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SV Babelsberg 03

  • 17.03.2017
  • von Peter Könnicke und Henri Kramer

SV Babelsberg 03 gegen TSG Neustrelitz: Passspiel außerhalb des Platzes

von Peter Könnicke und Henri Kramer

Auflauf-Modell. Für die vorgeschlagene Lösung, den SV Babelsberg 03 schuldenfrei zu machen, zeichnet sich durchaus Zustimmung ab. Aber noch gibt es offene Fragen. Foto: Sebastian Wells

Während im Liga-Alltag heute die TSG Neustrelitz beim SV Babelsberg 03 gastiert, wird in der Stadtpolitik über die Zukunft des Kiezklubs diskutiert. Die mögliche kommunale Hilfe beim SVB-Entschuldungsvorhaben wäre unter anderem hinsichtlich des Stadionbetriebs lohnend.

Potsdam - Wie schnell ehrgeizige Ambitionen in der Fußball-Regionalliga zu einem Bumerang werden können, wenn sie sich nicht erfüllen, spürt der heutige Gegner des SV Babelsberg 03 dieser Tage schmerzlich. Vor zwei Saisons spielte die TSG Neustrelitz um den Aufstieg in die dritte Liga, scheiterte in der Relegation gegen den FSV Mainz 05 II mit zwei Niederlagen. Was folgte, war ein personeller Aderlass und der Absturz in den Keller der Nordoststaffel. Als Tabellenletzter mit fünf mageren Punkten gastiert Neustrelitz heute unter Flutlicht im Karl-Liebknecht-Stadion (Beginn: 19 Uhr).

Beim SVB wurde aus der Vergangenheit gelernt, dass es schnell ums Überleben gehen kann, wenn das Augenmaß verloren geht. Sanierung und Konsolidierung heißen seit drei Jahren die Schlagworte des amtierenden Vereinsvorstandes. Und solange dies nicht geschafft ist, wird es am Babelsberger Park nicht mehr geben als Fußball in der vierten Liga. An den Altlasten, als der SVB nur auf Pump höherklassig spielte, trägt der Verein noch immer. Doch ist die Chance zum Befreiungsschlag nunmehr da. 

Kommunale Stadionbewirtschaftung wäre nahezu doppelt so teuer

Die Deutsche Kreditbank (DKB) ist bereit, den noch zu tilgenden Kredit von 1,8 Millionen auf eine Million Euro zu reduzieren, wenn die Summe am Stück beglichen wird. Und die Stadtführung um Kämmerer Burkhard Exner (SPD) hat vorgeschlagen, dem SVB bei der endgültigen Entschuldung entgegenzukommen: Der kommunalen Pro Potsdam GmbH könnte das Stadion-Grundstück überschrieben werden, das der Verein aber weiterhin im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages bewirtschaftet. Die Pro Potsdam löst bei der DKB die verbleibende Verbindlichkeit von einer Million Euro ab und der dafür nötige Kredit wird von Stadt und SVB getilgt. Mit dieser Lösung hätte die Stadt mehr Einfluss auf das Stadion als gesicherte Spielstätte für Nulldrei, für dessen Nachwuchs sowie für den Frauenfußball-Bundesligisten Turbine Potsdam. Zudem – nicht unerheblich –könnte eine Grundschuld, die auf dem Grundstück lastet, gelöscht werden. 

„Die Bemühungen um eine Konsolidierung aus den letzten drei Jahren würden mit dieser Umschuldung erst nachhaltig greifen können und dem Verein zusätzliche wirtschaftliche und sportliche Perspektiven eröffnen“, sagt SVB-Vorstandschef Archibald Horlitz. Einem Sanierungsgutachten aus dem vergangenen Jahr zufolge wird dem SVB gegenwärtig eine jährlich mögliche Kapitaldienstleistung von 50000 Euro attestiert. Um seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, hat der Verein in der jüngeren Vergangenheit bereits Modelle entwickelt, deren Umsetzung mit einer Entschuldung möglich werden würde. Zudem würde der SVB auch weiterhin die Bewirtschaftung des Stadions leisten. „Hier bringt sich der Verein sowohl durch professionelle als auch durch ehrenamtliche Arbeit ein und senkt somit aktiv die Bewirtschaftungskosten“, macht Horlitz deutlich. Seitens der Stadt gibt Kämmerer Exner zu, dass eine kommunale Bewirtschaftung des Stadions wesentlich teurer werden würde: Tariflöhne, Sonderzuschläge für Wochenendeinsätze, Instandhaltung- und Sanierungskosten, die derzeit zum Teil als Sachleistungen von Sponsoren erbracht werden, würden die Kosten nahezu verdoppeln. 

