21.06.2018, 21°C
  • 12.03.2018
  • von Steffi Pyanoe

Ladies Fashion Night in Potsdam: Manhattan im Ohr

von Steffi Pyanoe

Weiblich, lustig, mutig. Bei der Ladies Fashion Night ließen es sich viele Frauen ganz nach eigenem Geschmack gut gehen. Mandy (l.) warb für ein Sportshop, auf dem Laufsteg zeigten Models auch auffällige Dessous (o.r.), und Besucherinnen stießen auf einen amüsanten Abend an (u.r.). Fotos: Manfred Thomas

Die Ladies Fashion Night stand unter dem Motto „Sex and the City“: Shoppen, quatschen, Cocktails trinken. 1700 Gäste kamen.

Potsdam - Die wichtigste Frage des Abends lautete: Wo lang – rechts, links, geradeaus? Die Gäste der Ladies Fashion Night Samstagnacht hatten die Qual der Wahl. Erst gucken und dann shoppen, erst an die Bar und wenn ja, an welche oder doch im neuen Mercedes-Benz Cabrio Platz nehmen und sich dabei von den netten Herren des Promotion-Teams fotografieren lassen?

Aber eine Nacht ist lang, und die etwa 1700 Besucher, vor allem Frauen und diese aus allen Altersgruppen, ließen sich nicht stressen. Zum achten Mal fand die Veranstaltung, die in viel kleinerem Format einst mit 250 Besuchern gestartet war, in Potsdam statt. Eine private Idee und Initiative von einem kleinen Unternehmerinnen-Kreis. Hauptakteurin Nadine Zechlin aus Werder (Havel), Inhaberin mehrerer Modegeschäfte, hat einen guten Instinkt für das, was sich ihr Publikum wünscht. Und der Vorfrühling Anfang März scheint gerade die richtige Zeit für eine lange Nacht mit Modeschauen, Stöbern und Kaufen und vor allem Spaß und Unterhaltung – und das eben nicht in Berlin, sondern vor der eigenen Haustür in Potsdam.

„Hier dürfen die Frauen einfach Frau sein und machen, was ihnen Spaß macht“

Zum zweiten Mal kam die Ladies-Fashion-Night-Gemeinde jetzt in der großen Metropolishalle zusammen. 1000 Quadratmeter Foyer und doppelt so viel in der Halle, mindestens. Platz für einen großen Laufsteg und viele Zuschauer, während auf der anderen Seite ein bunter Modemarkt lockte. Vor allem Potsdamer Boutiquen, aber auch Unternehmer aus Berlin und dem Brandenburger Umland waren dieses Jahr dabei. Im Angebot: Alles, was man anziehen oder tragen kann und was gut tut, von Klamotten bis Parfum, Handtaschen und Beautyzubehör. Hier konnte man zu Sonderpreisen einkaufen oder sein Ticket, immerhin 25 Euro, verrechnen lassen. In Zeiten der #MeToo-Debatte und der Frage, wieviel Sinnlichkeit und Flirten eine politisch korrekte Gesellschaft verträgt, eröffnete Zechlin den Abend mit der Ansage: „Hier dürfen die Frauen einfach Frau sein und machen, was ihnen Spaß macht.“

Schade, dass sie arbeiten muss und nicht durch die Verkaufsstände stöbern kann, klagte allerdings eine Frau: Irina von Bentheim. Die Schauspielerin und Synchronsprecherin aus Berlin war die Moderatorin des Abends. Ihre Stimme, mit der Carrie Bradshaw in der deutschen Ausgabe der TV-Serie und Kinofilme „Sex and the City“ spricht, verlieh dem Abend eine witzige Note. Denn jene Carrie, die fröhlich in Manhattan lebt, liebt und arbeitet, ist der Prototyp der unbeschwerten Konsumentin: Einkaufen geht immer und Hauptsache der Nagellack passt zu den Schuhen. Bentheims quäkige Carrie-Stimme passte gut zur Fashion-Nacht. Die Schauspielerin, die nun gar nicht wie die glamouröse, spindeldürre Figur Carrie aussieht, sondern ihre grauen Haare mutig zeigt und auch mit üppiger Normalfigur im Cocktailkleid eine gute Figur macht, sah kein Problem darin, dass sie quasi mit der Stimme einer fremden Frau gebucht worden war. „Meine Stimme ist mein Werkzeug. Ich freue mich, wenn das wertgeschätzt wird“, sagte von Bentheim.

Die Modenschauen zeigten vor allem Sommerliches

Das Motto des Abends fand sich auch in einer Bar, mit Holzplanken und Lampions vor einem Wandbild mit Manhattan-Skyline. Beinahe fühlte man sich wie in der Lower East Side. Drumherum immerhin Mode aus Potsdam und Potsdamer Preise, die Besucherinnen kauften kräftig ein, während auf dem Laufsteg die Potsdamer Theatergruppe Fallobst zu „Hey Big Spender“ aus dem gleichnamigen Musical tanzte. Unter den Gästen waren auch Frauen aus Berlin. „Schön, dass es in Potsdam noch viele kleine, individuelle Boutiquen gibt“, sagten zwei Besucherinnen. „In Berlin sind solche Läden touristisch überlaufen und zu teuer.“ Drei Damen aus Potsdam wollten vor allem den Abend genießen und an den Verkaufsständen zunächst nur schauen. „Schöne Veranstaltung, nur leider etwas wenig Sitzmöglichkeiten“, klagten die Freundinnen bei Prosecco am Stehtisch. Platz zum Sitzen gab es dennoch, eine komplette Wand war mit rosa Sofas zum gemütlichen Lümmeln bestückt.

Die Modenschauen zeigten vor allem Sommerliches. Die Models waren allesamt „normale Frauen“ mit normalen Figuren, sagte Nadine Zechlin, und die gezeigten Stücke aus den Kollektionen der Geschäfte und Designer waren durchweg tragbar – kein alberner Chichi, mit dem sich eh niemand auf die Straße trauen würde. Die Eröffnungsshow lief der Potsdamer Designer Marco Marcu. Es gab zudem festliche Brautkleider ebenso wie Sportliches, bei dem auch schon mal ein Fahrrad über den Laufsteg geschoben wurde.

Der Potsdamer Einzelhandel laufe gut, aber man müsse dranbleiben, sagte Manfred Erdle, Mitinhaber der Boutique Suum Cuique. „Der Onlinehandel ist unsere größte Konkurrenz. Wir müssen immer Werbung machen. Unser Vorteil ist, dass der Kunde bei uns auch gute Beratung und Atmosphäre geboten bekommt.“ Für die Händler lohnt sich die Shoppingnacht, selbst wenn nicht sofort gekauft wird. „Mir ist es hier zu trubelig“, sagte eine Besucherin. „Aber ich sammle Kärtchen und habe endlich einen Überblick über all die schönen Geschäfte bekommen. Ich wusste gar nicht, was es alles gibt in Potsdam.“

Neben all der Feierei bis gegen drei Uhr morgens wurde auch Gutes getan: Bei Versteigerungen wurden 1500 Euro für die DKMS, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, gesammelt. Mit dem Erlös einer weiteren Auktion kann ein Workshop zur Berufsorientierung für den Mädchentreff Zimtzicken finanziert werden.

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