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  • 04.06.2018
  • von Marco Zschieck
Update

Potsdams Feuerwehrchef vor dem Absprung: Neue Wache, neue Probleme

von Marco Zschieck

Foto: A. Klaer

Die Potsdamer Feuerwehr übernimmt ein neues Haus in Babelsberg. Doch der Feuerwehrchef könnte bald fehlen - wegen Problemen bei der Wohnungssuche.

Potsdam -  Etwas Rauchgeruch wehte am gestrigen Montagvormittag über das Babelsberger Gewerbegebiet. Gleich hinter dem Betriebshof des Verkehrsbetriebs in der Fritz-Zubeil-Straße war dann auch ein Feuerwehrauto vor Ort. Doch es handelte sich nicht um einen Ernstfall. Auf dem Hof brutzelten lediglich Bratwürste für die feierliche Schlüsselübergabe der neuen Babelsberger Feuerwache.

Mit dem festlichen Akt ging für die Potsdamer Feuerwehr eine jahrelange Hängepartie zu Ende. Denn Pläne für einen Umzug der Babelsberger Wache – neben der Hauptwache an der Holzmarktstraße der zweite Standort der Berufsfeuerwehr – gab es schon lange. Laut Ausschreibung sollte die neue Feuerwache sogar schon im November 2015 fertig sein. Ursprünglich war von einer Investition von 5,2 Millionen Euro die Rede. Nun kostete die neue Wache acht Millionen Euro. Eine Steigerung von 53 Prozent.

Neubau mit Stadtwerke-Geld

Die Finanzierung für den Bau, der der kommunalen Kernaufgabe Brandschutz dient, trägt jedoch nicht die Stadt, sondern ein kommunales Unternehmen – die Stadtwerke. So schlagen die Kosten nicht auf einmal im Haushalt zu Buche. Stattdessen muss die Stadt den Neubau nun von den Stadtwerken mieten. Bei der Standortsuche war die Wahl auf ein Grundstück gefallen, das dem Unternehmen bereits gehörte. Allerdings sorgten dann überraschende Altlasten im Boden für Verzögerungen. 3500 Tonnen kontamierter Boden mussten entsorgt werden. 235 sogenannte Rüttelstopfsäulen wurden gebohrt und mit 1000 Tonnen Kies gefüllt, um den Untergrund überhaupt erst tragfähig zu machen.

Mit dem Neubau auf einem früheren Parkplatz verfügt die Potsdamer Berufsfeuerwehr nun erstmals über zwei moderne Standorte. 19 Feuerwehrmänner- und -frauen werden pro Schicht vor Ort sein – im 24-Stunden-Dienst an 365 Tagen pro Jahr. Von innen und außen ist dem Gebäude der Unterschied zur bisherigen Wache deutlich anzusehen. Fast alles ist auf dem neuesten Stand – nur eine Klimaanlage hat man den Feuerwehrleuten nicht gegönnt. Deshalb war es beim Rundgang am Montagmittag heimelig warm.

Im Erdgeschoss sind neben der Fahrzeughalle auch die Umkleiden und Sanitärräume für Männer und Frauen untergebracht. Darüber befinden sich die Küche und der Speiseraum, der auch geteilt und als Schulungsraum benutzt werden kann, sowie der Raum für den Schichtleiter. Ganz oben geht es ruhiger zu. Dort sind Schlafräume untergebracht. Jeder Feuerwehrmann hat ein eigenes Bett. In der alten Wache gab es nicht so viel Platz.

Der Umzug dürfte für Feuerwehrleute und Rettungsdienst auch akustisch ein Fortschritt sein: Bisher wurden bei Alarm alle geweckt, egal ob sie tatsächlich gebraucht wurden oder nicht. Nun kann sich jeder in seinem Ruheraum per Kippschalter als Brandbekämpfer oder Rettungsdienst anmelden. Nur in den passenden Räumen ertönt dann das Alarmsignal.

„Die Berufsfeuerwehr Potsdam ist technisch hochwertig ausgerüstet und bereit für sämtliche Herausforderungen“

Der Neubau soll ab dem 20. Juni genutzt werden. Bis dahin rückt die Feuerwehr im Potsdamer Südosten noch vom alten Standort in der Steinstraße aus. Dort ist die Zufahrt nur über enge Seitenstraßen möglich. Mit dem neuen Standort direkt an der Auffahrt zur Nuthestraße können doppelt so viele Ziele wie bisher innerhalb von acht Minuten erreicht werden. Vor allem die Waldstadt sei vom neuen Standort besser zu erreichen.

„Die Berufsfeuerwehr Potsdam ist technisch hochwertig ausgerüstet und bereit für sämtliche Herausforderungen“, sagte der zuständige Beigeordnete Mike Schubert (SPD). Angesichts des Wachstums der Stadt dürfte die neue Wache jedoch nicht der letzte Neubau sein. Allein in Krampnitz sollen einmal rund 10 000 Potsdamer wohnen. Wegen der Distanz zur Hauptwache werde künftig auch eine Wache im Potsdamer Norden benötigt, so Schubert. Nun soll ein Gutachten zeigen, wo der Bedarf liegt.

Doch die Potsdamer Feuerwehr hat noch mehr Baustellen: Der Fachkräftemangel macht sich auch bei ihr bemerkbar. Die Bewerberzahlen gehen zurück. „Früher haben sich 150 Bewerber auf eine Stelle gemeldet. Bei der letzten Ausschreibung waren es nur noch 33“, sagte Feuerwehrchef Jörg Huppatz den PNN. Im Wettbewerb um Fachpersonal müsse Potsdam einen hohen Standard bieten, so Schubert.

Möglicherweise muss die Stadt bald eine weitere Stelle ausschreiben – nämliich die von Huppatz selbst. Der Feuerwehrchef, der erst im Februar in Potsdam den Dienst als Nachfolger von Wolfgang Hülsebeck aufgenommen hat, steht womöglich vor dem Absprung. Nach PNN-Information hat er bisher kein Haus für seine vierköpfige Familie gefunden. Eigentlich war der Umzug aus dem heimischen Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) spätestens im Sommer vorgesehen. Außerdem soll ihm ein Angebot zur Leitung einer Werksfeuerwehr vorliegen – mit einer deutlich höheren Bezahlung als in Potsdam. Aus der Stadtverwaltung hieß es, man habe mehrere Angebote für Immobilien vermittelt. Aber bisher gebe es keine Entscheidung.

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