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  • 15.05.2018
  • von Jana Haase

Europa sichtbarer machen

von Jana Haase

Foto: Patrick Seeger/dpa

Heute wird auf dem Alten Markt Europafest gefeiert. Im Alltag ist das Interesse am Thema eher mäßig

Im Frühsommer 2017 gingen Hunderte Potsdamer Woche für Woche für den europäischen Gedanken und gegen Nationalismus auf die Straße – ein Jahr nach den „Pulse of Europe“-Demonstrationen ist es wieder ruhiger geworden um das Thema Europa in Potsdam. Am heutigen Dienstag soll es anders sein: Von 13 bis 19 Uhr wird auf dem Alten Markt Europafest gefeiert. Organisiert wird die Veranstaltung vom Europa-Zentrum Potsdam, das bei der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft e.V. (BBAG) angesiedelt ist. „Wir wollen Europa sichtbarer machen und zeigen, wie Europa hier vor Ort wirkt“, sagt Ines Friedrich, die das Zentrum leitet.

Gut 20 Projekte, Institutionen und Verbände stellen sich auf dem Europafest vor. Potsdamer, die von EU-Fördermitteln profitieren, berichten über ihre Arbeit, Studierende und Auszubildende, die über ein EU-Programm im Ausland waren, erzählen von ihren Erfahrungen. Die Büros der Potsdamer EU-Abgeordneten sind vertreten. Eine Ausstellung, die zuvor bereits in der Französischen Kirche zu sehen war, informiert über die lange Geschichte der Zuwanderung in Brandenburg. Auf der Bühne gibt es Musik unter anderem von der Band Bez Schematów aus Potsdams polnischer Partnerstadt Opole, Tanz und Kabarett. Durch das Programm führt rbb-Moderator Attila Weidemann. Eröffnet wird das Fest um 13.30 Uhr von Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) und der brandenburgischen Europa-Staatssekretärin Anne Quart (Linke). Wie viele Besucher auf den Alten Markt kommen, kann Organisatorin Ines Friedrich nicht vorhersagen.

In ihrer täglichen Arbeit mit dem Europa-Zentrum wünscht sie sich allerdings manchmal ein größeres Interesse. Das Europa-Zentrum ist der Nachfolger des 2005 gegründeten „Europe Direct“-Informationsbüros. Das habe bei der Neuausschreibung der EU Ende 2017 überraschend keinen Zuschlag mehr bekommen. Die BBAG übernahm das Büro kurzfristig als Träger, berichtet Ines Friedrich. Gefördert werde die Anlaufstelle nun vom Land und von der Stadt. Friedrich organisiert unter anderem Seminare und Workshops für Schüler oder Diskussionsrunden zum Beispiel mit den Europaabgeordneten. Außerdem ist das Büro Anlaufstelle bei allen Fragen rund um Europa: „Bei uns kann man alles, was mit Europa zu tun hat, loswerden – wir beantworten das oder leiten es an die zuständigen Stellen weiter.“ Groß ist der Ansturm allerdings nicht: „Es ist nicht so, dass die Leute hier Schlange stehen“, sagt Friedrich. Wenn man einmal mit Potsdamern ins Gespräch komme, seien sie aber durchaus interessiert. „Die Leute suchen nicht von sich aus den Kontakt oder die Information“, so Friedrichs Erfahrung.

Vielen sei gar nicht bewusst, an wie vielen Stellen europäische Politik auch im Alltag in Potsdam greift. „Ich würde mir wünschen, dass wahrgenommen wird, dass Europa längst hier ist, vor Ort wirkt, dass viele Europa selbstverständlich genießen.“

Deutlich wird das unter anderem anhand der Fördermittel, die in die Region fließen. Über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) fließen zwischen 2014 und 2020 rund 846 Millionen Euro nach Brandenburg, in Potsdam profitieren von dem Geld viele Unternehmen wie unter anderem der Solarleuchtenhersteller oSol:e, das Ernährungsberatungsunternehmen Oviva oder die Firma Amperetta, die sich auf Hybridmotoren für Boote spezialisiert hat. Über den Europäischen Sozialfonds fließen von 2014 bis 2020 weitere 846 Millionen Euro in Projekte im Land Brandenburg. Über die EU-Landwirtschaftsförderung fließen im selben Zeitraum 1,05 Milliarden Euro nach Brandenburg und Berlin, in der Landeshauptstadt gibt es mehr als 100 Empfänger für EU-Landwirtschaftsförderung, darunter etwa die Agrargesellschaft Uetz-Bornim, das Obstgut Marquardt, die Wild- und Rinderfarm Uetz GmbH oder der Familienbetrieb von Bauer Ernst Ruden in Krampnitz.

Beim Europafest werden auch die Potsdamer Initiatoren von „Pulse of Europe“ wieder dabei sein. Eigene Aktionen plane die Gruppe aktuell nicht mehr, sagte Marie-Luise Glahr. Man werde aber auf die Pläne der Organisation in anderen Städten, auch Berlin, hinweisen. Zudem gibt es eine Postkarten-Aktion zum Versenden von „europäischen Grüßen“.

Mit dem, was „Pulse of Europe“ 2017 in Potsdam erreichen konnte, sei man zufrieden, sagt Mitstreiter Volker Gustedt. „Das Europabewusstsein ist durch die Bewegung geschärft worden“, findet er. Diejenigen Potsdamer, die Europa befürworteten und den nationalistischen und antieuropäischen Bestrebungen in mehreren EU-Ländern etwas entgegnen wollten, hätten zusammengefunden und „ein deutliches Zeichen gesetzt“. Es sei schade, dass die Bundesregierung das nicht deutlicher aufgenommen habe: „Die Regierung ist sehr, sehr zögerlich, wenn es darum geht, den Europagedanken wieder mit Leben zu erfüllen.“

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