am vergangenen Sonntag – beide Teams duellierten sich zum 106. Mal auf Bundesligaebene, die Partie endete mit einem 2:1-Sieg der Bremer. Beim NDR-Fernsehen machte man derweil auch eine andere tolle Entdeckung für das Wochenende, als auf den Spielplan der 3. Handball-Liga Nord geblickt und dort ebenfalls die Paarung Hamburg gegen Werder gesehen wurde. Prompt gab es einen kurzen Vorbericht für das als „Nordderby“ proklamierte Match.

Blöderweise war der Gegner des HSV Hamburg allerdings nicht wie angenommen Bremen, sondern ein Verein der Stadt Werder (Havel), jenem idyllischen Ort vor den Toren Potsdams, also ziemlich weit im Osten der Republik. Bei genau diesem HV Grün-Weiß Werder – dessen Clubfarben sind heimtückisch die gleichen wie die des SV aus Bremen – sorgte der TV-Patzer für reichlich Erheiterung. „Wir mussten einfach nur lachen“, sagt Kapitän Florian Schugardt, dessen Mannschaft auch nach dem Samstagsspiel weiterhin gut gelaunt war. Trotz Niederlage.

Werderaner zeigen wieder Moral und Willen

Die fiel schließlich nur knapp aus. Mit 25:28 (14:19) unterlag der Tabellenvorletzte, dessen direkter Wiederabstieg bereits besiegelt ist, gegen den Drittplatzierten. „Wir sind nicht gut gestartet und lagen dadurch schon relativ weit hinten“, erklärt er. Der Rückstand betrug zwischenzeitlich sieben Tore. „Hamburg hat dann viel durchgewechselt. Das haben wir als Chance ergriffen.“ Die für ihre große Moral und ihren unbändigen Willen mittlerweile durchaus über die regionalen Handballgrenzen hinaus bekannten Blütenstädter kämpften sich Treffer für Treffer heran. Siebeneinhalb Minuten vor dem Ende verkürzte Rückraumakteur Robin Huntz – er glänzte mit elf Toren – auf 24:25. Der in dieser Saison zu Hause noch ungeschlagene HSV behielt letztlich aber die Nerven und damit seine weiße Weste auf heimischer Platte.

Rund 2400 Zuschauer hatten das Duell in der Sporthalle Hamburg verfolgt. Der Schnitt des Liga-Publikumskrösus liegt sogar bei 3273. Nach oben getrieben wurde diese Marke durch die Partie gegen den DHK Flensborg am zweiten Weihnachtsfeiertag. Für diese wurde in die frühere Heimat des Champions-League-Siegers von 2013, die Barclaycard-Arena, zurückgekehrt. Mit einem Ziel: Besucherweltrekord für ein Drittliga-Handballspiel. Dank 8555 Fans auf den Rängen gelang das. „Man merkt“, sagt Florian Schugardt, „dass dieser Verein eine Größe ist.“ Voriges Jahr beantragte der Club allerdings die Insolvenz und findet sich deshalb nun in der dritten statt ersten Liga wieder.

Nicht die erste Verwechslung mit Werder Bremen

Für die Handballer aus Werder kam es so zu zwei Highlights. Nachdem sie schon beim 19:23 im Hinspiel stark aufgetreten waren, boten sie auch im Rückmatch ordentlich Paroli. „Das waren wunderbare Erlebnisse. Vor allem jetzt in Hamburg. Die Halle war voll, die Atmosphäre super. Es freut mich besonders für unsere jungen Spieler, dass sie so eine Erfahrung machen konnten“, findet der Team-Leader. Überhaupt sei die erste Drittligasaison – trotzdem am Ende der Abstieg zu Buche steht – ein schönes Stück Vereinsgeschichte. Unter anderem auch dank des Fernseh-Fauxpas vor dem „Nordderby“.

Die Verwechslung des HV Grün-Weiß Werder mit dem SV Werder Bremen hat der NDR aber nicht exklusiv, wie Schugardt berichtet: „Es gab auch andere Vereine, die dachten, wir wären Bremer, und verkündeten das teilweise offiziell so.“ Woraufhin die Grün-Weißen charmant reagierten. Bei einigen Auswärtsspielen überreichten sie dem Kontrahenten einen Präsentkorb, um zu verdeutlichen, wo sie tatsächlich herkommen. Es befanden sich darin Werderaner Spezialitäten – wie Ketchup und Obstwein. Und eben kein Fisch sowie kein Beck’s-Bier. 

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