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  • 12.03.2018
  • von Holger Catenhusen

Superintendentin Angelika Zädow im PNN-Interview: „Mit Schöpfung verantwortlich umgehen“

von Holger Catenhusen

Designierte Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Potsdam Angelika Zädow. Foto: Andreas Klaer

Die neu gewählte künftige Superintendentin Angelika Zädow über Karneval, den Sinn des Fastens, die Bibelarbeit in Taizé und ihre ersten Vorstellungen für die Arbeit in Potsdam.

Frau Zädow, Glückwunsch zu Ihrer Wahl als neue Potsdamer Superintendentin!

Ja, Dankeschön.

Sie stammen aus dem Rheinland. Sind Sie eine Frohnatur?

(lacht) Na, ich bin im Rheinland groß geworden, aber mehr durch Zufall. Meine Mutter stammt aus Halberstadt. Mein Vater ist in Swinemünde geboren.

Da haben Sie den rheinischen Frohsinn also nicht so verinnerlicht?

Ich habe ein Herz für den Karneval, aber ich selber käme nicht unbedingt auf die Idee, Karneval zu feiern. Ich erinnere mich noch an meine erste Landgemeinde als junge Pfarrerin. Als ich dort im Rheinland einmal am Karnevalssonntag einen ganz normalen Gottesdienst gemacht hatte, dann saß da kaum jemand in der Kirche. Da habe ich gesagt, wo seid ihr denn gewesen, sieben Leute, was ist denn hier los? Ein waschechter Rheinländer hat es mir dann erklärt: Mädel, wir haben Karneval, entweder du machst einen zünftigen Karnevalsgottesdienst, dann ist die Hütte voll, oder du musst hier mit den sieben Leuten vorliebnehmen.

Und beim nächsten Mal haben Sie es dann anders gemacht?

Ja, es stand zunächst die Frage: Was bitte ist ein zünftiger Karnevalsgottesdienst? Und dann haben wir eine Gottesdienstform dafür entwickelt. Später, in meiner Pfarrstelle in Meckenheim, war das ganz ähnlich. Da saß an dem besagten Sonntag das Karnevalsprinzenpaar im Gottesdienst und es waren alle möglichen kostümierten Leute dabei.

Zum Karneval gehört ja auch die anschließende Fastenzeit dazu.

So ist es. Am Aschermittwoch ist alles vorbei.

Waren Sie da nicht verwundert, dass es jetzt mitten in der Fastenzeit auf der Synode im Caputher Gemeindehaus nach Ihrer Wahl Sekt gab, also Alkohol?

Nein. Fasten war ursprünglich ja so gedacht, dass Menschen auf bestimmte Dinge verzichten, wie Süßigkeiten oder Alkohol. Aber das hat in den letzten Jahren gewisse Veränderungen erfahren. Verzicht auf bestimmte Nahrung ist das eine. Aber wir könnten auch mal von anderen Dingen lassen. Also zum Beispiel den missgünstigen Blick vermeiden oder getreu dem Motto der diesjährigen Fastenaktion leben: Sieben Wochen ohne Kneifen. Also etwas tun, das uns schwerfällt, aber unser Zusammenleben bereichert.

Von Halberstadt aus, wo Sie jetzt bereits Superintendentin sind, geht es für Sie und Ihren Mann nun im September nach Potsdam.

So ist es gedacht. Der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, wann der Kreiskirchenrat und wir es schaffen, eine Wohnung zu finden.

Warum wollen Sie hierher an die Havel?

Meine Amtszeit in Halberstadt würde regulär 2020 enden. In Anbetracht der doch relativ langen Bewerbungsverfahren muss man sich in einer solchen Situation rechtzeitig Gedanken über die berufliche Zukunft machen. So habe ich locker angefangen zu schauen. Die erste Ausschreibung, die mich interessiert hat, war die hier in Potsdam. Da habe ich Mut gefasst und mich beworben.

Wenn Sie nach Potsdam wechseln, wird Ihnen da nicht der grandiose Halberstädter Dom fehlen? Etwas derart Altehrwürdiges haben wir hier in Potsdam nicht zu bieten.

Ach, die Kirchen in Potsdam, die ich bisher gesehen habe, die haben Charme. Klar, der Halberstädter Dom ist etwas Besonderes. Hier ist es dann eben anders besonders.

Sie haben bei Ihrer persönlichen Vorstellung auf der Synode gesagt, Sie wollen in Potsdam das Bestehende erhalten, aber das Neue soll auch nicht zu kurz kommen. Können Sie das konkreter fassen?

Das ist schwierig. Ich muss erst einmal den Kirchenkreis kennenlernen. Was ich meinte, ist, dass wir den Mut haben sollten, etwas Neues zu wagen. Es wäre vermessen zu sagen, ich habe an der einen oder anderen Stelle schon eine genaue Idee.

Noch gar nichts Konkretes, auch nicht zum heißen Streit um die Garnisonkirche?

Nein, ich bin nicht der Typ: Hoppla, jetzt komm ich! Zunächst benötige ich viele Informationen und dann möchte ich gemeinsam mit allen Beteiligten Konzepte entwickeln. Was die Garnisonkirche angeht, scheint es mir vor allem um die Konzeption der inhaltlichen Arbeit zu gehen.

Kürzlich meinten Sie, in Potsdam interessiere Sie sehr der ökumenische Ökologiekreis. Dafür schlägt Ihr Herz?

Ja, unbedingt. Also ich glaube, dass Kirche die richtige Institution ist, um immer wieder darauf hinzuweisen, dass wir mit den Ressourcen der Schöpfung verantwortlich umzugehen haben.

Sie selbst beschreiben sich als ein Mensch, der geprägt ist vom Geist des internationalen Männerordens in Taizé, jener geistlichen Gemeinschaft, die europaweit große Anziehungskraft insbesondere auf Jugendliche hat.

Ich bin dort oft zu Gast gewesen, auch als Pfarrerin mit Jugendgruppen. Die Erfahrungen aus Taizé fließen in meiner Arbeit an fast allen Stellen mit ein. Ich mag natürlich die bekannten Gesänge, aber daneben auch sehr die dortige Art des Umgangs mit biblischen Texten – einerseits diesen historisch-kritischen Zugang, andererseits die philosophische und anthropologische Herangehensweise. Es wird nicht einfach gesagt, so und so ist dieser oder jener Text zu verstehen. Man sucht zugleich auch den Bezug zum alltäglichen Leben. Das finde ich wichtig.

Das Interview führte Holger Catenhusen

Zur Person

Angelika Zädow wurde 1964 in Bonn geboren. Sie studierte Theologie zunächst in ihrer Heimatstadt, später in Mainz und Gießen. Ihre erste Pfarrstelle trat sie in der Voreifel an. Von 1999 bis 2010 arbeitete Zädow als Pfarrerin im rheinländischen Meckenheim. Ein Schwerpunkt ihrer dortigen Arbeit war die Integration von Menschen mit Behinderungen in der alltäglichen Gemeindearbeit. Im Jahre 2010 wechselte die heute 53-Jährige ins sachsen-anhaltinische Halberstadt, wo sie seitdem als Superintendentin tätig ist. Voraussichtlich im September 2018 wird Zädow ihr Amt als neue Superintendentin in der Stadt Potsdam antreten. Zädow ist in zweiter Ehe verheiratet. Ihr Lebensweg ist eng mit der Musik verbunden. Im Rheinland leitete sie 28 Jahre lang ein Laienorchester.HC

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