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  • 11.01.2018
  • von Jan Kixmüller

Hörsaal-Demo zum Neujahrsempfang: Proteste gegen AfD an Universität Potsdam

von Jan Kixmüller

Studierende und Aktivisten protestierten gegen die Anwesenheit von AfD-Abgeordenten beim Neujahrsempfang 2018 der Uni Potsdam. Foto: Jan Kixmüller

Potsdams Uni-Präsident Oliver Günther betont zum Neujahrsempfang die Redefreiheit an der Hochschule, auch für unliebsame Meinungen. Studierende und Aktivisten protestierten derweil gegen die Anwesenheit von AfD-Abgeordneten.

Potsdam - Überraschung im Hörsaal: Der Neujahrsempfang der Universität Potsdam bekam am Mittwochabend Besuch von einer Gruppe Protestierender. Rund 50 Studierende und Aktivisten demonstrierten bei dem Empfang mit Transparenten und Flugblättern gegen die Anwesenheit von AfD-Abgeordneten. Uni-Präsident Oliver Günther tolerierte die Aktion ausdrücklich und ging in seiner Ansprache explizit darauf ein, wieso er die Landtagsabgeordneten der rechtspopulistischen Partei eingeladen hatte. Es sei bekannt, dass er mit den Positionen der AfD „nichts, aber auch gar nichts gemein habe“. Dennoch sei es ihm wichtig, gerade auf einem akademischen Campus allen das Recht auf Präsenz und freie Rede einzuräumen: „Auch denen, denen man nur ungern zuhört.“

Sparpolitik: vorangekommen, aber noch nicht am, Ziel

Der 2017 wiedergewählte Günther blickte in seiner Ansprache auf sein erstes Jahr 2012 zurück, in dem das Thema der damaligen Unterfinanzierung der brandenburgischen Hochschulen im Vordergrund stand. Und heute? „Wir sind noch nicht am Ziel, aber wir sind in den vergangenen sechs Jahren gemeinsam ein gutes Stück vorangekommen“, sagte er. Letztlich sei es auch der Landesregierung klar geworden, dass Steuermittel für Hochschulen kein Konsum sind, sondern Investitionen in die Zukunft des Landes. Die Trendwende der Jahre 2014/15 sei ohne die Unterstützung der Uni-Mitglieder nicht möglich gewesen, sagt Günther etwas bescheiden, hatte er doch selbst unermüdlich die Sparpolitik des Landes kritisiert. Der Blick nach vorne zeige indessen, dass die Zuwendungen weiter erhöht werden müssten, so Günther. Nicht zuletzt auch, weil heute viel mehr Schüler eines Jahrgangs an die Unis streben. „Eine große Herausforderung, der wir uns gerne stellen“.

Viele Erfolge in sechs Jahren

Was aus dem gemeinsamen Engagement der vergangenen sechs Jahre alles erwachsen ist, kann Günther heute aufzählen: Die starke auch internationale Sichtbarkeit der Potsdamer Uni, mit einzigartigen Studienangeboten wie der Jüdischen Theologie, einem Zentrum für Lehrerbildung, das die bitter nötige Bildungsforschung und die Inklusionspädagogik mit ins Boot geholt hat, einer bundesweit einzigartigen Digitalfakultät, die ausschließlich von ihrem Stifter Hasso Plattner finanziert wird, dem geplante Ausbau auf rund 40 Lehrstühle im Zukunftsfeld Informatik, zwei neuen Sonderforschungsbereichen allein 2017, 50 Firmenneugründungen pro Jahr und einer guten Platzierung im Times Higher Education-Ranking. Da mag es vielleicht etwas besser zu verkraften sein, dass man vergangenes Jahr im Exzellenzwettbewerb von Bund und Ländern nicht weitergekommen ist.

Freie Demokratie und Wissenschaft stärken

Bleibt Günthers Engagement für freie Demokratie und Wissenschaft. Die Wissenschaft müsse heute die breite Öffentlichkeit über den Stand der Forschung informieren, damit keine falschen Tatsachen verbreitet werden könnten. Der wichtigste Ort dafür sei der Hörsaal. „Wir wollen unsere Studierenden zu kritisch denkenden Menschen ausbilden, die ihr Leben lang vermeintliche Wahrheiten hinterfragen.“ Jan Kixmüller

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