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  • 07.12.2017
  • von Marco Zschieck

Potsdamer Humboldtring: Stadt forciert Wohnungsbau am Welterbe

von Marco Zschieck

Im Streit mit der Schlösserstiftung und dem Landesdenkmalamt um ein Bauprojekt am Welterbepark Babelsberg setzt Potsdam auf Eskalation.

Potsdam - Die Stadtverordneten stimmten am Mittwoch mehrheitlich der Auslegung eines Bebauungsplans für ein Areal an der entlang der Nuthestraße zwischen Humboldtring und Havelufer zu. Verbunden damit ist eine Änderung des Flächennutzungsplans. Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt hatten den Plänen im Vorfeld mehrfach widersprochen und auch rechtliche Schritte angekündigt.

In der engeren Pufferzone zum Unseco-geschützten Welterbepark sollen nach dem Willen der Mehrheit der Stadtverordneten statt zahlreichen Bäumen bald Mehrgeschosser entstehen. Der Investor, die Firma BMP Immobilienentwicklung Berlin, will etwa 270 Wohnungen bauen. Die Stadtverwaltung befürwortet das Vorhaben mit Verweis auf den großen Bedarf nach Wohnungen in Potsdam. Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt kritisieren, dass die neuen Wohnblöcke entlang der Nuthestraße den letzten Rest eines freien Blickes vom Park Babelsberg Richtung Innenstadt verstellen würden. Die Stadtverwaltung vertritt den Standpunkt, dass die Gebäude nicht zu sehen sein werden.

SPD will Sozialwohnungen

Zustimmung kam überwiegend von den Fraktionen von SPD, Linke und CDU. SPD-Fraktionschef Pete Heuer wies darauf hin, dass die Pläne vorsehen, zehn Prozent der Wohnungen für zehn Jahre zu den Konditionen des sozialen Wohnungsbaus anzubieten. Ralf Jäkel (Linke) merkte an, dass der Investor bereits Gebäudehöhen reduziert habe.

Kritik kam hauptsächlich von den Grünen und der Fraktion Die Andere. Letztere hatten in einem Änderungsantrag gefordert, nur die Gebäude Richtung Humboldtring zu errichten und auf den Bauabschnitt am Havelufer zu verzichten. Die Grünfläche am Havelufer wäre so erhalten geblieben. Doch außer bei den Grünen fand die Idee nur bei wenigen Stadtverordneten Anklang.

Das Vorhaben birgt Konfliktpotenzial: Schon nach dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan im Jahr 2014 hatten Schlösserstiftung und Landesdenkmalamt Einwände geäußert. Jedoch ohne Erfolg. Mit dem Vorhaben beschäftigen sich bekanntlich schon die Unesco-Welterbehüter von Icomos. Im November hatte auch der Landesdenkmalbeirat eine erhebliche Beeinträchtigung des Park Babelsberg als Teil des Unesco-Weltkulturerbes festgestellt. 

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