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  • 12.06.2018
  • von Sarah Stoffers

Studentenprojekt will Bürger besser ansprechen: Wege für mehr Beteiligung am Schlaatz

von Sarah Stoffers

Nachgefragt. Studenten fragten die Schlaatzer nach ihren Wünschen. Foto: A. Klaer

Studenten haben in monatelangen Gesprächen mit Schlaatzern nach den Problemen im Stadtteil und den Wünschen der Anwohner gefragt.

Potsdam - Eine eigene Poststelle, mehr Sauberkeit auf den öffentlichen Flächen und Spielplätzen, bezahlbaren Wohnraum. Das wünschen sich viele Schlaatzer, wie eine Gruppe von Studenten in monatelangen Gesprächen mit ihnen herausfand. Zwei Semester lang war eine achtköpfige Studentengruppe der Fachhochschule Potsdam zum Thema Beteiligung im Potsdamer Stadtteil Schlaatz unterwegs. Zum Abschluss der Forschungswerkstatt „Wohnen x – urban participation“ im Studiengang Soziale Arbeit hat die Gruppe ein Positionspapier für die Menschen im Stadtteil, die sozialen Träger und Sozialarbeiter und die Verantwortlichen der Stadt ausgearbeitet. Am gestrigen Montag stellten sie dieses am Bürgerhaus am Schlaatz vor.

Bereits im Jahr zuvor hatte eine Gruppe Studenten zehn Monate lang im Auftrag des Arbeitskreises Stadtspuren der Potsdamer Wohnungsgesellschaften den Am Schlaatz untersucht. Damals war es um den Umgang mit dem öffentlichen Alkoholkonsum am Rewe-Markt gegangen. Schnell weitete sich das Projekt „Schlaatz mittendrin“ aus. Die Studenten kamen mit den Menschen ins Gespräch, stellten eine pinke Toilette auf, auf der die Einwohner ihre Wünsche, Sorgen und Meinungen schreiben konnten.

„Wir haben festgestellt, dass die Menschen das Gefühl haben, dass sie nicht gehört werden“

„Wir haben festgestellt, dass die Menschen das Gefühl haben, dass sie nicht gehört werden“, sagt die Studentin Sylvia Swierkowski. Bereits beim ersten Werkstattprojekt war sie mit dabei, hat das Zweite als Tutorin begleitet. Viele im Stadtteil sind von Armut betroffen, aus sehr vielfältigen Gründen, ob nun durch prekäre Arbeit, weil sie studieren, neu nach Deutschland gekommen oder arbeitslos sind. „Menschen, die wenig Geld haben, finden einfach kein Gehör, haben keine Lobby“, so Swierkowski. Wenn nun der Stadtteil nach Plänen der Stadt bis 2030 aufgewertet und wohlmöglich verdichtet werden soll, sollten alle Anwohner dabei mitgenommen werden.

Swierkowski und die Studenten der Werkstattgruppe sind der Meinung, die bisherigen Formen für Beteiligung passen nicht zum Stadtteil. Zu offenen Gesprächsrunden oder der Visionenwerkstatt im vergangenen Oktober, bei der Ideen für den Stadtteil vorgestellt wurden, kamen kaum Schlaatzer. „An diesen Veranstaltungen beteiligen sich immer die gleichen Statusgruppen“, so Swierkowski. Statt Einladungen, wünschen sich die Studenten mehr aufsuchende Arbeit, direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort und eine echte Auseinandersetzung mit ihren Bedürfnissen. Auch die sozialen Träger vor Ort sollten mehr aus ihren Häusern und Einrichtungen auf die Menschen draußen zugehen, fragen, was ihnen wichtig ist und fehlt, sagt die Studentin Nastia Thomas. „Auf beiden Seiten ist hier schon der Frust zu spüren, weil die Dinge nicht so laufen, wie sie vielleicht könnten.“ Ohne Austausch und Begegnung sei das nicht zu überwinden.

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