24.10.2017, 14°C
  • 06.03.2017
  • von Tobias Gutsche

RSV Eintracht 1949 Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf: Von den Ketten gelassen

von Tobias Gutsche

Die Trauben hängen hoch, sind aber nicht unerreichbar. Der RSV – hier sorgt Dennis Teucher für einen Dunk – geht mit vier Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz in die Playdowns. Das stellt eine anspruchsvolle, wenngleich lösbare Aufgabe dar. Foto: Julius Frick

Der Trainerwechsel macht sich bei den Zweitliga-Basketballern des RSV Eintracht positiv bemerkbar. Nach einem klaren Heimsieg zum Hauptrundenabschluss gehen sie nun selbstbewusst in die Playdowns.

Die Basketballpartie war erst seit wenigen Augenblicken vorbei, da begann am Spielfeldrand das emsige Wischen und Tippen auf den Smartphones. Nach dem beeindruckenden 92:70 (46:39)-Heimerfolg am Samstagabend gegen die Iserlohn Kangaroos wollten sich die Offiziellen und Spieler des RSV Eintracht 1949 Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf rasch einen Überblick zu ihrer Lage in der 2. Bundesliga ProB Nord verschaffen. Sie checkten die anderen Ergebnisse des letzten Hauptrundenspieltages – und warfen einen Blick auf die Tabelle.

Was es zu sehen gab, stimmte durchaus positiv. Der RSV geht nämlich mit 14 Punkten in die Playdowns und hat es geschafft, den Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz auf vier Zähler zu verkürzen. Die Mitte März beginnende Abstiegsserie der vier schwächsten Hauptrundenteams bestreitet die auf dem vorletzten Rang postierte Eintracht zusammen mit den abgeschlagenen Citybaskets Recklinghausen (acht Punkte), den MTV Herzögen Wolfenbüttel (18) und Itzehoe Eagles (20). Wer nach den Jeder-gegen-jeden-Duellen mit Hin- und Rückspiel auf Platz eins sowie zwei dieses Quartetts steht, hält die Klasse – die beiden anderen Clubs müssen in die 1. Regionalliga absteigen. „Ich bin wirklich optimistisch“, sagte RSV-Kapitän Niko Schumann, „dass wir es packen, drinzubleiben.“ Oder mit anderen Worten: Er glaubt fest daran, dass der Verein aus Potsdam-Mittelmark, der als Einziger seit Einführung der ProB im Jahr 2007 durchgehend dort dabei ist, auch kommende Saison weiter zum Inventar jener Liga zählen wird.

Zu starker Disziplingedanke unter Ex-Coach

Seine Überzeugung speist der Point Guard aus den jüngsten beiden Auftritten seiner Mannschaft. Vor einer Woche brachten die RSV-Korbjäger den Hauptrundenprimus Lok Bernau in dessen Halle an den Rand einer Niederlage, mussten sich erst nach Verlängerung geschlagen geben – vorgestern steckten sie nun die viertplatzierten Kangaroos in den Beutel, landeten ihren siebten und zugleich höchsten Saisonsieg. „Wir haben beide Male gekämpft bis zum Umfallen, das war der Schlüssel zum Erfolg. Genau so müssen und werden wir weitermachen“, erklärte Niko Schumann, der inzwischen seine siebte Saison bei der Eintracht spielt. Der 24-Jährige gehört zu den absoluten Leistungsträgern in der Truppe.

Eine Erklärung für deren beachtliche Leistungssteigerung zuletzt ist scheinbar recht einfach gefunden: der Trainerwechsel. Vor dem Brandenburg-Duell mit Bernau hatte man sich von Chefcoach Thomas Roijakkers getrennt und das Zepter an seinen Assistenten Denis Toroman übergeben. „Wir haben etwas Positives daraus gezogen“, meinte Schumann. Er betonte, dass Roijakkers fachlich ein richtig guter Trainer sei, es gebe nicht viele in der Liga mit einem derart hohen Taktikverständnis – doch das allein brachte eben keinen sonderlich großen Erfolg. Weil auch etwas anderes bei dem Niederländer sehr stark ausgeprägt ist: seine Disziplinversessenheit. „Es gab unter ihm eine Menge strenger Regeln. Disziplin ist gut und wichtig. Zu viel macht einen aber womöglich schlechter – das war bei uns der Fall“, benannte der sportliche Leiter Vladimir Pastushenko den entscheidenden Kritikpunkt am Ex-Coach. Dessen Nachfolger Toroman habe „die Strukturen aufgebrochen und uns wieder mehr Freiräume gegeben“, sagte Niko Schumann.

Der Liga-Dino wehrt sich gegen das Aussterben

Das Team wurde also von den Ketten gelassen. Sofort setzte der davon erhoffte Effekt ein, wie Pastushenko feststellte: „Wir freuen uns, die Entscheidung getroffen zu haben. Man spürt, dass jetzt alle befreiter trainieren und befreiter spielen. So können wir unser Potenzial auch ausschöpfen.“ Das ist für die Playdowns auch zwingend notwendig, schließlich ist das Unternehmen – an sechs Spieltagen ein Defizit von zwei Siegen wettzumachen – anspruchsvoll. „Wir können aber selbstbewusst sein dank der vergangenen beiden Partien“, befand Vladimir Pastushenko. „Das waren echte Lebenszeichen.“ Gesendet vom Liga-Dino, der sich gegen das Aussterben wehrt.

Weiterhin den Status als Basketball-Zweitligist tragen zu können, sei laut dem sportlichen Leiter in zweierlei Hinsicht von großer Bedeutung. Einerseits für Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf. „Unsere Mannschaft ist ein Leuchtturm der Region.“ Man wolle auch weiterhin diese Strahlkraft – immerhin rund 310 Zuschauer kamen diese Saison durchschnittlich zu den Heimspielen in die BBIS-Sporthalle auf dem Kleinmachnower Seeberg – haben. Und zum anderen lebe der Club selbst enorm von der ProB-Teilnahme, so Pastushenko: „In dieser Liga zu sein, hilft uns in allen Belangen.“ Unter anderem bei der Jugendarbeit. Diese wurde auf ein hohes Level gebracht. Der RSV ist U16-Bundesligist und durch die Kooperation mit dem DBV Charlottenburg und TuS Lichterfelde auch in der U19-Bundesliga mit von der Partie. „Im Falle eines Abstieges gäbe es keine direkten Folgen für unsere Jugendförderung. Aber wir wollen natürlich für unsere Talente perspektivisch interessant sein.“ Und das ist man eben mehr, wenn die Männer in der 2. Bundesliga statt 1. Regionalliga antreten.

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!