Linkspartei: Andere Verteilung der Kredit-Tilgungshöhe gefordert

Übrig bliebe beim Verein bei der angestrebten Konstellation eine Verbindlichkeit von 200.000 Euro gegenüber der Landeshauptstadt Potsdam, mit der sich der SV Babelsberg 03 an jener Transaktion beteiligen würde. 

Seit Bekanntwerden dieses Vorschlages wird in den Fraktionen des Stadtparlamentes intensiv beraten. Für das Paket zeichnet sich durchaus eine Mehrheit ab, auch wenn es noch Zweifel an einzelnen Punkten gibt – speziell die von der Rathausspitze bisher verhandelte Lösung, dass der SVB von dem Millionen-Kredit 200.000 Euro tilgen soll, den Rest aber die Stadt abbezahlt. „Hier sollte nachverhandelt werden, das Verhältnis etwas ausgewogener sein, aber den SVB auch nicht überfordern“, sagte Linke-Kreischef Sascha Krämer. Stadtsprecher Stefan Schulz sagte, tatsächlich könnten die Stadtverordneten noch Änderungen in dem Paket beschließen. Zu den künftigen finanziellen Leistungen des SVBgehört aber auch, dass der Verein für den bis zum Jahr 2042 laufenden Erbbaupachtvertrag einen erhöhten Pachtzins an die Stadt zahlt.

„Nur ein Verein, der weiter am Leben bleibt, kann auch weiter zahlen"

Linke-Fraktionsvize Stefan Wollenberg betonte derweil aber auch, es sei richtig, dass die Stadt mit dieser Lösung die volle Verfügungsgewalt über das Stadion zurückerlange und damit Risiken minimiere. „Dass dabei vor allem auch die DKB auf Forderungen verzichten muss, ist angesichts der Umstände der damaligen Kreditvergabe nur recht und billig.“ Ähnlich sieht es die SPD. Deren Fraktionschef Pete Heuer sagte: „Nur ein Verein, der weiter am Leben bleibt, kann auch weiter zahlen. Wenn nicht, wäre etwa die gesamte Nachwuchsarbeit in Gefahr.“ Die Stadt stehe in der Pflicht, dass mit der Lösung die Pro Potsdam und deren Mieter nicht belastet werden dürften. Offen sei für ihn noch die Frage, ob mit der Lösung das Stadion auch für Turbine und die Nachwuchsmannschaften als Spielstätte gesichert werde. Die Fraktion Die Andere hält „die gefundene Lösung für Stadt und Verein sehr sinnvoll“. Es müsse aber sichergestellt werden, dass die Auskunfts- und Informationsrechte der Stadtverordneten auch bei Übernahme des Stadions durch die kommunale Pro Potsdam erhalten würden. 

Noch nicht ausreichend informiert sieht sich die CDU/ANW. „Für mich ist die Frage völlig offen, ob das derzeitige Betreibermodell richtig ist und ob der SVB überhaupt in der Lage ist, künftig langfristig seinen Verpflichtungen nachzukommen“, sagt Fraktionschef Matthias Finken. Nur ein Lösungsvorschlag sei zu wenig, die verschiedenen Optionen müssten auf den Tisch und vorbehaltlos besprochen werden. Auch bei den Grünen gibt es Bedenken, wie es aus der Fraktion hieß. Prinzipielle Fragen hat auch das Bürgerbündnis. Fraktionschef Wolfhard Kirsch will unter anderem wissen, ob der Stadt mit dem Geschäft nicht zu viele Kaufnebenkosten entstehen – ob es nicht der sinnvollere Weg sei, die DKB das Grundstück eben zwangsvollstrecken zu lassen und es dann erst zu erwerben. Dazu hat Kirsch nun eine Kleine Anfrage an die Stadt gestellt, die Antwort wird in zwei Wochen erwartet.

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