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Turbine Potsdam

  • 13.03.2017
  • von Tobias Gutsche

Turbine Potsdam: Aller Wiederanfang ist schwer

von Tobias Gutsche

Zurück auf dem Platz. Jennifer Cramer (r.) gab gestern gegen Hoffenheim ihr Comeback. Fast 15 Monate lag der bis dato letzte Erstligaeinsatz der Turbine-Kickerin zurück – sie hatte sich mit anhaltenden Sprunggelenksproblemen herumgeplagt. Foto: Jan Kuppert

Turbine Potsdam mühte sich auch im zweiten Pflichtspiel des Jahres 2017. Gegen die TSG 1899 Hoffenheim kam der Herbstmeister der Frauenfußball-Bundesliga zu einem 1:0-Heimerfolg. Für eine Potsdamer Spielerin endete dabei eine lange Leidenszeit.

Unter Volldampf wie vor der Winterpause steht Turbine Potsdam noch nicht. Nach dem holprigen 1:1 zum Jahresauftakt 2017 beim 1. FFC Frankfurt mühte sich der Herbstmeister der Frauenfußball-Bundesliga auch am gestrigen Sonntag im Nachholheimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Knapp mit 1:0 (1:0) gewannen die Potsdamerinnen und übernahmen dadurch wieder die Tabellenführung. Sie haben nunmehr 34 Punkte auf dem Konto – zwei beziehungsweise drei Zähler mehr als die Verfolger VfL Wolfsburg und Bayern München.

Turbine-Cheftrainer Matthias Rudolph macht also momentan mit seinem Team die Erfahrung, dass aller Wiederanfang schwer ist. Mitte Februar war der erste Versuch für das Potsdamer Duell mit Hoffenheim witterungsbedingt abgesagt worden, der Partie in Frankfurt folgte dann bereits wieder eine einwöchige Länderspielpause. „Man hat gesehen, dass wir noch keinen richtigen Spielrhythmus haben“, erklärte Rudolph gestern im Anschluss an das Match, das vor rund 1800 Zuschauern durch einen Treffer von Lia Wälti entschieden wurde. Die Kapitänin, der auch das Tor gegen Frankfurt gelungen war, schob den Ball aus Nahdistanz über die Linie und profitierte davon, dass Abwehrchefin Johanna Elsig einen Eckball per Kopf auf sie verlängert hatte.

Kemme und Huth werden schmerzlich vermisst

Lediglich über solche Standardsituationen oder durch Distanzschüsse wurden die Gastgeberinnen in der ersten Halbzeit gefährlich. Gute Kombinationen gab es kaum. „Unser Kurzpassspiel, das uns sonst auszeichnet, haben wir überhaupt nicht hingekriegt“, analysierte Jennifer Cramer, die in der 66. Minute eingewechselt wurde und so ihr ersehntes Erstliga-Comeback geben konnte. Fast 15 Monate lag der bis dato letzte Auftritt der Europameisterin von 2013 zurück. Sprunggelenksprobleme, die zweimal operativ behandelt wurden, hatten ihr zu schaffen gemacht. „Schön, jetzt wieder auf dem Platz zu stehen“, sagte sie.

Turbine-Fans werden sich wünschen, diesen Satz auch möglichst bald von Tabea Kemme und Svenja Huth hören zu können. Das mit Olympiagold von Rio dekorierte Sturmduo, das in der Hinrunde zusammen 13 Treffer erzielt hatte, muss momentan nach Knieverletzungen pausieren. Huth saß gestern zumindest schon mal wieder auf der Bank. Von dort aus musste sie beobachten, wie Lara Prasnikar und Sarah Zadrazil den angestammten Part von ihr und Kemme trotz großer Bemühungen nicht ertragreich ausfüllten. „Wir haben einen guten Kader. Alle hauen sich richtig gut rein. Aber es ist natürlich klar, dass man zwei Spielerinnen von dieser Qualität nicht einfach so ersetzen kann“, meinte Johanna Elsig, deren Mannschaft wie schon in Frankfurt vorne die nötige Dynamik und Durchschlagskraft fehlte.

Turbine brachte sich oft selbst in die Bredouille

Ein schneller Konter, den Felicitas Rauch mit einem Lupfer an die Latte abschloss, sowie ein wuchtiger Schuss von Jennifer Cramer blieben nach der Pause die einzigen guten Potsdamer Chancen auf das 2:0. Weil sich der Spitzenreiter mit vielen Patzern im Aufbauspiel immer wieder selbst in die Bredouille brachte, waren es sogar eher die achtplatzierten, kampfstarken Gäste aus dem Kraichgau, die letztlich dem zweiten Tor des Tages näher waren. Sie nutzten ihre Gelegenheiten aber nicht, sodass Turbine ungestraft davonkam.

Entsprechend tief atmete Matthias Rudolph nach Ertönen des Schlusspfiffs durch. „Wir sind glücklich, dass wir gewonnen haben“, sagte er. Genauso froh ist der Coach, „dass wir jetzt nach der Länderspielpause wieder voll zusammen trainieren können. Wir werden an den Sachen arbeiten und dann denke ich, werden wir auch wieder dahin kommen, wo wir gewesen sind“. Und zwar auf das Level der Hinserie, in der die Turbinen 30 von 33 möglichen Punkten holten. Noch nie waren sie zur Bundesliga-Saisonhalbzeit besser.

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