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  • 02.06.2018
  • von Marco Zschieck

Wohnen in Potsdam: Knapp, begehrt und immer teurer

von Marco Zschieck

Mangel. Kaufangebote für Immobilien werden in Potsdam seltener. Foto: Andreas Klaer

Auf Potsdams Immobilienmarkt trifft hohe Nachfrage auf schrumpfendes Angebot. Das treibt die Preise in die Höhe.

Die Zeit der ganz großen Rekorde ist auf dem Potsdamer Grundstücksmarkt wohl erstmal vorbei. Doch wer in Potsdam Grundstücke oder Gebäude kaufen will, muss immer mehr ausgeben. Das geht aus dem Grundstücksmarktbericht für das Jahr 2017 hervor, den der Vorsitzende des Gutachterausschusses, Winfried Schmidt, am Freitag vorstellte. Die Daten stammen von Notaren, die die Verkäufe melden müssen. Die PNN geben einen Überblick über die Details.

UMSÄTZE UND AUSBLICK

Im vergangenen Jahr fiel sowohl die Zahl der Vertragsabschlüsse als auch der dabei erreichte Geldumsatz deutlich unter das Rekordniveau aus dem Vorjahr zurück. Bei 1683 Vertragsabschlüssen wurde mit 879 Millionen Euro immer noch der dritthöchste Wert seit der Wiedervereinigung erzielt. Im Jahr 2016 war noch die Marke von einer Milliarde Euro geknackt worden. Eine gewisse Unschärfe liegt darin, dass besonders bei gewerblichen Immobilien häufig nicht das Grundstück selbst, sondern lediglich die Eigentümerfirma den Besitzer wechselt – so wird die Grunderwerbsteuer umgangen. Dass weniger umgesetzt werde, liege aber nicht an mangelndem Kaufinteresse, so Schmidt, sondern daran, dass es nicht genug Verkäufer gebe. Entsprechend stiegen die Preise in vielen Segmenten. Bleibe das wirtschaftliche Umfeld stabil, rechne er mit einer Fortsetzung des Preisanstiegs, so Schmidt.

BAULAND

Die Preise für Bauland kennen in Potsdam nur eine Richtung: nach oben. Seit 2012 legten sie jedes Jahr zu. Für die beinahe gleiche Flächengröße wie im Vorjahr wurden 2017 mit 149,5 Millionen Euro satte 74 Prozent mehr gezahlt. Der durchschnittliche Bodenpreis für ein Eigenheimgrundstück stieg 2017 um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 350 Euro pro Quadratmeter. Je nach Lage wurden zwischen 65 und 850 Euro je Quadratmeter gezahlt. Beim Durchschnittswert sind sogenannte Ausreißer bereits herausgerechnet – also beispielsweise Grundstücke mit direktem Wasserzugang, die ungewöhnlich teuer sind. Grundstücke für den Geschosswohnungsbau wurden zu 100 bis 1600 Euro pro Quadratmeter gehandelt. Der Umsatz erhöhte sich um mehr als das Vierfache auf 63,8 Millionen Euro.

MEHRFAMILIENHÄUSER

In diesem Marktsegment wurde weniger umgesetzt als im Vorjahr, nämlich 117 statt 225 Millionen Euro. In Häusern mit gutem bis sehr guten Bauzustand kostete der Quadratmeter im Durchschnitt 2550 Euro.

EIN- UND ZWEIFAMILIENHÄUSER

411000 Euro kostete ein freistehendes Einfamilienhaus in mittlerer bis sehr guter Lage im vergangenen Jahr in Potsdam im Durchschnitt. Das waren zwar 12 000 Euro weniger als im Vorjahr, aber immer noch der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung. Allerdings waren die dazugehörigen Grundstücke mit 620 Quadratmeter etwa ein Fünftel kleiner als im Vorjahr. Pro Quadratmeter Wohnfläche wurden durchschnittlich 2970 Euro fällig – so viel wie noch nie. Bei Reihenhäusern gaben die Preise von 371 000 im Jahr 2016 auf 258 000 Euro im Durchschnitt deutlich nach. Pro Quadratmeter wurden durchschnittlich 2040 Euro fällig – 530 Euro weniger als im Vorjahr. Laut Schmidt liegt das daran, dass 2015 und 2016 zahlreiche hochwertig sanierte Reihenhäuser auf dem Markt waren.

VILLEN

21 Villen wurden im Jahr 2017 in Potsdam verkauft – unter anderem die Villa Wunderkind am Heiligen See, die Modedesigner Wolfgang Joop an den Potsdam-Mäzen Hasso Plattner veräußerte. Ob es sich dabei um den für 15 Millionen Euro teuersten Potsdamer Immobilienverkauf des Jahres handelte, blieb am Freitag offen. Der Umsatz insgesamt stieg von 47,7 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 70,2 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte wurden zu Preisen zwischen einer und 1,5 Millionen Euro verkauft.

EIGENTUMSWOHNUNGEN

750 Eigentumswohnungen wurden 2017 für 184,6 Millionen Euro verkauft. Das waren 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Für sanierte Altbauten wurden pro Quadratmeter im Schnitt 4910 Euro fällig. Das waren 1000 Euro mehr als im Vorjahr. Neubauten kosteten 3880 Euro pro Quadratmeter – eine Steigerung um 110 Euro. Auch für nicht neuwertige Eigentumswohnungen zogen die Preise an: von 2520 auf 2880 Euro bei Altbauten aus der Zeit vor 1960. In der teuersten Eigentumswohnung kostete der Quadratmeter Wohnfläche 9750 Euro. Sie liegt in der Jägervorstadt.

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