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  • 12.07.2018
  • von Hella Dittfeld

Etwas HELLA: Prost mit dem Potspresso

von Hella Dittfeld

Nun ist er erfunden, der Kaffeepfandbecher Potspresso. Und wenn es auch ein bisschen holprig klingt, sich potspressomäßig zuzuprosten, er wird uns und die Umwelt retten. Demnächst. Denn noch hat der Umweltteufel einige Hürden aufgebaut, ehe der Pfandbecher seinen Siegeszug antreten kann. Erst einmal werden 60 000 Euro gebraucht, um den Potspresso überhaupt in die Welt zu setzen. Dann sollen ihn ausreichend viele Kooperationspartner in Umlauf bringen. Zu guter Letzt müssen ihn die Unterwegs-Kaffeetrinker zu ihrem ganz persönlichen Lieblingsbehälter machen und natürlich irgendwo wieder ordentlich abgeben. Das ist kein Problem, wenn andere Städte Potsdam nacheifern. Der standardisierte Becher heißt dann ortsgebunden nur etwas anders, zum Beispiel Berlpresso oder Werdpresso.

Man kann übrigens auch jetzt schon, wenn man etwas Muße hat, sich kurz hinsetzen und seinen Kaffee einfach aus der Tasse schlürfen und die dann in die Geschirrablage stellen. Doch wer hat heute schon noch Zeit, einen Kaffee to sit zu trinken, wenn man einen to go haben kann. Warum sich die Kaffeetrinker aber an den Tischen auf der Brandenburger Straße Pappbecher vor ihre Nase halten, auch wenn es Tassen als Alternative gibt, das kann mir nur der Umweltteufel erklären. Der sitzt uns wahrscheinlich mit seinem Mit-nehm-Verpackungswahn kichernd im Genick.

Jetzt denken Sie vielleicht, ich bin eine alte Unke und glaube nicht an das Gute im Menschen, an die Möglichkeit der Müllvermeidung und an das überaus sinnvolle Projekt von Potspresso. Sie tun mir Unrecht, ich bin geradezu ein Muster an Optimismus und Müllvermeidung und möchte furchtbar gern gläubig sein. Doch die Menschen, sie sind nicht so.

Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es für Glühwein Tassen und Gläser. Haben Sie die Pappbecher, an denen man sich auch noch die Finger verbrennt, ausgerottet? Beantworten Sie sich die Frage selbst. Oder die Plastikpfandbecher für Bier und andere kühle Getränke. Die sind nicht nur in Potsdam schon längere Zeit auf dem Markt und bei Großevents wie Stadtfesten im Angebot. Man kann sie an einem Stand mitnehmen und bekommt beim Abgeben auch an einem anderen sein Geld zurück. Und nun machen wir die Probe aufs Exempel: Haben sich diese vorbildlichen Pfandbecher überall durchgesetzt und gibt es überhaupt keine anderen mehr? Antwort: Die knautschigen Dinger, die man einfach in die Mülltonne drückt, lauern noch überall und ausgerechnet das Geschäft bei mir nebenan hat im Vorgriff auf das angekündigte EU-Verbot, na, was meinen Sie, Einweg-Plastikbecher im Sonderangebot.

Im Grunde sind wir Menschen nämlich unbelehrbar. Deshalb erwerbe ich mir jetzt wahrscheinlich eher den Ruf einer Spinnerin als einer Umweltaktivistin, wenn ich meinen persönlichen Einwegmüllvermeidungskampf beginne und nur noch etwas einkaufe, was ins mitgebrachte Töpfchen oder Beutelchen passt. Doch wenn ich auch nur ein bisschen Erfolg haben sollte, leiste ich mir zum Lohn einen Potspresso. Irgendwann. Obwohl ich meinen Kaffee lieber im Sitzen aus der Tasse trinke.

Unsere Autorin ist langjährige Redakteurin und jetzt freie Mitarbeiterin der PNN. Sie lebt in Potsdam

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