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  • 07.12.2017
  • von Jana Haase

Garnisonkirche in Potsdam: Das Erbe des Sprengmeisters

von Jana Haase

Schwergewicht. Der Berliner Galerist Felix Brusberg (M.) spendete Originalteile der Garnisonkirche. Sie sollen beim Wiederaufbau verwendet werden, wie Thomas Bolze (l.) und Wieland Eschenburg (r.) erläuterten.Foto: Andreas Klaer

Der Berliner Galerist Felix Brusberg spendet Originalsteine vom Garnisonkirchenturm. Die Stiftung sucht nach weiteren Originalteilen.

Potsdam - Ein steinerner Adlerkopf, Pfeile und kunstvoll verschlungene Formen: Die insgesamt neun Steine der Potsdamer Garnisonkirche standen mehr als zwei Jahrzehnte im Garten der Brusbergs in Berlin. Dieter Brusberg, Galerist aus Berlin-Charlottenburg, hatte sie vor rund 25 Jahren bei einer Auktion ersteigert. Sein Sohn Felix Brusberg übergab die Originalteile nun als Spende an die Garnisonkirchen-Stiftung, die im Oktober mit dem Wiederaufbau des Gotteshauses an der Breiten Straße begonnen hat. Die gespendeten Steine sollen dabei soweit möglich verwendet und eingefügt werden, erklärte Thomas Bolze, Fachmann für Natursandstein und Mitarbeiter der Arge für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, am Mittwoch in der Nagelkreuzkapelle.

Der Sohn des Sprengmeisters gab die Steine an ein Auktionshaus

Die Steine waren in den 1990er-Jahren vom Sohn des Sprengmeisters der Garnisonkirche zur Versteigerung angeboten worden, berichtete Felix Brusberg – das jedenfalls waren die Informationen des Auktionshauses Bassenge, wo sein Vater Dieter Brusberg die Stücke erwarb. Eine besondere persönliche Beziehung zur Potsdamer Garnisonkirche habe er nicht gehabt: „Er war ein Liebhaber des Barock, die Steine haben außerdem einen skulpturalen Charakter“, sagt Felix Brusberg. Dass die Steine gespendet werden sollen, wenn sie beim Wiederaufbau der Garnisonkirche genutzt werden können, sei im Sinne seines vor zwei Jahren verstorbenen Vaters: „Wir finden, das ist es wert, gefördert zu werden.“

Dass es sich um Originale von der Garnisonkirche handelt, war für Thomas Bolze sofort klar. Zur Vorbereitung des Wiederaufbaus hat er das Aussehen des Skulpturenschmucks des Kirchtums genauestens studiert und Zeichnungen für die geplante Rekonstruktion angefertigt – hauptsächlich auf der Grundlage von vielen Fotos, die der damalige Regierungsbaurat Erich Daubitz vor einer Sanierung in den 1920er-Jahren gemacht hat. „Den Turm kennt man dann auswendig“, sagt Bolze. Schon ein Blick auf die von Brusberg zuerst geschickten Fotos von den Steinen reichte ihm aus: „Ich habe sofort gesehen, wo was hingehört.“

Der richtige Moment sei gekommen

Solche Spenden aus der Bevölkerung seien sehr wichtig, betonte Wieland Eschenburg, der Sprecher der Stiftung Garnisonkirche. Er hofft nun auf weitere Originalstein-Spenden aus der Bevölkerung. „Wir sind allen dankbar, die solche Stücke damals geborgen haben, beschützt haben und uns zurückgeben können.“ Jetzt sei der richtige Moment, die Teile zurückzugeben, denn jetzt könnten sie noch in den neuen Turm eingebaut werden.

Derzeit werde der Figurenschmuck von Künstlern aus Potsdam, Berlin und Müggendorf in der Prignitz zunächst in Gipsmodellen nachgestaltet, berichtete Thomas Bolze. Die Gipsmodelle sollen später dann in Sandstein übertragen werden. Dabei könnten die vorhandenen Originalteile berücksichtigt werden.

Die sollen für den Betrachter am fertigen Bauwerk auch als solche erkennbar sein: Es sei nur eine behutsame Restaurierung geplant, die Originalteile werden sich allein schon farblich von dem neuen, hellen Sandstein abheben. Ähnlich wie beim Landtagsschloss, wo unter anderem originale Säulen verbaut wurden, wolle man bei größeren Originalteilen wie einem Kapitell kleinere Fehlstellen nicht ergänzen, sondern die Funde unverändert verwenden.

Antrag auf Denkmalschutz der Einzelteile

Insgesamt geht Bolze von rund 60 bekannten Originalteilen der Garnisonkirche aus. Für die Originalteile strebe man den Denkmalschutzstatus an, ein entsprechender Antrag wird momentan vorbereitet. Eine Sprecherin des Landesdenkmalamtes bestätigte das den PNN. Einige Originalteile gehören laut Bolze dem Potsdam Museum. Das Museum habe seinerzeit direkt nach der Sprengung 1968 besonders gut erhaltene Stücke geborgen. Zu der Frage, inwieweit man diese Originalsteine für den Wiederaufbau verwenden könne, sei man mit dem städtischen Museum in Gesprächen, sagte Wieland Eschenburg.

Weitere Originalteile waren 2015 bei Tiefbauarbeiten für das neue Potsdamer Bad blu gefunden worden – der Bauschutt der Garnisonkirche war nach der Sprengung offenbar zum Anfüllen des Geländes am Brauhausberg genutzt worden, wie die Stadtarchäologin Gundula Christl damals erklärte.

Ein weiteres Originalteil der Garnisonkiche geht am Samstag in Berlin an den Höchstbietenden: Dann versteigert das Auktionshaus Leo Spik ein Gitter vom Ovalfenster der Gruft der Kirche – mit Königskrone, Adlerbekrönung und Rankenwerk. Das Anfangsgebot liegt bei stolzen 30.000 Euro. An der Versteigerung werde sich die Garnisonkirchen-Stiftung nicht beteiligen, sollte sich ein finanzkräftiger Spender beteiligen, begrüße man das aber natürlich, hieß es. Dieter Brusberg musste seinerzeit nicht ganz so viel zahlen: Die neun Steine ersteigerte er für einen DM-Betrag in niedriger vierstelliger Höhe, erinnerte sich sein Sohn.

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