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  • 11.01.2018
  • von Sandra Calvez

Einmal pro Monat in Potsdam: Flimclub lädt Cineasten ins Filmmuseum ein

von Sandra Calvez

Filmbegeistert. Die beiden Kollegen Johanne Hoppe und Matthias Kremer sind selbst Filmfans. Statt nur beim Mittagessen darüber zu diskutieren, wollen sie nun mit Gleichgesinnten zusammen schauen – und haben den Filmclub gegründet. Foto: Manfred Thomas

Im Filmmuseum haben zwei Kollegen einen Filmclub gegründet. Sie wollen auch "schwere Kost" anschauen.

Potsdam - Die Einladung besteht aus acht etwas kryptischen Regeln: „Ihr sprecht mit allen über den Filmclub“, heißt es da. „Die Filme dauern genau so lange, wie sie dauern müssen.“ Und: „Keine Hüte, keine Regenschirme“. Die Aufstellung ist eine Anlehnung an die acht Regeln im Kultfilm Fight-Club – eine filmische Anspielung als Ankündigung eines neuen Clubs für Cineasten. Zum ersten Mal traf sich dieser am Dienstagabend im Filmmuseum.

Die von nun an monatlich stattfindenden Veranstaltungen haben zwei Mitarbeiter des Filmmuseums ins Leben gerufen. „Unter Kollegen unterhalten wir uns so oft über Filme, die uns gefallen, aber wir schauen sie nicht zusammen“, sagt Matthias Kremer, der im Museum als Filmvorführer arbeitet. Mit seiner Kollegin Johanne Hoppe hatte er schon im vergangenen Frühjahr die Idee für eine informelle Runde von Kinofans, die gemeinsam Filme anschauen und darüber sprechen. „Wir wollen keine akademische Diskussion, sondern einen familiären Rahmen“, beschreibt Hoppe, die im Ausstellungsbereich des Museums als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist.

Ein vergleichbares Format gibt es derzeit in Potsdam nicht. Der Polnische Filmclub der Universität Potsdam zeigt regelmäßig Filme aus dem Nachbarland, am Babelsberger Filmgymnasium gibt es einen Club für Schüler mit Filmen in Originalversion. Im Filmmuseum gab es vor vielen Jahren schon einmal einen Club des Vereins Cinemarstall, der sich aber aufgelöst hat. Der neue Filmclub dort will sich nun nicht auf ein bestimmtes Land konzentrieren, auf ein Genre oder eine Länge festlegen, und auch nicht auf ein bestimmtes Publikum.

Jedes Mitglied soll mindestens einmal einen Film vorstellen - einen der eine besondere Prägung hinterlassen hat

„Für uns ist das ein Sprung ins kalte Wasser, wir sind gespannt, wie sich das entwickelt“, sagte die 31-jährige Hoppe vorab. Auch Kremer ist es wichtig, dass sich der Club wandeln kann. „Wir haben absichtlich nicht zu viele Vorgaben gemacht, deshalb auch die acht nicht ganz ernst gemeinten Regeln“, so der 43-Jährige.

Sicher sei aber schon, dass jedes Mal ein Mitglied einen Film vorstellen soll. Ein Herzensfilm, einer, der einen prägt, besonders bewegt. Die beiden Gründer sprachen zunächst einige Bekannte an, vier haben schon ein Formular ausgefüllt und Filme vorgeschlagen. „Dann werden wir wohl ein paar Mitgliederausweise basteln“, so Hoppe. Zum Zuschauen und Mitdiskutieren kommen darf aber jeder, drei Euro kostet die Vorstellung im Kino des Museums. „Sicher wird es auch unbequeme Filme geben – da muss man dann durch“, so Kremer. Unbequem für die Sehgewohnheiten, inhaltlich oder von der filmischen Aufbereitung. „Wir treffen uns ja nicht zum Heidi schauen.“

Film 1: Der japanische Psychothriller „Geständnisse“ 

Auch der erste Film ist alles andere als bequem. Ein gutes Dutzend Besucher sind gekommen, als David Müller „Geständnisse“ vorstellt. Der Psychothriller des japanischen Regisseurs Tetsuya Nakashima von 2010 sei ein Film darüber, „wie Kinder und Erwachsene Leid erfahren und damit umgehen“. Nichts für schwache Nerven also, davor warnt er – zwei verlassen gleich den Saal. Das sei auch in Ordnung, so Organisator Kremer, deshalb werde auch erst bezahlt, wenn der Film des Tages vorgestellt wurde.

Nach dem bildgewaltigen und brutalen Werk sind die Besucher erst einmal etwas erschlagen. Es geht um eine junge Lehrerin in Japan, deren kleine Tochter von zwei ihrer 13-jährigen Schüler getötet wird. In immer neuen Wendungen entdeckt der Zuschauer ihre perfiden Rachepläne und die Psyche der Jugendlichen. Rasch kommt eine Diskussion in Gange. Auf den Kinositzen oder im Stehen, Bier oder Limo in der Hand, geht es schnell um die großen Fragen: Wie definiert man Täter, wie Opfer? Wie Schuld? Es geht um Mobbing, um die japanische Kultur, um Vergleiche mit anderen Filmen zu ähnlichen Themen, aber auch um die beeindruckende Ästhetik des asiatischen Films. Frei nach Regel Nummer zwei des Filmclubs: „Außer der Leinwand gibt es keine (geschmacklichen) Grenzen – jeder Film ist diskussionswürdig.“

Filmclub, immer am zweiten Dienstag im Monat, nächster Termin: 13. Februar.

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