21.08.2018, 23°C
  • 12.06.2018
  • von Henri Kramer

Autofreie Zone in der Potsdamer Innenstadt: Gutenbergstraße wird mit Pollern gesperrt

von Henri Kramer

Foto: Andreas Klaer

Die Gutenbergstraße soll für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Dafür haben sich die Teilnehmer der Planungswerkstatt für die Friedrich-Ebert-Straße ausgesprochen. Auch diese soll möglichst autofrei werden.

Potsdam - Das Bild ist täglich das Gleiche: Gerade im Berufsverkehr fahren pro Stunde ein paar Hundert Autos über das Pflaster der schmalen Gutenbergstraße, wenn sie auf dem Weg in Richtung Bassinplatz nicht im Stau in der Hegelallee stehen wollen. An der unübersichtlichen Kreuzung zur Friedrich-Ebert-Straße kommt es dabei immer wieder zu gefährlichen Situationen, zu einem Durcheinander von Autos, Radfahrern, Bussen, Fußgängern und Straßenbahnen. 

Doch damit könnte bald Schluss sein, wie Stadtsprecherin Christine Homann am Dienstag auf PNN-Anfrage deutlich machte: Denn bei der öffentlichen Verkehrswerkstatt zur Zukunft der Friedrich-Ebert-Straße hat sich am Montagabend eine Mehrheit der Teilnehmer für eine Sperrung der Gutenbergstraße an der westlichen Einmündung zur Friedrich-Ebert-Straße ausgesprochen. Dazu sollen mehrere Poller aufgestellt werden. In dem Werkstattverfahren im Potsdam Museum habe es für die Poller-Variante in drei von vier eingesetzten Arbeitsgruppen eine Mehrheit gegeben, so Rathaussprecherin Homann. Dies werde nun für die weitere Planungen zur künftigen Gestaltung der Straße mit berücksichtigt. Nach der Sommerpause solle das Ergebnis den Stadtverordneten vorgestellt werden. Diese müssten dann noch für die Sperrung votieren, bevor ein Poller gesetzt werden kann.

Autofreier Boulevard auf Friedrich-Ebert-Straße zwischen Charlottenstraße und Nauener Tor

Zudem bestätigte Homann, dass die Werkstatt sich auch im Grundsatz auf eine Variante für die künftige Gestaltung der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Charlottenstraße und Nauener Tor geeinigt habe. Dort soll nun ein möglichst autofreier Boulevard entstehen, der mehr Sicherheit und Aufenthaltsqualität als bisher bietet. In dieser von dem Leipziger Planungsbüro Stadtlabor entworfenen Variante würde die Fahrbahn der Friedrich-Ebert-Straße von derzeit knapp 13 Metern um etwa die Hälfte verengt und mit der bestehenden Tramschiene kombiniert werden. Daneben sollen zwei je zwei Meter breite Radwege kommen. Die Gehwege würden auf beiden Seiten jeweils drei Meter breit werden. Zwischen ihnen und den Radwegen soll ein fast ebenso breiter Streifen entstehen, auf dem Platz für Radstellplätze oder Stühle und Tische ansässiger Gastronomen wäre. Dazu kommen über die Straße verteilt sieben Be- und Entladezonen für Händler. Der Behindertenstellplatz an der Ecke Mittelstraße, also am dortigen Sanitätshaus Kniesche, soll erhalten bleiben.

Eine andere, nun nicht mehr aktuelle Variante namens „Flaniermeile“ sah eine noch offenere Aufteilung der Friedrich-Ebert-Straße ohne klare Zuteilung von Rad- oder Fußwegen vor: Die ganze Straße hätte dann gemeinsam von Fußgängern, Radfahrern und dem Nahverkehr genutzt werden können. In beiden Varianten würden Autos weitgehend aus der Straße verbannt. Neben Bussen, Trams und Radfahrern würde nur noch Lieferverkehr zugelassen. Ferner sollen die Tram- und Bushaltestellen an der Straße barrierefrei werden. 

Es wird weiter geplant

Allerdings sind die Planungen nicht beendet, wie Sprecherin Homann deutlich machte: Es habe viele Anregungen aus den Arbeitsgruppen gegeben, die nun in die Planung eingehen würden. So müssten noch die genauen Plätze für die Haltestellen, die Lieferzonen, Fahrradständer, Lampen und andere Dinge geklärt werden. Der konkrete Umbau der Straße könne ab 2022 erfolgen, sagte Stadtsprecherin Homann auf Nachfrage. 

In der Vergangenheit hatten sich mehrere Händler und Anwohner gegen die aus ihrer Sicht zu autofeindlichen Pläne ausgesprochen. Die Planer aus Leizpzig hatten hingegen argumentiert, Fußgänger hätten in der Straße bisher zu wenig Raum und seien durch die vielen parkende Autos am Fahrbahnrand räumlich stark voneinander abgetrennt.

Eine große Überraschung ist das Gesamtergebnis der Werkstatt aber nicht. Schon in dem im vergangenen Jahr von den Stadtverordneten beschlossenen Verkehrskonzept für die Innenstadt war von Maßnahmen die Rede, um den Durchgangsverkehr durch die Gutenbergstraße zu unterbinden – was auch in die seit Jahren verfolgte Potsdamer Strategie passt, möglichst umweltfreundliche Verkehrslösungen zu bevorzugen. 

Große Zustimmung, um den Schleichverkehr aus der Gutenbergstraße zu verbannen

Ein Detail am Rande: Neben der Poller-Lösung für die Gutenbergstraße waren auch Einbahnstraßenregelungen zur Verkehrsberuhigung und für mehr Sicherheit erwogen worden. Letztlich habe es unter den Teilnehmern der Werkstatt eine auch aus seiner Sicht überraschend große Zustimmung gegeben, den Schleichverkehr aus der Gutenbergstraße zu verbannen, machte etwa Grünen-Kreischef Gert Zöller gegenüber den PNN deutlich, der die Planungswerkstatt im Potsdam-Museum auch besucht hatte. Ein anderer Teilnehmer sagte, schon jetzt erzeuge eine Baustelle in der Gutenbergstraße einen deutlichen Effekt – die Menge des Schleichverkehrs habe erfreulicherweise spürbar abgenommen. So hatten gerade Anwohner immer wieder über den Lärm geklagt, den der Durchgangsverkehr verursacht hatte.

Das Innenstadt-Verkehrskonzept hatte unter anderem auch eine ausgedehnte Tempo-20-Zone im Einkaufsbereich zwischen Hegelallee, Friedrich-Ebert- und Brandenburger Straße und weitere Geschwindigkeitsbegrenzungen vorgesehen. Diese sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden, hatte die Bauverwaltung vor wenigen Monaten angekündigt (PNN berichteten). Auch der Platz der Einheit soll noch umgebaut werden. 

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