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  • 10.08.2018
  • von Sandra Calvez

Was Eltern in Potsdam beachten sollten: Die schwierige Suche nach dem Kitaplatz

von Sandra Calvez

Gut betreut? Noch immer finden dutzende Eltern keinen Kitaplatz. Foto: dpa

Die Zahl der Betreuungsplätze ist in einem Jahr um sechs Prozent gestiegen. Ob das reicht, ist noch unklar.

Am 1. September beginnt das neue Kitajahr, doch noch haben nicht alle Kinder einen Platz. Seit Anfang August gilt zudem die neue Gebührenordnung mit niedrigeren Elternbeiträgen – die noch nicht alle Träger anerkennen. Ein Überblick.

Gibt es in Potsdam genug Kitaplätze?

Wie viele Eltern derzeit noch keinen Platz für ihr Kind haben, ist unklar. Zuletzt war Mitte Juli die Zahl 69 genannt worden. „In dieser Größenordnung bewegen wir uns noch immer“, sagte Stadtsprecher Markus Klier den PNN. Genaue Angaben will er nicht machen, die Zahl fluktuiere stark. Es gebe „wie in jedem Jahr noch Rückläufe Aufgrund Mehrfachanmeldungen in Kindertageseinrichtungen“. Erst zum 1. September könne er eine abschließende Aussage treffen.

Ist die Zahl der Plätze gestiegen?

Ja, durch die Sanierung und den Neubau von Kitas gibt es gut 1000 Plätze mehr als noch vor einem Jahr. Das bedeutet eine Zunahme um mehr als sechs Prozent. Allerdings ist parallel durch Zuzug auch die Zahl der Kinder gestiegen. Die rund 18 350 bestehenden Plätze verteilen sich auf 121 Einrichtungen. Auch in den kommenden Monaten werden weitere Plätze dazukommen: Voraussichtlich im September soll die Kita Am Jungfernsee mit 120 Plätzen in Betrieb genommen werden. Mitte 2019 soll die Kita in der Horst-Bienek-Straße am Volkspark in Bornstedt mit 90 Plätzen folgen. Dazu kommen 150 Plätze durch Sanierungen bestehender Einrichtungen.

Wie läuft die Kitaplatzsuche?

Zuständig für die Beratung ist der Kita-Tipp. „Dort erfahren Eltern eine engmaschige Begleitung und Unterstützung bei der Suche nach einem bedarfsgerechten Platz“, sagt Klier. Betroffene Eltern berichten aber anderes. Acht Wochen nach der Geburt seiner Tochter habe er angefangen, alle Kitas der Umgebung abzuklappern, berichtet ein Vater. „Beim Kita-Tipp mussten wir unsere Geschichte jedes Mal neu erzählen“, sagt er. Angeboten wurde dann eine Tagesmutter am anderen Ende der Stadt, deren Betreuungszeiten nicht zu den Arbeitszeiten der Eltern passte. Letztendlich kam doch noch eine Zusage einer Kita in der Nähe, aber die unorganisierte und unkoordinierte Vergabe habe ihn „deprimiert und frustriert“.

Das soll mit dem Kita-Navigator besser werden. Das seit Jahren diskutierte Online-Portal zur zentralen Platzvergabe steht nach Angaben von Stadtsprecher Klier kurz vor der öffentlichen Ausschreibung: „Es bleibt das Ziel der Verwaltung, eine möglichst schnelle Einführung zu forcieren und im Jahr 2019 zu starten.“

Und wenn man keinen Platz findet?

Seit fünf Jahren haben Kinder ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Wer keinen Platz findet und deshalb nicht arbeiten kann, kann bei der Stadt einen Verdienstausfall geltend machen – was einige Potsdamer Eltern auch tun. „Es liegen bisher neun Anträge auf Verdienstausfall im Jahr 2018 vor, die an den Kommunalen Schadensausgleich zur Regulierung weitergemeldet wurden“, erklärte Klier.

Wie wird die Gebührenordnung umgesetzt?

Der durch die Stadtverordneten beschlossene Orientierungsrahmen zur Senkung der Elternbeiträge greift seit Anfang August. Es liegt aber in der Hand der Träger, diesen zu übernehmen. „Bislang haben sich von 42 Trägern mit Einrichtungen im Bedarfsplan 37 Träger gemeldet, um Einvernehmen herzustellen“, sagte Klier. Fünf Träger haben das bisher nicht getan. „Wir sind weiterhin mit ihnen im Gespräch“, versichert der Sprecher. Um die Gespräche nicht zu gefährden, will er nicht sagen, um welche Träger es geht.

Gibt es ausreichend Erzieher?

Auf den ersten Blick: Ja. In Potsdam gab es laut Arbeitsagentur im Juli 35 freie Erzieherstellen. Dem gegenüber standen 44 arbeitslose Erzieher. Doch die Sprecherin der Agentur, Isabel Wolling, gibt mehrere Faktoren zu bedenken, die die Zahlen in ein weniger rosiges Licht tauchen. Ein Teil der Erzieher wechsele nach der Ausbildung an eine Hochschule. Andere fangen im Hort, in der Jugendhilfe oder im Kinderheim an. Dazu komme die Bezahlung: „Viele Erzieher und Erzieherinnen, die nach einer neuen beruflichen Perspektive schauen, entscheiden sich aufgrund des höheren Verdienstes für einen Arbeitsplatz in Berlin“, erklärt sie. Der letzte Faktor gleicht einer Katze, die sich in den Schwanz beißt: Wie Wolling erläutert, haben manche Erzieher selbst Kinder. Da sie aber für diese in den Randzeiten, also früh morgens und spät nachmittags, keine Betreuung finden, können sie selbst zu diesen Zeiten nicht arbeiten – und wiederum keine anderen Kinder betreuen.

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